Dienstag, 22. April 2014

Alltagskampf

Mir ist übel, mein Magen verkrampft sich mit jedem Schlag des Sekundenzeigers ein bisschen mehr, mein T-Shirt ist Schweiß durchnässt, dabei war ich eben erst duschen. Ich zittere und fühle mich als sei ich in Watte gepackt; mein Kopf dröhnt. Der Geschmack in meinem Mund ist bitter und in meiner Kehle sitzt ein Kloß, der es mir beinahe unmöglich macht, richtig zu atmen.
Das alles nur, weil ich zur Arbeit gehen muss. Ich fürchte mich vor dem, was mich erwartet.
Donnerstag bat meine Chefin mich um ein Gespräch. Anders als ich erwartet hatte, fragte sie nicht nach der Klinik oder meinem Gemütszustandes. Nein, sie warf mir vor der "Neuen" falsche Dinge zu erzählen und zu versuchen sie zu vergraulen. Dies sagte sie in einem abfälligen Ton, der es vermochte mir das Blut in den Adern gefrieren zu lassen. Sie blickte mich verächtlich an, in ihren Augen glitzerte Zorn und Wut. Jeder Versuch sie davon zu überzeugen, dass all das, was sie mir vorwarf nichts als Lügen waren scheiterten. Mich packte der Zorn, denn ich war es, die der neuen Mitarbeiterin erklärt hatte, dass dieser Job ein wunderbarer sei und sie keine Angst haben müsse. Ich war auch die, die ersetzt worden war, ohne ein Wort davon mitbekommen zu haben. Ich weiß ja nicht mal, ob nach der Zeit in der Klinik überhaupt noch ein Arbeitsplatz für mich da sein wird. Aber nein, ich bin der Übeltäter, der falsches Zeugnis geredet hat und mit seiner sadistischen Ader die anderen quält. Ich verteidigte mich, indem ich ihr klar machte, dass ich zuverlässig, pünktlich, gewissenhaft und ordentlich bin, meinen Job immer gut machte und nie gelogen oder gar jemanden gemobbt habe. Zudem sah ich ihr tief in die Augen und stellte ihr die Frage, für wen sie mich eigentlich halte, dass sie so über mich denke. Daraufhin sagte sie erbost, sie könne niemanden hier noch richtig einschätzen, es habe,  sich zu viel geändert, seit sie zur Leiterin unserer Einrichtung ernannt wurde.
Einige Zeit ging es so weiter, bis meine schlechte Laune Thema würde und sie meinte, dass jeder Probleme habe und diese am Eingang abgeben würde. Das ist jedoch eine Lüge, eine Wunschvorstellung. Jeder Mitarbeiter dort nimmt seine Gedanken mit zur Arbeit, ist mal schlecht drauf, doch ich habe immer versucht zu lächeln, habe nicht nach außen gekehrt. Erst als zwei meiner Kolleginnen und ich angeschnauzt wurden, weil wir ums privat getroffen hatten und uns erzählt wurde, wir würden ausspioniert, jede Handlung würde dokumentiert und zur Chefin weitergegeben werden, da fing ich an, zu eben genau diesen "Beobachtern" Distanz zu wahren. Ein Verhalten, das mir nun zum Verhängnis und mir als schlechte Laune ausgelegt worden war.
Nach diesem Gespräch verkrümelte ich mich in der Spülküche und ließ meinen Tränen freien Lauf. Immer wieder schossen mir an diesem Tag die Tränen in die Augen. Es tat weh, dass mir diese Dinge vorgeworfen wurden, dabei mobilisierte ich jeden verdammten Tag meine letzte Kraft und ging zur Arbeit. Selbst dann noch als mir mitgeteilt wurde, dass ich meine Anstellung auf Grund meiner psychischen Erkrankungen verlor. Über Ostern habe ich die ganze Zeit überlegt, wie ich mich nun verhalten soll. Eigentlich wollte ich mich ab heute krank schreiben lassen, mich verkriechen und auf die Klinik warten. Doch welchen Gewinn hätte ich davon? Nein, ich entschied mich dafür, wieder aufzustehen und weiter zu kämpfen. Der Kampf ist zwar wieder etwas schlimmer geworden, aber ich werde nie herausfinden, ob ich ihn hätte gewinnen können, wenn ich es nicht erst versucht hätte.
Und...so kann mir niemand etwas vorwerfen und ebenso wenig ich mir selbst.
Doch die Angst und Erschöpfung bleibt.


Wolkentänzerin

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