Sonntag, 13. Juli 2014

Neues aus der Anstalt

Was genau dachte ich mir eigentlich dabei? War ich der Annahme verfallen, der Klinikaufenthalt könne alles verändern? Ich würde un höchstens 12 Wochen entlassen werden und es ginge mir gut? Der Gedanke ist an sich ja ganz schön und doch vollkommen utopisch.

Morgen beginnt meine 13. Woche in der Anstalt. Was bisher passiert ist? Oh...viel zu viel....

Anfänglich sah alles super aus. Ich fand schnell Anschluss, lernte wie ich mit Krisensituationen umzugehen habe, warum ich mich wie verhalte und eine innerliche Ruhe kehrte ein. Ich hatte das Gefühl von Sicherheit und Schutz.

Doch dann...ja dann kamen die Erinnerungen. Ich erfuhr Dinge aus meiner Kindheit, die mich in die Knie zwangen. Ich sah ein Mädchen, das auf wirklich finstere und unvorstellbare Art und Weise missbraucht wurde. Es sollte sich herausstellen, dieses Mädchen war ich...

Daraus resultierte ein Kontaktabbruch mit meinen Eltern.  Sie tanzten persönlich hier an, um dann fünf Minuten später wieder abzudampfen, aber natürlich ohne vorher nicht zu sagen, dass sie tieft enttäuscht seien von mir und ich ein so schlechter egoistischer Mensch sei. Tja, das Argument, ich sei egoistisch, mag stimmen,  jedoch war ich das mit zum ersten Mal in der Beziehung zu meinen Eltern. Nicht eine einzige kleine Sekunde lang kämpften sie um mich. Zu sehr waren sie mit sich beschäftigt.  Klar ich hatte in ein paar knappen Worten ihre heile Welt zerstört. Das war wohl eh immer das wichtigste, das Erscheinungsbild nach außen...

Trotz des Bewusstseins, weshalb ich den Kontakt abbrach, tat und tut es höllisch weh. Ich habe keine Eltern mehr und viel mehr noch: ich hatte nie welche. Ich habe mich jahrelang in einen unnötigen Kampf begeben, nur weil ich geliebt werden wollte, dabei wurde ich das nie oder zumindest nicht ausreichend...

Nun ist eine Traumatherapie angedacht, Dienstag ist das Vorgespräch und ich habe jetzt schon Angst. Ich verliere immer mehr Kraft und doch ist Durchhalten das einzige, was ich noch tun kann. Mir tut mein ganzer Körper weh, ich träume jede Nacht. Am Morgen ist mir jedes Mal speiübel und meine Glieder fühlen sich an, als läge ein Hinkelstein auf ihnen.

Ich weiß, es wird besser werden, aber derzeit ist es die Hölle und wird immer unerträglicher...

Wolkentänzerin


Kommentare:

  1. Ich wünsche Dir ganz viel Kraft für die Zeit, die noch vor Dir liegt...

    Liebe Grüße, Tamaro

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  2. Es ist die Hölle. Es tut unendlich weh. Aber ohne Therapie wird es die Hölle bleiben, und so unerträglich wehtun, bis DU es nicht mehr aushältst. Die Therapie bzw. das, was sie zutage fördert, wird auch sehr, sehr wehtun. Aber dann wird es besser. Das kann ich Dir aus eigener Erfahrung sagen. Ich habe die Traumatherapie hinter mir. Sie war unwahrscheinlich anstrengend und hat mich oft an den Rand meiner Kräfte und des Wahnsinns gebracht. Aber nach und nach spürte ich, wie der Druck nachließ, wie es Stückchen für Stückchen leichter wurde. Und so blieb. Die Dämonen kamen nicht wieder. Sie sind zu Bildern geworden, die immer noch nicht schön anzuschauen sind, aber einen nicht mehr durch das Dasein jagen können. Ich wünsche Dir ganz viel Kraft, einen einfühlsamen Therapeuten, der sein Fach versteht, und alles Gute!

    Ich drücke Dir alle verfügbaren Daumen und was ich sonst noch so finde.

    Liebe Grüße, Drago

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