Dr. Freud sagt, er habe großen Respekt davor, wie ich mein Leben bisher gemeistert habe. Wie gut es mir gelungen sei, im Alltag zu funktionieren und ein gewisses Maß an Ich-Stärke zu entwickeln.
Doch darin liegt, meiner Meinung nach, sicher keine persönliche Leistung. Nein, stattdessen war es eine Reihe zufälliger Ereignisse, die mich zu dem machten, was ich heute bin. Es wäre vermessen, mir deshalb auf die Schulter zu klopfen und einen falschen Stolz zu empfinden.
Menschen reden nur allzu gern von Glück, wenn ihnen etwas Positives widerfährt. Oder sie sprechen von Unglück, wenn eben genau das Gegenteil eintritt und das erhoffte Ergebnis ausbleibt. Dabei sind Glück und Unglück nichts anderes als sehr individuell bewertete Zufälle.
Was aus einem Menschen wird, unterliegt einer großen Anzahl an zufälligen Wendungen des persönlichen Werdeganges. Auf die meisten davon haben wir kaum oder gar keinen Einfluss. Es obliegt nicht unserer Entscheidung, in welchen sozioökonomischen Kontext wir hineingeboren werden. Ebenso wenig wie die jeweilige familiäre Dynamik oder jene Ideologie, die unser Leben maßgeblich formen wird. Uns wird ein Wertesystem eingeflößt, das wir erst viele Jahre später zu hinterfragen imstande sein werden. Bis dahin haben wir jedoch unzählige wegweisende Entscheidungen getroffen und unsere Persönlichkeit dadurch geformt.
Mir erscheint es sehr absurd, Zufälle in Kategorien einzuteilen und ihnen somit einen höheren Wert beizumessen, als letztlich angebracht wäre. Denn, dass ich bin, wer ich bin, ist nicht mein Verdienst. Es ist bloß das Zusammenspiel unzähliger kleiner Puzzleteile, die am Ende ein Gesamtbild ergeben.
Wie arrogant wäre es zu behaupten, dass ich heute da bin, wo ich bin, habe ich mir allein zu verdanken? Das ist sicher nicht mal im Entferntesten die Wahrheit. Nein, ich bin ein Gebilde aus unzähligen Zufällen. Wie ein jeder von uns.
Ich möchte nicht in Abrede stellen, dass es persönliche Erfolge oder berechtigten Stolz gibt. Doch ich denke, dass es nie verkehrt ist, einen Schritt zurückzutreten und sich zu überlegen, welche ungreifbare Anzahl an Stellschrauben dabei mitwirkten, dieses Ereignis erst möglich zu machen.
Wolkentänzerin

Der Zufall ist nicht ganz so zufällig wie er scheint. Verschaffst Du dem Zufall viele positive Gelegenheiten, passieren Dir gute Zufälle. Menschen und Zufälle haben Dir geholfen, um an diesem Punkt anzukommen, aber Du alleine hast ihnen die Gelegenheit dazu verschafft.
AntwortenLöschenLieber Sebastian,
Löschenes ist schön, von dir zu lesen! Vielen lieben Dank für deinen Impuls und deine Gedanken!
Die Vorstellung, der Zufall könne von einer positiven Haltung oder von positiven Taten gelenkt werden, ist eine sehr schöne.
Ich möchte auch keineswegs undankbar erscheinen. Nein, ich bin von ganzem Herzen dankbar für all die wundervollen Menschen, die mir bisher geholfen haben!
Doch, damit genau diese Menschen im richtigen Moment in mein Leben trafen, mussten unzählige Faktoren übereinstimmen. Eine, wie ich finde, faszinierende Überlegung, die so manches zu relativieren vermag.