Mittwoch, 19. März 2014

An: Mein Leben

Liebes Leben,

in Grunde wussten wir es beide schon länger, trotzdem sage ich es dir nochmal direkt auf diesem Wege. Es ist nämlich so, dass wir einfach nicht zusammen passen. Ich fühle mich dem Tod näher als dir. Also lass es uns an dieser Stelle doch beenden. Ich denke so ist es besser für jeden von uns. Ich kann dich nicht mehr ertragen, meine Kraft ist nun gänzlich ausgeschöpft. Der Schmerz, den du mir bisher gebracht hast, ist für mich nicht auszuhalten. Weißt du, seit Tagen bin ich so sehr am Kämpfen, dass ich mich gar nicht mehr fühlen kann. Du raubst mir meinen Atem und bringst mir Tag täglich eine neue Belastung. Versteh doch, ich bin am Ende. Ich habe perfide an meinem Masterplan fürs Sterben gearbeitet. Habe einen Zeitplan, ich bin bereit zu gehen. Mir fehlt die Kraft, um bis auf die Klinik zu warten. Die derzeitigen Verhältnisse zwingen mich in die Knie. Meine Hoffnung hat bereits "Leb wohl" gesagt und ich schätze, sie hat recht. Ich bin leer und die meiste Zeit des Tages verbringe ich auf meiner Wolke, darauf hoffend, dass es aufhören möge. Ich fühle mich so einsam und traurig. Meine Gliedmaßen sind unheimlich schwer geworden, ich muss meine letzten Ressourcen mobilisieren, um überhaupt stehen zu können. Jeder Lebensbereich ist eine einzige Katastrophe.

Mein liebes Leben, ich gebe uns auf. Ich kann einfach nicht weitergehen.

Wolkentänzerin

1 Kommentar:

  1. Unheimlich schöne und traurige Texte...

    "Nie waltet im Leben das Glück lauter und frei vom Leide."
    (Sophokles 496 - 405/6 v. Chr.)

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