Montag, 31. März 2014

Verdammt!

Ich bin so ein Vollidiot! Schlimmer noch! Ich bin ein richtig dämlicher versagender Vollpfosten. Heute habe ich die Chance gehabt zu reden, über die quälenden Dinge zu sprechen und was mache ich? Ich sitze bloß da, starre ins Nichts und rede in Halbsätzen - wenn überhaupt.
Dabei habe ich mir sehr auf das Gespräch gefreut und habe mal wieder vollkommen versagt. Es ist ätzend! In mir brodelt es, ich hasse mich und will mich verletzen.
Mein Arm ist so stark am zittern, dass ich Probleme habe etwas zu packen. Mein ganzer Körper brennt vor Schmerz und meine Glieder tun mir so weh. Mir bleibt mein Atem weg.

Die Klinik rief Freitag an. Sie sind sich nicht sicher, welche Krankheitsbilder ich nun wirklich alle habe. Ich muss zwei Wochen stationäre Diagnostik über mich ergehen lassen. Zwei Wochen voller Fragen über meine Vergangenheit. Aber ich will nicht mehr. Es soll aufhören. Reicht es nicht, dass ich diese Fratze bei jedem Mal sehe, wenn ich meine Augen auch nur kurz schließe? Reicht es nicht, dass ich solche Schmerzen habe, dass ich kaum stehen kann?

Mir ist das Reden vergangen, ich kann nicht mehr. Ich will mich nicht mehr mit meiner Vergangenheit beschäftigen. Bei der ersten Diagnostikstunde, die ich absolvierte, konnte ich ganz automatisch ohne Emotionen die Punkte abrattern, die mich zu dem gemacht haben, was ich heute bin. Ich kann keine Gefühle mehr zeigen, bin total abgestumpft. Ich möchte doch so gerne weinen, schreien, möchte dem Schmerz Raum geben, doch ich kann ihn nicht herauslassen.

Meine Arbeitsstelle hat bereits einen Ersatz für mich gefunden, nahtlos geht es in eins über. Ich gehe, sie füllt die Lücke aus. So, als wäre ich nie da gewesen. Warum kann es nicht überall so sein? Weshalb kann ich nicht einfach verschwinden und jemand anderes nimmt dafür meinen Platz ein? Ich bin am Ende. Ich weiß nicht, wie ich finanziell zurecht kommen soll. Mir wird der Boden unter den Füßen weggezogen und ich kann nichts weiter tun als dabei zuzusehen.

Mein Kopf ist so schwer und dröhnt, ich bin müde, doch kann nicht schlafen. Ich habe das Gefühl, dass es jeden Tag dramatischer wird und ich immer tiefer falle, es jedoch nicht schaffe, mich wieder zu fangen.

Es sind nur noch zwei Wochen bis zur Klinik und ich bekomme täglich größere Angst. Ich will das nicht. Ich wehre mich absolut dagegen, dahin zu wollen. In meinem Hals bildet sich ein riesiger Kloß, ich kann nicht atmen, muss mich übergeben. Die Säure in meinem Mund fühlt sich widerlich an, ganz genau so, wie ich mich fühle. Ich schlucke und hoffe, dass das Gefühl verschwinden möge, doch ich merke, dass dieser Geschmack schon seit so langer Zeit auf meiner Zunge liegt, er gehört quasi schon zu mir.

Ich schließe die Augen und bereue dies sofort. Vor meinem inneren Auge sehe ich ihn, wie er seine Hände um meinen Hals legt. Meine innere Stimme schreit: "Jetzt tu es verdammt nochmal" und er drückt zu. Ich schwebe hoch zu meiner Wolke und alles beruhigt sich, selbst mein Arm hört auf zu zucken. Ein Stück Freiheit eröffnet sich mir. Unbemerkt nehme ich die Klinge in die Hand und füge neue tiefe rote Linien in die Narbenlandschaft meines Armes hinzu. Das Brennen ist mir so bekannt und tut so gut. Der Druck entweicht und ich sinke hinab auf den Badezimmerboden. Um mich herum bildet sich eine Blutlache.

Ich ergebe mich!



Wolkentänzerin

1 Kommentar:

  1. Doch, mach es mit... lass Dich drauf ein.
    Das ist das einzige, was mir dazu direkt einfällt.
    Sie müssen sich einfach ein neues, aktuelles Bild machen.
    Zumindest gebe ich die Hoffnung nicht auf, dass es kompetente Therapeuten gibt...

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