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Freitag, 18. Dezember 2020

Alle Jahre wieder

Weihnachten steht vor der Tür und wie jedes Jahr habe ich Magenschmerzen und eine unbeschreibliche Schwere in mir. Meine Gedanken schwirren wie rastlose Fliegen durch meinen Kopf. Kaum einen vermag ich zu greifen. Ich selbst bin ruhelos und weiß nichts mit mir anzufangen. Dann und wann blitzen Erinnerungen auf. Erinnerungen an Weihnachtsfeste, die sich anfühlen, als hätten sie in einem anderen Leben stattgefunden. Und vielleicht ist ja auch etwas dran. Vielleicht ist es tatsächlich ein anderes Leben. Zumindest fühlt es sich in manchen Momenten unendlich weit entfernt an. Doch da gibt es auch die Momente, in denen das Erlebte förmlich spürbar ist. All die Empfindungen jener Zeit werden heiß und unerträglich.

Häufig überkommt mich ein bohrendes, schlechtes Gewissen. Ich fühle mich meiner Mutter gegenüber schuldig, weil ich sie nicht besuchen oder auf andere Weise kontaktieren werde. Es kostet mich enorm viel Kraft – auch, weil ich mich noch immer nicht emotional von ihr trennen konnte. In meinem Inneren bin ich bis heute das verängstigte Kind, das versucht, die mütterliche Liebe zu gewinnen. Die Wahrheit ist jedoch, dass ich sie nicht erhalten werde. Ganz gleich, was ich tue.

Mir ist bewusst, dass ein friedliches Weihnachtsfest wohl eher eine romantisch verklärte und von Hollywood hochstilisierte Vorstellung ist, die sehr selten etwas mit der Realität zu tun hat. Stattdessen entlädt sich an den Feiertagen oftmals jener Stress, der sich über das gesamte Jahr angestaut hat. Das macht mich irgendwie betroffen. Ich meine, wenn die Harmonie nicht der Standard ist, was bedeutet das dann für uns als Menschen? Was bedeutet das für diese Welt, in der wir leben? Wieso gibt es dermaßen viel Wut, Neid, Anfeindung und Hass auf dieser Erde?

Zu Weihnachten explodierte es in meiner Familie regelmäßig. Es war möglich, die Uhr danach zu stellen. Die gesamte Adventszeit über lag eine gefährliche Spannung in der Luft. Wir Kinder hielten dauernd den Atem an, weil wir fürchteten, ein falsches Wort könnte die Eruption verursachen. Schon ein falscher Blick reichte aus, um einen Tobsuchtanfall auszulösen. Infolgedessen wurde uns oft gedroht, sie gäben uns weg. Sie sagten, wir wären nicht länger zu ertragen. Dass wir ihnen ihr Leben zerstörten und ihre Körper ruinierten, weil sie sich für uns kaputt arbeiteten.

Ich hasse Weihnachten nicht. Nein, ich kann durchaus den wundersamen Zauber verstehen, die diese besondere Jahreszeit für viele Menschen bedeutet. Und ich wünsche jedem, dass er/sie es genießen möge. Für mich persönlich ist es nur wahnsinnig anstrengend. Überall die Weihnachtslieder, die Rede von Familienglück und dem trauten Beisammensein. Mir führt das Weihnachtsfest vor Augen, was ich verpasst habe. Es formt den indiskutablen Kontrast zu meinem eigenen Erleben und das ist mitunter nur schwer erträglich.

Zu Weihnachten fühle ich mich am stärksten von dieser Welt entfremdet. Ich kann schlecht mit dem Schein der Harmonie und Liebe umgehen. Und auch, wenn ich weiß, dass es eben häufig nur ein Schein ist, macht es mir sehr zu schaffen.

Doch es gibt einen Hoffnungsstern in dieser düsteren Nacht: auch Weihnachten geht vorbei.

 

Wolkentänzerin

Dienstag, 1. September 2020

Der See des Vergessens

An manchen Tagen habe ich das Gefühl, diese Welt nicht mehr ertragen zu können. Wo ich auch hinsehe, offenbart sich Leid, Elend und das Böse dieser Zeit.

Tagtäglich lausche ich den Geschichten meiner Mitmenschen über persönliche Schicksalsschläge, allgemeine Unzufriedenheit, tiefe Niedergeschlagenheit und weiterem Seelenballast, der sie bedrückt. Ich höre zu und nehme all das in mich auf.

In mir war schon immer der Drang, meinen Gegenüber anzusprechen, wenn ich eine gewisse Traurigkeit oder Bedrückung wahrnehmen konnte. Ich stelle Fragen und lasse den anderen den Raum füllen, den ich zur Verfügung stelle. Ich bin da. Ich bin verständnisvoll, emphatisch, wertschätzend und nehme mich selbst zurück.

Keine Frage, ich bin von ganzem Herzen dankbar dafür, dass Menschen mir Vertrauen können und mich in ihre Herzen blicken lassen. Ich bin dankbar dafür, dass sich mir Menschen zeigen können, wie sie sind. Ich erfreue mich an dem Austausch und daran, meinen Horizont durch die Perspektive des anderen erweitern zu können. Ich bin gern da und ich freue mich, der Mensch sein zu können, der ein wenig Licht spenden kann.

 

Doch manchmal wünsche ich mir, ich könnte mein Herz auch öfter mal jemand so ausschütten. Ich wünsche mir, nicht immer vorsichtig sein zu müssen. Stattdessen muss ich aufpassen, wie viel ich wem sage.

Denn Menschen haben leider oft die Angewohnheit, Vertrauliches weiterzuerzählen. Nicht aus bösem Willen heraus. Nein, sie haben nur endlich mal wieder etwas Spannendes zu erzählen. Eine fesselnde Geschichte, die sich gut „verkaufen“ lässt. Doch ich möchte mehr sein als eine Sensation. Ich möchte als Person gesehen werden. Ich möchte verstanden werden. Ich möchte keine Phrasen hören, die bloß als Platzhalter für Unsicherheit dienen. Ich möchte keine Rücksicht nehmen müssen. Ich möchte erzählen und gesehen werden.

Ganz ehrlich? Ich bin es so leid, auf gesellschaftliche Konzepte Rücksicht zu nehmen.Mir bluten die Ohren, wenn ich nochmal höre, dass ich bloß nach vorne schauen und mich beschäftigen brauche und sich dadurch schon alles zum Besseren wenden werde. Dass ich doch endlich mal auf die Fuße kommen und mich meiner Karriere widmen müsse. Dass ich endlich Fortschritte machen müsse.

Außerdem bin ich es so leid zu hören, dass jemand an mich denkt. Was genau soll mir das bringen? Weshalb soll ich dafür dankbar sein? Damit erleichtert der andere bloß sein eigenes Gewissen und kann sich das Gefühl geben, etwas getan zu haben. Aber ich bin dann verpflichtet, dankbar zu sein. Dankbar für etwas, das mir letztlich nichts bringt. Und um ehrlich zu sein, macht mich das traurig. Denn unterm Strich bin ich dann noch einsamer. An jemand zu denken, ist etwas sehr passives - zumindest für mein Empfinden. Ich möchte kein Andenken. Ich möchte ein Dasein.

Die meisten Menschen wissen nicht, wie sie mit einem traumatisierten Menschen umgehen sollen. Sie sind überfordert, wenn dieser Mensch nicht so reagiert, wie erhofft. Schnell werden Vorwürfe laut. Schnell macht sich Frust breit, weil der andere es immer noch nicht geschnallt hat. „Du gehst doch jetzt schon so lange zu Therapie. Warum ist es denn noch immer noch nicht besser?“. „Warum kannst du mir nicht endlich mal vertrauen?“. „Ich habe es dir doch schon so oft gesagt. Warum kannst du mir nicht endlich mal glauben?“.

Warum? Weil ich es nicht kann. Ich habe kein Urvertrauen gelernt. Ich kann nicht sagen, was ich brauche. Deshalb sage ich das, wovon ich glaube, dass du es hören möchtest. Ich lasse dich über meine Grenzen latschen, weil ich nicht gelernt habe, mich für mich selbst stark zu machen. Ich höre lieber dir zu, anstatt dir deine Zeit zu stehlen, indem ich über mich rede.

 

Ich möchte frei über mich sprechen können, ohne dich am Ende auffangen zu müssen. Ich möchte mir nicht anhören müssen, dass du dir nicht vorstellen willst, wie sich das anfühlen muss. Nein, ich kann nicht einfach damit abschließen. Wie soll das auch gehen? Es ist mein Leben. Mein Leben, das ich ständig verstecken muss. Mein Leben, das sich anfühlt, als existiere es lediglich in einem Paralleluniversum. Mein Leben, das sich die meisten nicht vorstellen wollen. Sie lassen nicht zu, dass ich sie damit konfrontiere, weil sie Angst um ihre heile Welt haben.

 

Ich bin es leid, mir die Vorwürfe anhören zu müssen. Die Menschen wollen, dass ich mich ihnen öffne. Dass ich ihnen sage, was ich empfinde. Doch sie können nicht verstehen, dass ich das nicht kann. Dass ich Angst vor der Reaktion habe. Denn es tut höllisch weh, wenn ich mich öffne und mein Gegenüber erwidert eine Phrase. Einen nichtssagenden, bedeutungslosen Satz. Um überhaupt etwas zu sagen. Dann muss ich danke sagen und wieder die Starke mimen. Ich muss dem anderen das Gefühl vermitteln, dass mir seine Worte helfen. Dass alles letztlich ok ist und ich schon klarkomme. Dass ich dankbar bin. Ich fange dann den anderen auf und gebe ihm ein gutes Gefühl. In solchen Momenten spüre ich nicht nur den massiven inneren Schmerz, weil ich über diese Dinge gesprochen habe, sondern auch das unerträgliche Brennen der intensiven Scham. Weil ich vom Gegenüber nicht in meinem Empfinden abgeholt wurde. Es beschämt mich, mich überhaupt geöffnet zu haben. Ich komme mir dumm vor. Ich trete innerlich einen Schritt zurück, verstecke mich wieder, setze die Maske auf und kümmere mich um meinen Gegenüber.

Mir ist absolut bewusst, dass ich meinen Mitmenschen keinen Vorwurf machen kann. Sie handeln überwiegend aus gutem Willen heraus und tun ihr Bestes. Und wie sollen sie auch wissen, was es bedeutet eine zersplitterte Seele zu haben, wenn ihnen das zum Glück erspart geblieben ist?

Wie soll ein Mensch verstehen, was es bedeutet? Was es heißt, wenn der Mensch, der die Aufgabe hat, dich zu schützen, dir den Weg in ein gutes Leben zu ebnen und dem du kindlich vertraust, eben das ausnutzt, um sich selbst zu bereichern? Was es heißt, den Schmerz als festen Bestandteil ins Leben zu integrieren. Und das noch bevor du überhaupt dazu fähig bist, eigenständige Gedanken zu haben.

Wie soll ein Mensch verstehen, dass du lange dachtest, dass das alles normal sei. Dass zwei Herzen in deiner Brust schlagen. Dass du ein Widerspruch in dir selbst bist? Dass du Nähe und Abstand gleichermaßen willst und brauchst? Dass du manchmal vor Sprachlosigkeit aufschreien willst? Dass du dich öffnen willst und es nicht kannst, weil es dir einfach nur furchtbare Angst macht?

 

Doch ich bin es leid, so verdammt allein mit mir zu sein. Einsam damit, diese Dinge erlebt zu haben. Mich immer und immer wieder erklären zu müssen, weil ich eben nicht so bin wie die anderen. Ich möchte nicht mehr dem Druck der Gesellschaft ausgesetzt sein. Einer Gesellschaft, die von mir erwartet zu funktionieren. Die erwartet, dass ich mich anpasse – koste es, was es wolle. Eben jene Gesellschaft, die ständig wegschaut. Die nicht eingriff, als es noch Rettung möglich gewesen wäre. Die aufschreit, wenn sie von diesen furchtbaren Dingen erfährt, es jedoch genauso schnell wieder verdrängt. Die Verständnis heuchelt, dir aber Vorhaltungen macht, wenn du nach der festgeschriebenen Zeit noch immer nicht funktionierst. Die dich abschreibt, wenn du es nicht schaffst, dein Ich von dir abzuspalten, um Leistung zu bringen.

Ich möchte schreien, weil ich das heiße Verlangen in mir spüre, endlich frei sein zu können. Frei von den niederdrückenden Gedanken. Frei von den Selbstvorwürfen. Frei vom Selbsthass. Frei vom anstrengenden Verantwortungsgefühl. Frei vom Glauben, irgendetwas wiedergutmachen zu müssen. Frei von Schuld. Frei von Scham. Frei von Erinnerungen. Frei vom Wiedererleben. Frei von Krämpfen. Frei von Albträumen. Frei von Entsetzen. Frei von gedanklichen Fesseln. Frei von Selbstverletzung und -zerstörung. Frei von Angst.

Ich wünsche mir einen Moment der Schwerelosigkeit. Einen Moment zum Durchatmen. Einen Moment, in dem ich mich fallen lassen kann. Einen Moment der absoluten Stille.

Ja, ich möchte mich in das tiefe Dunkel sinken lassen und mich von den sanften Wogen davontragen lassen. Ich möchte in die schäumenden Wellen des berauschenden Nichts eintauchen und mich fortreißen lassen. Ich möchte hinabtauchen in den See des Vergessens. Ich möchte aufhören, mich zu fühlen. Ich möchte spüren, wie die eisige Kälte meine Zellen ausfüllt und mich taub werden lässt. Ich möchte mich verschlingen lassen und nie wieder zurückkehren.

Doch ich weiß, dass das nicht geht. Ich weiß, dass ich weitermachen muss. Ich weiß, dass es Menschen gibt, die sich auf mich verlassen.

Und so wird morgen ein neuer Tag beginnen. Ein neuer Tag, an dem ich zuhören und geben werde, was ich geben kann. Ich werde mein Bestes versuchen, um den Menschen in meinem Umfeld zu helfen. Ich werde da sein und hoffen, dass es irgendwann genug sein wird. Dass ich irgendwann genug getan haben werde, um all die Fehler wiedergutzumachen, die ich beging… 


 

Wolkentänzerin

Samstag, 25. April 2020

Der gespiegelte Feind


Heute ist wieder so ein Tag, an dem der innere Druck mir meinen Atem abschnürt. Ich kann kaum einen einzigen klaren Gedanken fassen. Selbst die kleinste Bewegung fällt mir schwer. Ich bin furchtbar müde und abgeschlagen. Am liebsten möchte ich schlafen, doch zum einen weiß ich, dass ich dadurch keine Erholung fände und zum anderen kann ich die Nacht dann komplett vergessen. Also muss ich mich wohl oder übel irgendwie beschäftigen, um nicht durchzudrehen. Aber an Tagen wie diesen macht mir nichts Freude. Alles ödet mich an und erscheint mir wenig sinnbringend. 

An Tagen wie diesen möchte ich am liebsten von einer Brücke springen. Dabei meine ich das eher im übertragenden Sinn. Denn auch wenn ich der felsenfesten Überzeugung bin, dass der Tod die einzige Möglichkeit für mich ist, Frieden zu erlangen, so werde ich mein Leben trotzdem nicht beenden. Nicht, weil ich gerne lebe, sondern weil ich mir nicht das Leben nehmen KANN. 

Immerhin begleiten mich diese Gedanken nun seit meinem zwölften Lebensjahr und ich habe etliche Versuche unternommen. Ich habe meinen Ausstieg aus diesem Leben genau geplant und seit langer Zeit Briefe parat. Die Notwendigkeit, diese Briefe zu ändern, bestand nie, da sich an meinen Gründen letztlich nie wirklich etwas geändert hat. Ich kann dieser Welt und den auf ihr lebenden Menschen nichts Gutes abgewinnen. Nicht allen Menschen per se. Aber doch dem Großteil. Mich machen die Ignoranz und Gedankenlosigkeit der Gesellschaft wütend. Ich kann mit den Grausamkeiten, zu denen nur der Mensch fähig ist, nicht umgehen. Ich begreife nicht, warum ich mit all dem leben sollte. Es ergibt für mich keinen Sinn. Außerdem halte ich mich weder für unersetzbar noch für bedeutsam. Warum sollte genau ich leben? Wozu? Um anderen Menschen zu helfen? Nein, das können andere sicher besser. Es gibt keine stichhaltige Argumentation, die mir erklären könnte, weshalb ich leben sollte. 

Wozu also der Kampf? Wozu all die Mühe und Anstrengung? Wozu das Verstellen und Versteckspiel? Ganz ehrlich? Ich bin es so leid. Ich bin dieses Leben so leid. Ich bin es leid, mich innerlich zu zerfleischen. Ich bin es leid, dass mich die inneren Stimmen ständig fertig machen. Ich ertrage diese seelischen Schmerzen nicht mehr. Dieser ständige Selbstzweifel. Die Vorwürfe und die Selbstzerstörung. Diese toxischen Gedanken und Bilder. Ich will nicht mehr. Ich möchte nur noch, dass alles still ist. 

Ich bin erschöpft vom ständigen Kampf mit mir selbst. Es macht mich müde zu sehen, wie ich mich selbst immer wieder in Stücke reiße. Es laugt mich aus, mit mir selbst streiten zu müssen, weil ich mir nichts erlauben kann und es doch so gerne möchte. Ich habe keine Kraft mehr, mich meinem inneren Feind entgegenzustellen. Egal, was ich tue, ich kann ihn nicht besiegen. Zwar schaffe ich es, ihn eine gewisse Zeit über klein zu halten, doch dann bricht er umso mächtiger aus und treibt mich zu noch destruktiveren Verhaltensweisen als zuvor. Wenn ich etwas Gutes gemacht habe, auf das ich zurecht stolz bin, wird mein persönlicher Feind zum Teufel und reißt mich derart in Stücke, sodass ich mich am Ende dafür schäme, stolz gewesen zu sein. 

Es macht mich sehr traurig. Ich bin betrübt, weil nichts, aber auch wirklich nichts hilft, um diesen Feind loszuwerden. Ich trage mein eigenes Gift in mir. Und ich weiß nicht, weshalb ich noch dagegen kämpfen soll. Wozu? 

Ich hasse mich. Ich hasse diesen Teil in mir, der mir derartigen Schaden zufügt. Ich hasse diesen Teil in mir, der Täter ist. Ich hasse all die Menschen, die diesen Teil in mich verpflanzt haben.

Es quält mich, ich zu sein. Es quält mich, in diesem Gefängnis zu stecken. Es quält mich, der Dunkelheit nicht entkommen zu können. 

Denn an Tagen wie diesen, in denen ich mich geschlagen gebe und den Teufel in mir machen lasse, ist es erträglicher. Wenn ich aufgebe und in mir verschwinde, kann ich der Schwere für eine Weile entkommen. Doch das ist kein Leben. Ich hänge lediglich zwischen den Welten. Und wenn ich mich geschlagen gebe, werden die Impulse der Selbstverletzung stärker. Ich möchte mir entsetzliche Schmerzen zufügen, mir die Haut abziehen, mich leiden sehen. Wenn der Feind erstmal an der Macht ist, bleiben jedesmal Wunden zurück, die nur langsam heilen.

Ich tanze auf den Wolken, weil ich keine Energie habe, um meinem gespiegelten Feind Einhalt zu gebieten. Und ich frage mich, wie lange soll das noch so gehen? Wie lange kann ich das noch aushalten? Wann finde ich endlich ein Mittel, um dem Teufel den Garaus zu machen? 

Dieser Zustand macht mich am wütendsten auf all die Dinge, die waren. Auf all die Menschen, die es geschafft haben, mich nachhaltig zu schädigen. Die mich in ein Gefängnis steckten, das für die meisten Menschen nicht sichtbar und für die allermeisten nicht verstehbar ist. Dieses Gefängnis ist die Hölle auf Erden und sie ist direkt in mir.



Wolkentänzerin