Hallo Welt,
lange ist es her, dass ich meine Gedanken auf diese Weise niederschrieb. Irgendwie dachte ich, wenn ich es nicht aufschreibe, ist es weniger real. Vielleicht war ich auch der Meinung, meine Worte seien überflüssig und es mache keinen Unterschied, ob ich etwas sage oder es lasse. Letztlich ist es aber auch unerheblich, was mich dazu bewog, nicht mehr zu schreiben. Denn was ist auf dieser Welt schon wichtig?
Ich habe mir sehr oft gewünscht, die Welt möge aufhören, sich zu drehen. Dass sie für eine Weile innehalte. Ich habe nicht verstanden, wie den Menschen all das Leid dieser Welt so egal sein kann. Weshalb die Zeit stetig weiterläuft und überall Freude und Oberflächlichkeit zu beobachten sind. Es war mir zuwider und es befremdete mich. Tja, jetzt habe ich den Salat. Immerhin hat die Welt jetzt eine Krise und alles ist irgendwie aus den Fugen geraten. Mir scheint, als sei mein Inneres nach außen gekehrt worden. Als sei die momentan omnipräsente Atmosphäre Spiegel meiner inneren Empfindung. All die Negativität, Angst und das Leid der Vielen macht mir enorm zu schaffen und ich erkenne, dass mein Wunsch pure Naivität war.
Leider brauche ich die vermeintliche Unbeschwertheit der Welt. Mich dürstet nach der freudig herumtollenden Gesellschaft. Ich sehne mich sogar nach der Oberflächlichkeit. Was für eine paradoxe Aussage. Aber es ist wahr. Letztlich habe ich nämlich festgestellt, dass eben jene Oberflächlichkeit und unbeschwerte Freude es sind, die mich überleben lassen. Die den Kontrast zu meiner Dunkelheit formen. Ich kann das Haus verlassen und gewinne Abstand zu meinen inneren Dämonen. Ich kann mich berieseln lassen und bekomme die Ablenkung, nach der meine Seele lechzt. Ja, es ist sogar wichtig für mich, meine Maske tragen zu können.
Nun ist die Erde jedoch in Dunkelheit gehüllt und mir geht allmählich die Puste aus. Egal, wohin ich sehe, beherrscht Sorge, Angst und Leid das Leben der Menschen. Das raubt mir meine Kraft. Ich kann dem Schmerz nicht entkommen. Das macht mich müde. Sehr müde. Ich bin ausgelaugt und finde keine Ruhe. Die Gedanken kreisen unentwegt in meinem Kopf und drehen munter ihre Runden. Ich fühle mich unsichtbarer als eh schon. Und so wächst in mir das Verlangen, mich zu verkriechen und zu verschwinden. Meinem Impuls endlich nachzugeben. Wenn nicht jetzt, wann dann? Ach bitte, was soll das bringen? Warum den Kopf in den Sand stecken? Warum? Weil diese Zeit mir das Gefühl der unerträglichen Einsamkeit verleiht. Weil es mich mit Themen konfrontiert, die ich schier nicht aushalte. Weil es auf Wunden drückt, die noch immer nicht verheilt sind. Weil ich diese Welt als einen schrecklichen Ort empfinde.
Ich habe mich schon lange nicht mehr so einsam, verlassen und verletzt gefühlt und ich habe keinen blassen Schimmer, was ich dagegen tun soll. Und was noch schlimmer ist: ich habe keine Ahnung, wofür ich kämpfen soll. Weshalb ich weiterleben sollte. Wozu den Schmerz noch länger ertragen? Mir fehlt jeglicher Lebenssinn.
Es begann vor ein paar Monaten. Ich fiel in ein tiefes Loch und seitdem ist der Keim des Zweifels stetig gewachsen. Ein monströser Unfriede hat sich in mir ausgebreitet und mich in die Knie gezwungen.
Dieser Kampf mit mir selbst geht nun schon so lange. Ich kann es selbst nicht mehr hören. Immer wieder das Gleiche. Immer die Selbstzweifel und der -hass. Hinzukommen die vielen Bilder, die mich das Schrecken gelehrt haben. All die Erinnerungsfetzen, die wie unzählige Fliegen im meinen Kopf herumflattern und mich in den Wahnsinn treiben.
Ich habe es versucht. Ja, ich habe versucht, ein ganz normales Leben zu führen. Habe verdrängt und mich auf das Hier und Jetzt konzentriert. Doch es klappt nicht. Ich bin an einem Punkt, an dem es nicht mehr geht. Ich muss Farbe bekennen und mich der Wahrheit stellen. Auch auf die Gefahr hin, dass ich es nicht packe. Denn was wäre die Alternative?
Wolkentänzerin
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