Donnerstag, 24. April 2014

Auf auf in den Kampf

Montag geht es los. 3Monate stationäre Therapie. Freude und Angst vermischen sich gerade zu einem 1A Gefühlschaos. Aber immerhin...die Warterei hat ein Ende.

Wolkentänzerin

Dienstag, 22. April 2014

Alltagskampf

Mir ist übel, mein Magen verkrampft sich mit jedem Schlag des Sekundenzeigers ein bisschen mehr, mein T-Shirt ist Schweiß durchnässt, dabei war ich eben erst duschen. Ich zittere und fühle mich als sei ich in Watte gepackt; mein Kopf dröhnt. Der Geschmack in meinem Mund ist bitter und in meiner Kehle sitzt ein Kloß, der es mir beinahe unmöglich macht, richtig zu atmen.
Das alles nur, weil ich zur Arbeit gehen muss. Ich fürchte mich vor dem, was mich erwartet.
Donnerstag bat meine Chefin mich um ein Gespräch. Anders als ich erwartet hatte, fragte sie nicht nach der Klinik oder meinem Gemütszustandes. Nein, sie warf mir vor der "Neuen" falsche Dinge zu erzählen und zu versuchen sie zu vergraulen. Dies sagte sie in einem abfälligen Ton, der es vermochte mir das Blut in den Adern gefrieren zu lassen. Sie blickte mich verächtlich an, in ihren Augen glitzerte Zorn und Wut. Jeder Versuch sie davon zu überzeugen, dass all das, was sie mir vorwarf nichts als Lügen waren scheiterten. Mich packte der Zorn, denn ich war es, die der neuen Mitarbeiterin erklärt hatte, dass dieser Job ein wunderbarer sei und sie keine Angst haben müsse. Ich war auch die, die ersetzt worden war, ohne ein Wort davon mitbekommen zu haben. Ich weiß ja nicht mal, ob nach der Zeit in der Klinik überhaupt noch ein Arbeitsplatz für mich da sein wird. Aber nein, ich bin der Übeltäter, der falsches Zeugnis geredet hat und mit seiner sadistischen Ader die anderen quält. Ich verteidigte mich, indem ich ihr klar machte, dass ich zuverlässig, pünktlich, gewissenhaft und ordentlich bin, meinen Job immer gut machte und nie gelogen oder gar jemanden gemobbt habe. Zudem sah ich ihr tief in die Augen und stellte ihr die Frage, für wen sie mich eigentlich halte, dass sie so über mich denke. Daraufhin sagte sie erbost, sie könne niemanden hier noch richtig einschätzen, es habe,  sich zu viel geändert, seit sie zur Leiterin unserer Einrichtung ernannt wurde.
Einige Zeit ging es so weiter, bis meine schlechte Laune Thema würde und sie meinte, dass jeder Probleme habe und diese am Eingang abgeben würde. Das ist jedoch eine Lüge, eine Wunschvorstellung. Jeder Mitarbeiter dort nimmt seine Gedanken mit zur Arbeit, ist mal schlecht drauf, doch ich habe immer versucht zu lächeln, habe nicht nach außen gekehrt. Erst als zwei meiner Kolleginnen und ich angeschnauzt wurden, weil wir ums privat getroffen hatten und uns erzählt wurde, wir würden ausspioniert, jede Handlung würde dokumentiert und zur Chefin weitergegeben werden, da fing ich an, zu eben genau diesen "Beobachtern" Distanz zu wahren. Ein Verhalten, das mir nun zum Verhängnis und mir als schlechte Laune ausgelegt worden war.
Nach diesem Gespräch verkrümelte ich mich in der Spülküche und ließ meinen Tränen freien Lauf. Immer wieder schossen mir an diesem Tag die Tränen in die Augen. Es tat weh, dass mir diese Dinge vorgeworfen wurden, dabei mobilisierte ich jeden verdammten Tag meine letzte Kraft und ging zur Arbeit. Selbst dann noch als mir mitgeteilt wurde, dass ich meine Anstellung auf Grund meiner psychischen Erkrankungen verlor. Über Ostern habe ich die ganze Zeit überlegt, wie ich mich nun verhalten soll. Eigentlich wollte ich mich ab heute krank schreiben lassen, mich verkriechen und auf die Klinik warten. Doch welchen Gewinn hätte ich davon? Nein, ich entschied mich dafür, wieder aufzustehen und weiter zu kämpfen. Der Kampf ist zwar wieder etwas schlimmer geworden, aber ich werde nie herausfinden, ob ich ihn hätte gewinnen können, wenn ich es nicht erst versucht hätte.
Und...so kann mir niemand etwas vorwerfen und ebenso wenig ich mir selbst.
Doch die Angst und Erschöpfung bleibt.


Wolkentänzerin

Mittwoch, 16. April 2014

Es gibt Neues

Nächste Woche werde ich wohl endgültig in die Klinik gehen. Geplant sind 12 Wochen stationäre Therapie.
Zufälliger Weise oder besser durch glückliche Umstände bin ich Teil einer Studie geworden. Die Psychologen möchten herausfinden, auf welche Therapieform Probanden wie ich am besten reagieren und welche den erwünschten Erfolg haben.
Zwei Tage lang habe ich eine intensive Analyse mitgemacht, bei der herausgefunden werden sollte, wie spezifisch und ausgeprägt meine Störungsbilder sind und ob ich somit überhaupt ein geeigneter Kandidat für die Studie sein könnte. Mir wurden Fragen gestellt über meine Vergangenheit, nicht mal das kleinste Detail wurde ausgelassen, darüber hinaus sollte ich explizit beschreiben, wie meine Symptome aussehen und wie sehr ich darunter leide.
Jedoch sind sie sich bisher nicht sicher, was ich denn nun genau habe, weshalb ich nun für zwei verlaufende Wochen zur stationären Diagnostik eingeladen wurde. Anschließend beginnt dann entweder die Studie oder aber ich werde wie alle anderen Patienten betreut und erhalte die Therapien,  die bisher eben üblich war. Verlieren kann ich somit schon mal nicht.

Doch mich packt die Angst, je näher ich der Aufnahme komme, desto schlimmer wird es. Ich esse kaum, kann nicht schlafen, bin furchtbar erschöpft, habe krasse Aussetzer und Flashbacks...kurz: ich fühle mich elendig.
Auf der Arbeit arbeite ich diejenige ein, die meinen Platz einnehmen wird, ein seltsames Gefühl. Es ist alles so endgültig und trotz des Wissens, dass mir bloß geholfen werden soll, fühlt es sich nicht gut an.

Morgen habe ich ambulante Therapie und werde meinen Doc fragen, ob er mich nicht krank schreiben könnte. Ich kann einfach nicht mehr.

Wolkentänzerin

Montag, 7. April 2014

Vom Fallen und Fliegen

Mein Kopf ist schwer, er dröhnt. Habe ich gestern zu viel getrunken? Nicht das ich wüsste. Meine Lider fallen automatisch herab, ich bin erschöpft und ausgelaugt. Diese Nacht war anstrengend. Ich bin dreimal hochgeschreckt, lag wach im Bett, von Kopf bis Fuß durchgeschwitzt. Den Grund dafür kenne ich und trotz dieser Tatsache, haut es mich immer wieder um.
Ich habe starke Unterleibschmerzen, als hätte mir jemand einige Male hineingeschlagen. Mir ist übel und ich fühle mich so irreal. Es ist ein Gefühl wie in Watte gepackt zu sein, ziemlich taub und unecht. Mir ist kalt und meine Hände fühlen sich steif an, ich brauche heute ungewöhnlich lange, um überhaupt etwas in Fahrt zu kommen.
Mühsam zwinge ich mir eine Schüssel Müsli rein, doch ich muss essen, sonst klappe ich bald zusammen.
Auf der Arbeit bin ich schon einmal zusammengebrochen, ich war zu erschöpft, zu ausgebrannt. Ich konnte schlicht weg nicht mehr.

Die Klinik hat sich nicht gemeldet, die Warterei geht mir zunehmend auf den Keks. Ich möchte endlich Gewissheit, möchte es hinter mich bringen. Bei diesem Gedanken fängt mein Magen an herumzuramentern, er schmerzt. Die Aufregung...
Das Schlimme an der Sache mit der Klinik ist, dass es kein Zurück mehr gibt. Ich muss da jetzt durch. Es wird hart, schrecklich, schmerzhaft werden. 3 Monate sind eine lange Zeit. Mich packt die blanke Panik. Was wenn ich dem doch nicht gewachsen bin? Was wenn es mich zerstört? Was, wenn es mir hilft? Darf mir überhaupt geholfen werden? Ich weiß es nicht. Jeden Schritt, den ich Richtung Hilfe setze, finde ich abstoßend. Bestrafe mich dafür, lasse es nicht zu.

Mittlerweile stoße ich die Menschen zurück, die mir ihre Hilfe anbieten. Ich versuche sie zu vertreiben. Ich möchte mich nur in eine Ecke hocken und dort für immer verweilen. Es ist genug. Genug von diesem ganzen Schmerz, von der Leere, von der Kraftlosigkeit, von der Therapie.

Ich trage diese Krankheit seit nun 8 Jahren mit mir herum. Sie gehört zu mir. Bin ich wirklich bereit, sie abzulegen? Welche Chance habe ich denn noch?
Sollte ich nicht anfangen mich zu öffnen, damit der Aufenthalt in dieser Spezialklinik überhaupt einen Sinn haben kann, dass sie Früchte tragen kann?

Ist das Unterfangen Hilfe nicht schon zum Scheitern verurteilt, wenn ich sie gar nicht erst in Anspruch nehmen will? Wenn ich mich dagegen wehre, wenn ich verdränge und so tue, als gehe es mir ja eigentlich total super?
Ich möchte so tun, als wäre ich gesund, als hätte ich kein Problem. Als wäre alles nur ein Witz, ein Traum gewesen.

Doch egal wie sehr ich es versuche, es wird nicht wahr...

Wolkentänzerin

Freitag, 4. April 2014

Tag ein Tag aus

Ich kann nicht mehr. Mir ist übel, ich bin schwach, durch meine Augen sehe ich die Dinge nur noch verschwommen. Seit Tagen habeen sich dazu noch starke Magenkrämpfe gesellt, sodass ich mich absolut schrecklich fühle.
Gestern hatte ich Therapie und wir haben bloß über das Wetter, das Wochenende, meine Katze, meinen Bruder und über Handtaschen gesprochen. Warum? Weil ich sagte, dass ich es leid bin über mich zu reden. Ich möchte das nicht mehr.
Das Wissen, bald in die Klinik gehen zu müssen und dieser Aufenthalt immer näher rückt, löst riesige Angst in mir aus. Klar, es soll mir helfen, aber es wird verdammt hart.
Mein Psychologe sagte gestern noch, dass er mich nach der Klinik erstmal krankschreiben würde, da er denkt, dass ich danach nicht fähig sein werde, arbeiten zu können.
Der Klinikbesuch ist eben keine Wunderheilung. Ich bin nicht gesund, wenn ich darauskomme. Wobei...eine Heilung gibt es ja auch gar nicht. Es ist ein Lehrgang, um damit leben zu können.
Diese Erkenntnis, dasss viele Symptome bestehen bleiben werden und ich bloß lernen werde damit zu leben, ist irgendwie eine schmerzhafte. So sehr wünsche ich mir, es würde einfach weggehen. Ich wäre einfach unbeschwert.

Gestern bin ich erneut auf einen aufdringlichen Studenten von der Arbeit gestoßen und er hat mich zugetexte. Von wegen er wäre der beste Partner für mich, ich könne ja noch sooo viiiel von ihm lernen und ob ich nicht mit ihm mit nach Hause kommen möchte. Nein, sicherlich nicht. Doch er will mein Nein nie akzeptieren. Er hört nicht auf, folgt mir bis zum Bahnhof und sagt, ich habe auch Interesse an ihm und würde mich sicher auch gewisse Dinge mit ihm Vorstellen. Ach tue ich das? Ja na klar, vorallem ich.
Solche Menschen schaffen es jedes Mal mich zu verunsichern, mich nervös zu machen und mich für mich zu schämen. Es gelingt ihnen mir Gedankenmuster einzureden und mich schuldig zu fühlen. Dabei bin ich kein Opfer mehr. Oder eben doch?

Wolkentänzerin