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Montag, 20. Dezember 2021

Montagsverwirrung

 Ich blicke in den Spiegel. Die letzte Stunde verbrachte ich damit, meine rote Mähne mit einem Lockenstab zu bändigen. Ich bin zufrieden mit dem Ergebnis. Meine Haare sind das Einzige, das ich an mir mag. Für einen Moment schaue ich mir selbst in die Augen und erkenne meine Eltern darin. Ich habe seine Augen. Manchmal blitzen Erinnerungen auf, wenn mich mein eigener Blick trifft. Dann überkommt mich die Angst, dass ich Teile von ihnen in mir haben könnte. Dass ich so werden könnte wie sie. 

Mühsam schüttle ich diesen Gedanken von mir ab. Dafür ist jetzt keine Zeit. Zu groß ist die Gefahr, dass ich Dinge aufwühle, die mich außer Gefecht setzen könnten. Nein, nicht jetzt! 

Also krame ich mein Lernzeug hervor und beschäftige mich mit der Implementierung von Algorithmen, mit ihren Bestandteilen und Befehlen. Doch ich kann mich nicht konzentrieren. Mein Geist schweift ständig ab und geht auf Wanderschaft durch meine chaotische Gedankenlandschaft. Mit aller Kraft versuche ich, meinen Fokus zurück auf das Wesentliche zu richten. Das will mir allerdings nicht so recht gelingen. Es nervt mich. Ich habe für meine Zerstreutheit kein Verständnis und keine Geduld. Es ärgert mich, dass ich gerade nicht funktionieren will. Vertraute Beschimpfungen werden in mir laut und ich ergebe mich eine zeitlang dem Selbsthass. Das hilft mir dabei, den eigenen Raum einzuschränken. Ich erlaube mir nicht, mich mit mir auseinanderzusetzen. Mein Alltagsich kehrt zurück und verschließt all die störenden Emotionen in einer massiven Kiste. 

Mir ist bewusst, dass meine Rationalität mir selbst im Weg steht. Ich weiß, dass ich gleich zur Therapie und dort über eben jene Gefühle sprechen muss. Verdrängen hat mich noch nie weit gebracht. Es hat mir meine Existenz gesichert, mehr aber auch nicht. Allerdings weiß ich nicht, wie es anders aushaltbar sein soll. Dr. Freud sagt, ich müsse einen Zugang zu den Empfindungen finden, um die Dinge "verarbeiten" zu können. Ja, klingt pausibel. Aber wie gehe ich mit der Wucht der Dinge um, wenn der Schutzmechanismus fehlt? Wie soll ich der zerstörerischen Brand in mir bekämpfen, wenn ich den Feuerlöscher nicht benutzen kann? Vielleicht bin ich auch schlicht ein zu großer Feigling...



Wolkentänzerin

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