Freitag, 21. November 2014

Sie nähert sich - die beängstigende Zeit

Es geht auf Weihnachten zu. Das erste Weihnachtsfest ohne meine Familie. Ohne meine Erzeuger, ohne meine Brüder, ohne meinen Hund. Obwohl ich weiß, dass es besser so ist, verletzt es mich doch und macht mich traurig. Ich fühle mich unvollständig, innerlich zerrissen und total verwirrt. Im Grunde bin ich mir meiner Entscheidung sicher und weiß, es war das beste, was ich tun konnte. Doch blicke ich auf die bevorstehenden Festtage, so muss ich mir eingestehen, dass es mir schwerfällt. Klar, ich wäre nicht in der Lage sie alle wiederzusehen und es wäre eine negative Erfahrung für mich dort hinzufahren. Ich denke jedoch, dass es mir gar nicht mal darum geht. Vielmehr ist es meine Melancholie, das Bekannte, was es mir schwer macht. Weihnachten war immer Familie, zwar eine vorgespielte, sehr inszenierte Idylle. Aber es war eine. Die perfekte Familie, die sich liebt und einander wertschätzt. So, wie ich es mir von kleinauf erträumte. Harmonie, Frieden und Freude. All das Negative, Zerstörerische und Vernichtende verdränge ich dabei gern. Denn für mich war der Wunsch nach einer heilen Familie stets am größten. Ich wollte geliebt und geborgen sein. Mich gut fühlen und mir meiner Liebe sicher sein. Dass es eine falsche, eine finster Liebe war, das, ja, das war mir egal. Hauptsache den Hauch von Liebe fühlen. Großartig.
Und nun? Alles weg. Nicht die geringste Chance, dass ich diese Liebe je bekomme. Und selbst die heuchlerische Harmonie ist für mich nicht länger zu erreichen. Jegliche Möglichkeit verbaut. Kein Zurück. Unwiderruflich zerstört.
Mir ist klar, dass ich froh sein sollte. Ich bin frei, bin davon losgelöst. Nur fühlt es sich nicht so an. Mein Gefühl will mir etwas vormachen. Sagt mir, dass nicht alles schlecht war, dass wir auch gute Momente miteinander erlebten. Das mag ja stimmen, doch kann das das Schreckliche, das Brutale und den Terror gutmachen? Es ausradieren? Sicher nicht. Warum ist es dann so schwierig? Warum zweifle ich an mir? Warum sehne ich mich nach Liebe von Menschen, die mir mein Leben verbauten? Die mir häufig zeigten, was sie von mir halten und mich nahezu in den Suizid trieben? Die mich nie liebten für das, was ich war, sondern für das, was ich ihnen gab?
Warum bereue ich etwas, das so goldrichtig war? Warum ist es so schwer an Weihnachten ohne eigene Familie zu sein?
Ja, ich habe eine eigene kleine Familie. Dort oben im Himmel sitzen sie und sehen auf mich herab. Blicken freudig herunter und schicken mir Grüße. Aber, ja, sie sind nicht hier. Das ist es, was es so unerträglich macht. Sie sind unerreichbar für mich, unsichtbar und weit weg. Ich kann sie nicht sehen.

Vor einiger Zeit schickte ich einen türkisfarbenen Ballon hoch in die Luft mit persönlichen Worten. In der Hoffnung, es würde mir helfen. Und ja, das tat es. Es füllte mein Loch aus, es komplettierte mich. Doch die Trauer haut mich trotzdem sooft um. Eine lähmende Traurigkeit fährt in meine Glieder und ich verkrampfe innerlich. Mir kullern dicke Tränen der Sehnsucht, des Versagens und der Trauer die Wangen herunter. Ein dicker Kloß sitzt in meinem Hals. Mir fällt das Atmen schwer und ich fühle mich so schrecklich. Es ist grausam und so bestürzend. Ich habe es noch nicht verarbeitet. Kann ich das überhaupt je?

Ich weiß, dass die Weihnachtszeit schneller vorbeigeht, als ich gucken kann. Trotzdem bin ich unruhig und traurig, wenn ich dieses Jahr auf diese Zeit blicke und ich weiß nicht so recht, wie ich diese mit Frieden, Freude und Glück füllen soll.

Wolkentänzerin

Gefangen in meinen Ängsten

Hey Leben,

lange nicht gesprochen, nicht wahr? Ja, es ist wirklich einige Zeit her, dass wir uns sprachen, dass ich mich so intensiv mit dir beschäftigte. Doch nun möchte ich einiges loswerden, mich erleichtern, dir Dinge erzählen. Und ja, ich möchte mich auch bei dir beschweren, denn um ganz ehrlich zu sein, manchmal kotzt du mich wirklich an!

Es fängt dabei an, dass ich durch meine angelernten Gedankengänge oft so eingeschränkt bin. Ich habe dank dir so unfassbare Ängste. Besonders die Verlustängste machen mir derzeit das Leben erheblich schwerer. Ich kann mich nicht fallen lassen, nicht blind vertrauen, nicht genießen oder gar voller Hoffnung sein. Nein, denn ich habe ja dauerhaft die Angst, ich könnte mir liebgewonnene Menschen von jetzt auf gleich verlieren. Die üblichen Denkmuster kommen zum vorschein. Ich denke dann: "Er kann mich nicht mögen, ich bin schrecklich", "Er wird erkennen, wie schrecklich ich bin", "Niemand kann mich lieben", "Es wird zerbrechen und ich bin daran schuld", "Ich stelle mich an und heule bloß rum", "Er will mich nicht mehr", "Sei einfach ruhig und zieh dich zurück, das ist für alles besser", "Hör auf zu hoffen", "Du bist dämlich, niemand will dich" und "Deine eigenen Eltern können dich nicht lieben, warum sollten andere das können. Guck dich doch mal an.". Das nervt mich! Liebes Leben, das soll aufhören. Doch egal wie sehr ich kämpfe, es legt sich nicht. Sagt man mir, dass ich mich umsonst sorge, so schäme ich mich. Denke mir, ja, das ist der erste Schritt, jetzt geht es bergab. Sagt man mir, man möge mich, dann denke ich, es sei nicht wahr. Doch was genau erhoffe ich mir? Was soll man tun, damit ich es endlich glaube? Ich weiß es nicht und das macht mich verrückt. Ich versuche ja bereits, diese Gedanken zu überhören, sie links liegen zu lassen. Doch der Selbstzweifel zerfrisst mich.
Vor ein paar Tagen passierte etwas wirklich Schlimmes. Es zog mir die Schuhe aus. Es beschäftigt mich Tag und Nacht. Klar, ich versuche zu verdrängen, will Abstand davon gewinnen, nur gelingt mir das nur sehr schwer.
Mir wurden gemeine Dinge gesagt.

Diese Worte taten mir weh, auch wenn ich sie schnell als unwahr entlarven konnte  Sie trafen meinen wunden Punkt. Es ist so viel einfacher diese grausamen Worte zu glauben, als die guten. Wenngleich ich weiß, von wem welche Aussprüche kommen und wem ich mehr Bedeutung schenken müsste, es geht einfach nicht. Es kotzt mich an! Ich will doch die guten Dinge, die Komplimente und die Hoffnung annehmen können, aber ich schaffe es nicht. In mir kommen die Tränen hoch, wenn ich daran denke, dass ich es nicht unter die Füße bekommen kann. Es geht nicht, egal wie sehr ich mich bemühe. Diese zerstörenden Worte taten mir so weh und haben fast verheilte Wunden weit aufgerissen. Zwar versuche ich, dass ich das alles so gut es geht, verberge, mich freudig und stark zeige, doch in mir drin tut es einfach nur weh.

Ich habe oft Angst, diese Verletzungen zu zeigen, weil ich dann denke, dass meine Umwelt dadurch abgeschreckt wird und denkt, dass bei mir das Gute gar keinen Boden findet. Dass ich ein hoffnungsloser Fall bin, anstrengend und nicht wertschätzend genug. Dabei stimmt das nicht. All das Positive, nette Worte und Erlebnisse notiere ich mir. Ich schreibe alles auf, lese es mir durch und will, dass es endlich fruchtet. Es frustriert mich. Ich kämpfe doch so. Warum will es nicht klappen?

Liebes Leben, ich habe Angst, dass durch meine alten Denkmuster, dass durch meine Reaktionen mein bisschen Glück zerbricht, das ich derzeit erleben darf. Noch nie war ich so froh, das macht mir wahnsinnig Angst und lässt mich zermürben. Ich handle verängstigt und zweifelnd, bin zurückgezogen und verletzlich. Dabei will ich das doch gar nicht. Ich möchte mich freuen, zufrieden sein und glücklich. Diese innerliche Barriere ist unerträglich und ich sehe zunehmend schwarz.
Und selbst jetzt beim Schreiben laufen mir die Tränen hinunter. Ich bin unfassbar traurig, dass ich so bin, wie ich bin. Kann ich nicht einmal einfach nur zufrieden sein ohne gleich das Schlimmste vermuten zu müssen?

Warum haben mich die Erlebnisse so geprägt? Warum kann ich nicht simpel positiv sein und das Geschehene abhaken? Tja, es ist eben nicht easy. Es ist Arbeit, Kampf und beansprucht viel Zeit.

Ich könnte schreien, weinen, krampfen, wegrennen, mich verkriechen, weil ich mich so schrecklich finde. Mich zermürbt das Erleben dieser Grausamkeit von vor ein paar Tagen. Es ist in mir und tut so höllisch weh. Es schockiert und belastet mich. Ich bin traurig und kraftlos. Dabei möchte ich das Gegenteil sein. Ich will und kann nicht. Das ist das Schlimmste.

Gefangen in mir selbst. Na super. Kann das bitte mal aufhören? Ich wünsche es mir so sehr. Liebes Leben, lass mich das Gute doch bitte erleben lassen und lass mich nicht so viel zweifeln. Bitte! Ich ertrage die Einsamkeit, die mir meine Ängste und Gedanken bringen nicht mehr. Es tut weh und ist so schwer. Was soll ich noch tun?



Wolkentänzerin