Sonntag, 2. Februar 2014

Sonntagsgedanken

Hallo ihr da draußen,

gerade denke ich über einige Dinge nach, vor allem über die Wertigkeit vieler dieser Gedanken. So könnte ich Euch meinem Namen nennen, doch ist dieser ebenso unwichtig, wie die Frage nach meinem Alter, Gewicht, Geschlecht oder Aussehen. Denn was ist interessant daran zu erfahren, welche Haarfarbe ich habe oder ob ich Lippenstift trage? Wäre ich ein Mann wäre letzteres wohl ungewöhnlich und selbst DAS ist absolut irrelevant. Das einzige, was wichtig zu erwähnen wäre, ist, dass ich ein Mensch bin. Dass ich fühle und denke, dass ich eben einfach ein Lebewesen bin.

Was bleibt mir schon, wenn ich sterbe? Ist es mein makelloser Teint, sind es deine langen Beine, ist es deine Figur oder deine Brille, die im Gedächtnis derer bleiben, die du zurücklassen wirst? Ich denke und vor allem hoffe, dass es nicht so sein wird. Wirklich nachhalten wird das, was du ihnen Gutes oder eben Schlechtes getan hast. Welche wundervollen und traurigen Erlebnisse du mit ihnen geteilt hast, welche liebenswerten Eigenheiten dich ausmachen. Das sind doch die Erinnerungen, die verwurzelt bleiben werden. Irre ich mich?

Ja, auch ich bin nicht frei von Oberflächlichkeit und Vorurteilen. Ich möchte gar nicht im Detail wissen, wie viel nützliche Lebenszeit ich in mein Äußeres bis zu meinem Tod investiert haben werde.  Wie viele Gedanken ich daran verschwendet haben werde, was andere über meine Erscheinung denken könnten. Oh und traurig ist ebenfalls, dass wir häufiger übereinander als miteinander reden. Ich gebe gerne zu, dass ich von Selbstzweifel nur so angefüllt bin. Ich finde mich zu dick, zu hässlich, zu ungenügend. Und selbst, wenn ich weiß, dass das nicht für das Leben ausschlaggebend ist, dass es anderes wichtigeres gibt, an dem gearbeitet werden müsste, ich werde diese Gedankenmuster nicht los. Ich schätze, ich mache mir selbst etwas vor...

Wir richten unsere Aufmerksamkeit auf Konsumgüter; fragen uns, was wir uns als nächstes "gönnen" sollten, ob uns das Outfit stehen würden und ob der Fernseher nicht noch etwas größer ausfallen dürfte. Parallel dazu beschweren wir uns, dass wir nicht genug Geld haben. Dabei sind wir doch schon reicher als 3\4 der Weltbevölkerung, wenn wir ein Dach über dem Kopf haben.

Wieso sind wir so egoistisch, rivalisierend, erfolgsbesessen und unzufrieden? Der innere Vergleich mit anderen verhindert es, dass wir wahrhaft glücklich werden können. Wann hat das angefangen? Und, was vielleicht viel wichtiger ist, kann dieses Denken dauerhaft geändert werden? Höchstwahrscheinlich muss das jeder für sich selbst in die Hand nehmen.

Wie oft ist es so, dass wir theoretische Analysen unzähliger Situationen durchführen können und dann kläglich an der Praxis scheitern. Zumindest ich kann das von mir behaupten. Wohlmöglich liegt es an meiner Bequemlichkeit, immerhin fällt es mir leichter in bereits erprobten Verhaltensweisen zu verharren, als mir mühsam neue aneignen zu müssen. Also sollte ich mich im Grunde gar nicht mehr wundern, dass ich zum hundertsten Mal gegen ein und die selbe Wand laufe. Ich bin gerade überrascht über meine eigene Inkompetenz, die ich ebenso beständig wie auch nutzlos an den Tag zu legen verstehe.

Vielleicht werde ich eines guten Tages eine Stiftung gegen Missbrauch gründen, dann habe ich wenigstens etwas erreicht, das Substanz besitzt.

Ich finde mein Leben ist, in Anbetracht dessen, was ich so treibe, ziemlich nutzlos. Das bedarf einer Veränderung und gerade als ich diese Worte forme, weiß ich schon, dass ich es nicht tun werde...



Wolkentänzerin