Mittwoch, 31. Dezember 2014

Ich wünsche...

...euch allen einen guten Rutsch ins neue Jahr! Lasst uns darauf anstoßen, dass es ein besseres Jahr werden möge!

Wolkentänzerin

Freitag, 21. November 2014

Sie nähert sich - die beängstigende Zeit

Es geht auf Weihnachten zu. Das erste Weihnachtsfest ohne meine Familie. Ohne meine Erzeuger, ohne meine Brüder, ohne meinen Hund. Obwohl ich weiß, dass es besser so ist, verletzt es mich doch und macht mich traurig. Ich fühle mich unvollständig, innerlich zerrissen und total verwirrt. Im Grunde bin ich mir meiner Entscheidung sicher und weiß, es war das beste, was ich tun konnte. Doch blicke ich auf die bevorstehenden Festtage, so muss ich mir eingestehen, dass es mir schwerfällt. Klar, ich wäre nicht in der Lage sie alle wiederzusehen und es wäre eine negative Erfahrung für mich dort hinzufahren. Ich denke jedoch, dass es mir gar nicht mal darum geht. Vielmehr ist es meine Melancholie, das Bekannte, was es mir schwer macht. Weihnachten war immer Familie, zwar eine vorgespielte, sehr inszenierte Idylle. Aber es war eine. Die perfekte Familie, die sich liebt und einander wertschätzt. So, wie ich es mir von kleinauf erträumte. Harmonie, Frieden und Freude. All das Negative, Zerstörerische und Vernichtende verdränge ich dabei gern. Denn für mich war der Wunsch nach einer heilen Familie stets am größten. Ich wollte geliebt und geborgen sein. Mich gut fühlen und mir meiner Liebe sicher sein. Dass es eine falsche, eine finster Liebe war, das, ja, das war mir egal. Hauptsache den Hauch von Liebe fühlen. Großartig.
Und nun? Alles weg. Nicht die geringste Chance, dass ich diese Liebe je bekomme. Und selbst die heuchlerische Harmonie ist für mich nicht länger zu erreichen. Jegliche Möglichkeit verbaut. Kein Zurück. Unwiderruflich zerstört.
Mir ist klar, dass ich froh sein sollte. Ich bin frei, bin davon losgelöst. Nur fühlt es sich nicht so an. Mein Gefühl will mir etwas vormachen. Sagt mir, dass nicht alles schlecht war, dass wir auch gute Momente miteinander erlebten. Das mag ja stimmen, doch kann das das Schreckliche, das Brutale und den Terror gutmachen? Es ausradieren? Sicher nicht. Warum ist es dann so schwierig? Warum zweifle ich an mir? Warum sehne ich mich nach Liebe von Menschen, die mir mein Leben verbauten? Die mir häufig zeigten, was sie von mir halten und mich nahezu in den Suizid trieben? Die mich nie liebten für das, was ich war, sondern für das, was ich ihnen gab?
Warum bereue ich etwas, das so goldrichtig war? Warum ist es so schwer an Weihnachten ohne eigene Familie zu sein?
Ja, ich habe eine eigene kleine Familie. Dort oben im Himmel sitzen sie und sehen auf mich herab. Blicken freudig herunter und schicken mir Grüße. Aber, ja, sie sind nicht hier. Das ist es, was es so unerträglich macht. Sie sind unerreichbar für mich, unsichtbar und weit weg. Ich kann sie nicht sehen.

Vor einiger Zeit schickte ich einen türkisfarbenen Ballon hoch in die Luft mit persönlichen Worten. In der Hoffnung, es würde mir helfen. Und ja, das tat es. Es füllte mein Loch aus, es komplettierte mich. Doch die Trauer haut mich trotzdem sooft um. Eine lähmende Traurigkeit fährt in meine Glieder und ich verkrampfe innerlich. Mir kullern dicke Tränen der Sehnsucht, des Versagens und der Trauer die Wangen herunter. Ein dicker Kloß sitzt in meinem Hals. Mir fällt das Atmen schwer und ich fühle mich so schrecklich. Es ist grausam und so bestürzend. Ich habe es noch nicht verarbeitet. Kann ich das überhaupt je?

Ich weiß, dass die Weihnachtszeit schneller vorbeigeht, als ich gucken kann. Trotzdem bin ich unruhig und traurig, wenn ich dieses Jahr auf diese Zeit blicke und ich weiß nicht so recht, wie ich diese mit Frieden, Freude und Glück füllen soll.

Wolkentänzerin

Gefangen in meinen Ängsten

Hey Leben,

lange nicht gesprochen, nicht wahr? Ja, es ist wirklich einige Zeit her, dass wir uns sprachen, dass ich mich so intensiv mit dir beschäftigte. Doch nun möchte ich einiges loswerden, mich erleichtern, dir Dinge erzählen. Und ja, ich möchte mich auch bei dir beschweren, denn um ganz ehrlich zu sein, manchmal kotzt du mich wirklich an!

Es fängt dabei an, dass ich durch meine angelernten Gedankengänge oft so eingeschränkt bin. Ich habe dank dir so unfassbare Ängste. Besonders die Verlustängste machen mir derzeit das Leben erheblich schwerer. Ich kann mich nicht fallen lassen, nicht blind vertrauen, nicht genießen oder gar voller Hoffnung sein. Nein, denn ich habe ja dauerhaft die Angst, ich könnte mir liebgewonnene Menschen von jetzt auf gleich verlieren. Die üblichen Denkmuster kommen zum vorschein. Ich denke dann: "Er kann mich nicht mögen, ich bin schrecklich", "Er wird erkennen, wie schrecklich ich bin", "Niemand kann mich lieben", "Es wird zerbrechen und ich bin daran schuld", "Ich stelle mich an und heule bloß rum", "Er will mich nicht mehr", "Sei einfach ruhig und zieh dich zurück, das ist für alles besser", "Hör auf zu hoffen", "Du bist dämlich, niemand will dich" und "Deine eigenen Eltern können dich nicht lieben, warum sollten andere das können. Guck dich doch mal an.". Das nervt mich! Liebes Leben, das soll aufhören. Doch egal wie sehr ich kämpfe, es legt sich nicht. Sagt man mir, dass ich mich umsonst sorge, so schäme ich mich. Denke mir, ja, das ist der erste Schritt, jetzt geht es bergab. Sagt man mir, man möge mich, dann denke ich, es sei nicht wahr. Doch was genau erhoffe ich mir? Was soll man tun, damit ich es endlich glaube? Ich weiß es nicht und das macht mich verrückt. Ich versuche ja bereits, diese Gedanken zu überhören, sie links liegen zu lassen. Doch der Selbstzweifel zerfrisst mich.
Vor ein paar Tagen passierte etwas wirklich Schlimmes. Es zog mir die Schuhe aus. Es beschäftigt mich Tag und Nacht. Klar, ich versuche zu verdrängen, will Abstand davon gewinnen, nur gelingt mir das nur sehr schwer.
Mir wurden gemeine Dinge gesagt.

Diese Worte taten mir weh, auch wenn ich sie schnell als unwahr entlarven konnte  Sie trafen meinen wunden Punkt. Es ist so viel einfacher diese grausamen Worte zu glauben, als die guten. Wenngleich ich weiß, von wem welche Aussprüche kommen und wem ich mehr Bedeutung schenken müsste, es geht einfach nicht. Es kotzt mich an! Ich will doch die guten Dinge, die Komplimente und die Hoffnung annehmen können, aber ich schaffe es nicht. In mir kommen die Tränen hoch, wenn ich daran denke, dass ich es nicht unter die Füße bekommen kann. Es geht nicht, egal wie sehr ich mich bemühe. Diese zerstörenden Worte taten mir so weh und haben fast verheilte Wunden weit aufgerissen. Zwar versuche ich, dass ich das alles so gut es geht, verberge, mich freudig und stark zeige, doch in mir drin tut es einfach nur weh.

Ich habe oft Angst, diese Verletzungen zu zeigen, weil ich dann denke, dass meine Umwelt dadurch abgeschreckt wird und denkt, dass bei mir das Gute gar keinen Boden findet. Dass ich ein hoffnungsloser Fall bin, anstrengend und nicht wertschätzend genug. Dabei stimmt das nicht. All das Positive, nette Worte und Erlebnisse notiere ich mir. Ich schreibe alles auf, lese es mir durch und will, dass es endlich fruchtet. Es frustriert mich. Ich kämpfe doch so. Warum will es nicht klappen?

Liebes Leben, ich habe Angst, dass durch meine alten Denkmuster, dass durch meine Reaktionen mein bisschen Glück zerbricht, das ich derzeit erleben darf. Noch nie war ich so froh, das macht mir wahnsinnig Angst und lässt mich zermürben. Ich handle verängstigt und zweifelnd, bin zurückgezogen und verletzlich. Dabei will ich das doch gar nicht. Ich möchte mich freuen, zufrieden sein und glücklich. Diese innerliche Barriere ist unerträglich und ich sehe zunehmend schwarz.
Und selbst jetzt beim Schreiben laufen mir die Tränen hinunter. Ich bin unfassbar traurig, dass ich so bin, wie ich bin. Kann ich nicht einmal einfach nur zufrieden sein ohne gleich das Schlimmste vermuten zu müssen?

Warum haben mich die Erlebnisse so geprägt? Warum kann ich nicht simpel positiv sein und das Geschehene abhaken? Tja, es ist eben nicht easy. Es ist Arbeit, Kampf und beansprucht viel Zeit.

Ich könnte schreien, weinen, krampfen, wegrennen, mich verkriechen, weil ich mich so schrecklich finde. Mich zermürbt das Erleben dieser Grausamkeit von vor ein paar Tagen. Es ist in mir und tut so höllisch weh. Es schockiert und belastet mich. Ich bin traurig und kraftlos. Dabei möchte ich das Gegenteil sein. Ich will und kann nicht. Das ist das Schlimmste.

Gefangen in mir selbst. Na super. Kann das bitte mal aufhören? Ich wünsche es mir so sehr. Liebes Leben, lass mich das Gute doch bitte erleben lassen und lass mich nicht so viel zweifeln. Bitte! Ich ertrage die Einsamkeit, die mir meine Ängste und Gedanken bringen nicht mehr. Es tut weh und ist so schwer. Was soll ich noch tun?



Wolkentänzerin

Dienstag, 7. Oktober 2014

(K)ein Traum

Bitter und ätzend fließen mir die Tränen aus den Augen, sie rinnen meine Wangen hinab und ich spüre, wie sie Rillen des Schmerzes hinterlassen. Mir ist schlecht, ich möchte mich übergeben, möchte die Erinnerung, die Bilder auskotzen. Ein Versuch sie loszuwerden? Ja! Und ich weiß, es wird nichts bringen. Mein Körper krampft, fängt an zu zucken. Ich sehe dein Gesicht, diese elendige Fratze; spüre deine Hände, rieche deinen Gestank, er setzt sich in meiner Nase fest und ich verfalle in einen Trance artigen Zustand. Ich verliere den Halt zur Erde. Schnell renne ich ins Bad, setze mich in die Dusche und lasse mich von eiskaltem Wasser berieseln. Ich fühle mich, spüre meinen Körper, den Schmerz, das Entsetzen. Weitere schmerzerfüllte Tränen fließen aus meinen Augen und lassen mich meine Einsamkeit wahrnehmen. Ich rolle mich zusammen, versuche mich zusammenzuhalten, habe Angst, ich könnte sonst in tausend Teile zerspringen. Warum ist niemand hier? Warum sieht niemand den Schmerz, der nicht heilbar ist? Ich bin depressiv, traurig, ängstlich, verzweifelt.
Bei dem Versuch meine Tränen wegzuwischen, sehe ich, wie meine Hände zittern, sie lassen sich nicht mehr steuern. Neben mir mein Rasierer...es folgt eine Kurzschlußreaktion...im Abfluss ein Gemisch aus Tränen, Blut und Wasser. Ich verblasse, starre ins Nichts, schließe meine Augen:

Ich betrete ein Kinderzimmer. Es ist dunkel, doch ich erkenne Konturen. Im Bett liegt ein Kind, es istjung. In seinem Arm ein Teddybär. Ich stehe bloß da und betrachte dieses schlafende Kind. Ein schönes wärmendes und zufriedenes Gefühl erfüllt mich. Es sieht glücklich aus, denke ich mir. Ich verweile eine Weile dort. Plötzlich tritt ein Mann in das Zimmer und legt sich auch in dieses Bett. Er schiebt die Decke weg und vergeht sich an diesem Kind. Es weint, schreit, wimmert, es leidet. Ich versuche ihn wegzuzerren, doch es geht nicht. Mein Körper fängt an zu schmerzen, ich fühle es. Ich bin hilflos. Das Kind sieht mich an. Ich kann nichts tun. Ich schreie, doch niemand ist da. Ich renne in den Flur, öffne die Tür zum elterlichen Schlafzimmer. Eine Frau liegt dort, das Kissen über die Ohren gezogen. Ich rüttel sie, doch sie reagiert nicht. Warum hilft niemand diesem Kind? Ich torkel zurück, meine Beine tragen mich kaum noch. Ich gehe ins Badezimmer, setze mich auf den Toilettendeckel und vergrabe den Kopf in meinen Händen. Ich höre ein Wimmern, blicke hoch und mir gefriet das Blut in den Adern: Das Kind sitzt in der Badewanne, hinter ihm der Mann, er fasst es an, dringt in es ein. Es starrt geradeaus. Ich will aufstehen, es herausheben, doch es geht nicht. Mein Körper ist wie erstarrt, bewegt sich nicht mehr. Mann und Kind verschwinden. Mein Atem normalisiert sich, da taucht vor der Heizung meine Mutter auf, sie weint, ist verletzt, das Kind sitzt daneben. Es versucht meine Mutter zu beruhigen, doch die stößt es weg. Es läuft aus dem Raum, die Treppe hinunter. Ich folge ihm. Es rennt aus dem Haus, die Straße runter und in den Wald hinein. Es rennt mir davon; ich habe es verloren. Mein Blick hält suchend Aussauch, ich sorge mich. Was hat das Kind vor? Ich durchforste den halben Wald, bis ich es schließlich finde: Es sitzt in einer kleinen versteckten Hütte. Es weint und hält ein Messer in der Hand. Ich renne zu ihm, greife nach dem Messer, doch meine Hand langt ins Nichts; ich kann es nicht erreichen. Mein Körper zieht sich zusammen, ich weine, krampfe. Ich hocke mich vor das Kind, rede auf es ein, doch es zieht sich eine tiefe Linie in seine Haut. Ich bin hilflos, schreie und höre mein Echo. Das Kind hebt seinen Kopf, blickt mich an, seine Augen durchdringen meine. Ich kann seine Gedanken förmlich spüren und ich kann dem nichts entgegensetzen. Ich nicke und flüstere: "Ich würde dich so gerne retten, doch ich kann nicht. Ich weiß nicht, wie." Und eine dicke Träne kullert aus dem Kinderauge. Es trifft mich mitten ins Herz. Ich setze mich neben dieses kleine Kind und halte es fest. 

Ich erwache, spüre das Brennen meiner Wunde, das eiskalte Wasser, merke, dass ich schon viel zu lange hier sitze. Vor meinem inneren Auge blitzt das Bild des kleinen Kindes auf und mir durchzieht ein tiefer Schmerz. Mein Arm greift nach oben, schließt den Wasserhahn. Ich versuche aufzustehen, auf die Beine zu kommen, jedes einzelne Glied meines Körpers tut höllisch weh, mein Gesicht ist schmerzverzerrt, ich japse nach Luft. Doch irgendwie schaffe ich es und hülle mich ein in einer weiches, sanftes Handtuch und tapse zur Couch. Ich hülle mich in eine Decke und nehme mein Kuschelschaf in den Arm. Ich weiß, wenn ich die Augen schließe kehre ich zurück in die Welt der Erinnerungen, des Schmerzes, der Hilflosigkeit, deshalb zwinge ich mich wach zu bleiben. Ich denke an gute Momente voller Liebe und Geborgenheit, spüre die Wärme, den Trost. Ich tanze auf einer saftig grünen Wiese bis nach einiger Zeit ein dunkler Nebel die Szene einhüllt und mir die Einsamkeit, das Leid und die Erinnerung zurückbringt. Eine Nacht beginnt, in der ich kämpfen muss, um nicht durchzudrehen. Ein Kampf gegen mich selbst und mein Leben. Ein Kampf, den ich noch lange kämpfen muss, ein Kampf, den ich noch nicht gewinnen kann, ein Kampf, der mir jegliche Kraft abverlangt....

Wolkentänzerin

Nur mal so...

Ich lief durch die Dunkelheit, auf der Suche nach Antworten, Ruhe, Zufriedenheit, einem kleinen Stück Glück. Es fängt an zu regnen, die kalten kleinen Tropfen durchnässen mein Shirt, die Feuchtigkeit dringt in jede einzelne Zelle, lähmt mich, schmerzt. Doch ich gehe weiter, der Schlamm, ein Gemisch aus Laub und Erde, klebt an meinen Stiefeln. Ich lausche dem schmatzenden Geräusch meiner Schritte, rieche das Herbstlaub, den Regen, betrachte die Tropfen, wie sie anmutig von den Blättern rinnen und halte inne. Mit einem langen tiefen Seufzer nehme ich die Waldluft in mich auf und beginne mir Fragen zu stellen: 
Wann fing das alles an? Wann hört es auf? Wann wird die Einsamkeit der Zufriedenheit weichen? Wann wird die Therapie Erfolge verbuchen? Wie lange muss ich noch aushalten und den Grausamkeiten die Stirn bieten? Soll ich anzeigen oder nicht? Werden die 18 sexueller Missbrauch irgendwann verblassen und kann ich dann damit leben? Kann ich damit leben, dass ich Leben in mir hatte und es mir genommen wurde? Wann wird der Schmerz geringer? Wann werden die Bedingungen so sein, dass ich leben kann und will?

Auf all das kann ich keine Antwort finden. Es geht nicht. Es ist nicht möglich. Ich bin einsam und traurig.



Wolkentänzerin

Dienstag, 12. August 2014

Überleben

Tagein tagaus...immer das gleiche Spiel. Ich wache auf und mein Körper brennt vor Schmerzen. Es fühlt sich an, als hätte ein Hinkelstein auf mir gelegen. Mühsam versuche ich mich zu bewegen. Ein dumpfer Schmerz durchzieht meinen gesamten Leib. Die Nacht steckt mir in allen Gliedern. Vor meinem inneren Auge sehe ich meine Peiniger. Kann fühlen, was sie mit mir taten, kann nachfühlen, wie es war.
Ich versuche meinen Tag durchzustehen, wende Stresstoleranzskills an, die habe ich in den 14 Wochen Klinik bishin zur Perfektion gelernt. Überkommt mich beispielsweise eine Erinnerung und ich komme nicht mehr raus, esse ich eine Chili oder halte mir eine Ampulle Amoniak unter die Nase. Doch all das sind nur geringe Mittel, um mich über Wasser zu halten.
Meine Gedanken kreisen um Überlebenskampf, Erkenntnis meiner Vergangenheit, Verdrängen und Anzeige.
Mir wird geraten meine Peiniger anzuzeigen, sie vor Gericht zu bringen. Doch das kann ich zur Zeit noch nicht. Mir fehlt die notwendige Kraft, um diesen Schritt zu gehen. Ich packe mehrtägige Verhöre bei der Polizei nicht. Es lässt mir mein Blut in den Adern gefrieren, wenn ich bloß daran denke, ich müsste ihnen vor Gericht in die Augen sehen.
Man sagt mir, ich müsste doch eine Art Gerechtigkeitsverlangen in mir haben. Müsste andere schützen. Doch was soll das bringen? Ich habe für all das bezahlt, habe ein Kind verloren. Ich habe die Hölle auf Erden erlebt - ja! Aber ich möchte jetzt einfach nur noch glücklich werden.
Ich möchte leben wollen und dürfen. Ich möchte mit meiner Vergangenheit klarkommen. Möchte lachen und weinen können. Ich möchte Freunde treffen und keine Angst haben müssen, wenn ich vor dir Tür gehe. Es ist mir egal, was aus ihnen wird. Denn ich werde eh erst frei sein, wenn sie allesamt tot unter der Erde liegen.
Ob sie Zuhause oder im Knast sitzen, wo ist der Unterschied? Sie sitzen fünf Jahre ab und kehren zurück. Und dann?
Ab dem 1.10. beginne ich eine Traumatherapie, das ist alles schon genehmigt und wartet nur darauf begonnen zu werden. Ein Prozess wäre zu viel. Eine doppelte Belastung, der ich nicht gewachsen bin - noch nicht.
In 14 Wochen Klinik ist viel zu viel passiert. Es hat mir meine Kraft geraubt und für vieles finde ich noch immer keine Worte. Ich hätte nicht erwartet, dass ich so viel über mich erfahren würde. Es traf mich wie ein Schlag und meine Illusionen wurden gänzlich zerstört. Kein Zurück mehr. Zum Glück?!?
  Es tut derzeit einfach nur höllisch weh. Ich finde nach 17 Jahren endlich mal zur Ruhe. Es hat aufgehört. Und jetzt? Jetzt tritt der gesamte Schmerz an die Oberfläche und überflutet mich.

Wann hört es auf?

Wolkentänzerin

Sonntag, 13. Juli 2014

Neues aus der Anstalt

Was genau dachte ich mir eigentlich dabei? War ich der Annahme verfallen, der Klinikaufenthalt könne alles verändern? Ich würde un höchstens 12 Wochen entlassen werden und es ginge mir gut? Der Gedanke ist an sich ja ganz schön und doch vollkommen utopisch.

Morgen beginnt meine 13. Woche in der Anstalt. Was bisher passiert ist? Oh...viel zu viel....

Anfänglich sah alles super aus. Ich fand schnell Anschluss, lernte wie ich mit Krisensituationen umzugehen habe, warum ich mich wie verhalte und eine innerliche Ruhe kehrte ein. Ich hatte das Gefühl von Sicherheit und Schutz.

Doch dann...ja dann kamen die Erinnerungen. Ich erfuhr Dinge aus meiner Kindheit, die mich in die Knie zwangen. Ich sah ein Mädchen, das auf wirklich finstere und unvorstellbare Art und Weise missbraucht wurde. Es sollte sich herausstellen, dieses Mädchen war ich...

Daraus resultierte ein Kontaktabbruch mit meinen Eltern.  Sie tanzten persönlich hier an, um dann fünf Minuten später wieder abzudampfen, aber natürlich ohne vorher nicht zu sagen, dass sie tieft enttäuscht seien von mir und ich ein so schlechter egoistischer Mensch sei. Tja, das Argument, ich sei egoistisch, mag stimmen,  jedoch war ich das mit zum ersten Mal in der Beziehung zu meinen Eltern. Nicht eine einzige kleine Sekunde lang kämpften sie um mich. Zu sehr waren sie mit sich beschäftigt.  Klar ich hatte in ein paar knappen Worten ihre heile Welt zerstört. Das war wohl eh immer das wichtigste, das Erscheinungsbild nach außen...

Trotz des Bewusstseins, weshalb ich den Kontakt abbrach, tat und tut es höllisch weh. Ich habe keine Eltern mehr und viel mehr noch: ich hatte nie welche. Ich habe mich jahrelang in einen unnötigen Kampf begeben, nur weil ich geliebt werden wollte, dabei wurde ich das nie oder zumindest nicht ausreichend...

Nun ist eine Traumatherapie angedacht, Dienstag ist das Vorgespräch und ich habe jetzt schon Angst. Ich verliere immer mehr Kraft und doch ist Durchhalten das einzige, was ich noch tun kann. Mir tut mein ganzer Körper weh, ich träume jede Nacht. Am Morgen ist mir jedes Mal speiübel und meine Glieder fühlen sich an, als läge ein Hinkelstein auf ihnen.

Ich weiß, es wird besser werden, aber derzeit ist es die Hölle und wird immer unerträglicher...

Wolkentänzerin


Donnerstag, 24. April 2014

Auf auf in den Kampf

Montag geht es los. 3Monate stationäre Therapie. Freude und Angst vermischen sich gerade zu einem 1A Gefühlschaos. Aber immerhin...die Warterei hat ein Ende.

Wolkentänzerin

Dienstag, 22. April 2014

Alltagskampf

Mir ist übel, mein Magen verkrampft sich mit jedem Schlag des Sekundenzeigers ein bisschen mehr, mein T-Shirt ist Schweiß durchnässt, dabei war ich eben erst duschen. Ich zittere und fühle mich als sei ich in Watte gepackt; mein Kopf dröhnt. Der Geschmack in meinem Mund ist bitter und in meiner Kehle sitzt ein Kloß, der es mir beinahe unmöglich macht, richtig zu atmen.
Das alles nur, weil ich zur Arbeit gehen muss. Ich fürchte mich vor dem, was mich erwartet.
Donnerstag bat meine Chefin mich um ein Gespräch. Anders als ich erwartet hatte, fragte sie nicht nach der Klinik oder meinem Gemütszustandes. Nein, sie warf mir vor der "Neuen" falsche Dinge zu erzählen und zu versuchen sie zu vergraulen. Dies sagte sie in einem abfälligen Ton, der es vermochte mir das Blut in den Adern gefrieren zu lassen. Sie blickte mich verächtlich an, in ihren Augen glitzerte Zorn und Wut. Jeder Versuch sie davon zu überzeugen, dass all das, was sie mir vorwarf nichts als Lügen waren scheiterten. Mich packte der Zorn, denn ich war es, die der neuen Mitarbeiterin erklärt hatte, dass dieser Job ein wunderbarer sei und sie keine Angst haben müsse. Ich war auch die, die ersetzt worden war, ohne ein Wort davon mitbekommen zu haben. Ich weiß ja nicht mal, ob nach der Zeit in der Klinik überhaupt noch ein Arbeitsplatz für mich da sein wird. Aber nein, ich bin der Übeltäter, der falsches Zeugnis geredet hat und mit seiner sadistischen Ader die anderen quält. Ich verteidigte mich, indem ich ihr klar machte, dass ich zuverlässig, pünktlich, gewissenhaft und ordentlich bin, meinen Job immer gut machte und nie gelogen oder gar jemanden gemobbt habe. Zudem sah ich ihr tief in die Augen und stellte ihr die Frage, für wen sie mich eigentlich halte, dass sie so über mich denke. Daraufhin sagte sie erbost, sie könne niemanden hier noch richtig einschätzen, es habe,  sich zu viel geändert, seit sie zur Leiterin unserer Einrichtung ernannt wurde.
Einige Zeit ging es so weiter, bis meine schlechte Laune Thema würde und sie meinte, dass jeder Probleme habe und diese am Eingang abgeben würde. Das ist jedoch eine Lüge, eine Wunschvorstellung. Jeder Mitarbeiter dort nimmt seine Gedanken mit zur Arbeit, ist mal schlecht drauf, doch ich habe immer versucht zu lächeln, habe nicht nach außen gekehrt. Erst als zwei meiner Kolleginnen und ich angeschnauzt wurden, weil wir ums privat getroffen hatten und uns erzählt wurde, wir würden ausspioniert, jede Handlung würde dokumentiert und zur Chefin weitergegeben werden, da fing ich an, zu eben genau diesen "Beobachtern" Distanz zu wahren. Ein Verhalten, das mir nun zum Verhängnis und mir als schlechte Laune ausgelegt worden war.
Nach diesem Gespräch verkrümelte ich mich in der Spülküche und ließ meinen Tränen freien Lauf. Immer wieder schossen mir an diesem Tag die Tränen in die Augen. Es tat weh, dass mir diese Dinge vorgeworfen wurden, dabei mobilisierte ich jeden verdammten Tag meine letzte Kraft und ging zur Arbeit. Selbst dann noch als mir mitgeteilt wurde, dass ich meine Anstellung auf Grund meiner psychischen Erkrankungen verlor. Über Ostern habe ich die ganze Zeit überlegt, wie ich mich nun verhalten soll. Eigentlich wollte ich mich ab heute krank schreiben lassen, mich verkriechen und auf die Klinik warten. Doch welchen Gewinn hätte ich davon? Nein, ich entschied mich dafür, wieder aufzustehen und weiter zu kämpfen. Der Kampf ist zwar wieder etwas schlimmer geworden, aber ich werde nie herausfinden, ob ich ihn hätte gewinnen können, wenn ich es nicht erst versucht hätte.
Und...so kann mir niemand etwas vorwerfen und ebenso wenig ich mir selbst.
Doch die Angst und Erschöpfung bleibt.


Wolkentänzerin

Mittwoch, 16. April 2014

Es gibt Neues

Nächste Woche werde ich wohl endgültig in die Klinik gehen. Geplant sind 12 Wochen stationäre Therapie.
Zufälliger Weise oder besser durch glückliche Umstände bin ich Teil einer Studie geworden. Die Psychologen möchten herausfinden, auf welche Therapieform Probanden wie ich am besten reagieren und welche den erwünschten Erfolg haben.
Zwei Tage lang habe ich eine intensive Analyse mitgemacht, bei der herausgefunden werden sollte, wie spezifisch und ausgeprägt meine Störungsbilder sind und ob ich somit überhaupt ein geeigneter Kandidat für die Studie sein könnte. Mir wurden Fragen gestellt über meine Vergangenheit, nicht mal das kleinste Detail wurde ausgelassen, darüber hinaus sollte ich explizit beschreiben, wie meine Symptome aussehen und wie sehr ich darunter leide.
Jedoch sind sie sich bisher nicht sicher, was ich denn nun genau habe, weshalb ich nun für zwei verlaufende Wochen zur stationären Diagnostik eingeladen wurde. Anschließend beginnt dann entweder die Studie oder aber ich werde wie alle anderen Patienten betreut und erhalte die Therapien,  die bisher eben üblich war. Verlieren kann ich somit schon mal nicht.

Doch mich packt die Angst, je näher ich der Aufnahme komme, desto schlimmer wird es. Ich esse kaum, kann nicht schlafen, bin furchtbar erschöpft, habe krasse Aussetzer und Flashbacks...kurz: ich fühle mich elendig.
Auf der Arbeit arbeite ich diejenige ein, die meinen Platz einnehmen wird, ein seltsames Gefühl. Es ist alles so endgültig und trotz des Wissens, dass mir bloß geholfen werden soll, fühlt es sich nicht gut an.

Morgen habe ich ambulante Therapie und werde meinen Doc fragen, ob er mich nicht krank schreiben könnte. Ich kann einfach nicht mehr.

Wolkentänzerin

Montag, 7. April 2014

Vom Fallen und Fliegen

Mein Kopf ist schwer, er dröhnt. Habe ich gestern zu viel getrunken? Nicht das ich wüsste. Meine Lider fallen automatisch herab, ich bin erschöpft und ausgelaugt. Diese Nacht war anstrengend. Ich bin dreimal hochgeschreckt, lag wach im Bett, von Kopf bis Fuß durchgeschwitzt. Den Grund dafür kenne ich und trotz dieser Tatsache, haut es mich immer wieder um.
Ich habe starke Unterleibschmerzen, als hätte mir jemand einige Male hineingeschlagen. Mir ist übel und ich fühle mich so irreal. Es ist ein Gefühl wie in Watte gepackt zu sein, ziemlich taub und unecht. Mir ist kalt und meine Hände fühlen sich steif an, ich brauche heute ungewöhnlich lange, um überhaupt etwas in Fahrt zu kommen.
Mühsam zwinge ich mir eine Schüssel Müsli rein, doch ich muss essen, sonst klappe ich bald zusammen.
Auf der Arbeit bin ich schon einmal zusammengebrochen, ich war zu erschöpft, zu ausgebrannt. Ich konnte schlicht weg nicht mehr.

Die Klinik hat sich nicht gemeldet, die Warterei geht mir zunehmend auf den Keks. Ich möchte endlich Gewissheit, möchte es hinter mich bringen. Bei diesem Gedanken fängt mein Magen an herumzuramentern, er schmerzt. Die Aufregung...
Das Schlimme an der Sache mit der Klinik ist, dass es kein Zurück mehr gibt. Ich muss da jetzt durch. Es wird hart, schrecklich, schmerzhaft werden. 3 Monate sind eine lange Zeit. Mich packt die blanke Panik. Was wenn ich dem doch nicht gewachsen bin? Was wenn es mich zerstört? Was, wenn es mir hilft? Darf mir überhaupt geholfen werden? Ich weiß es nicht. Jeden Schritt, den ich Richtung Hilfe setze, finde ich abstoßend. Bestrafe mich dafür, lasse es nicht zu.

Mittlerweile stoße ich die Menschen zurück, die mir ihre Hilfe anbieten. Ich versuche sie zu vertreiben. Ich möchte mich nur in eine Ecke hocken und dort für immer verweilen. Es ist genug. Genug von diesem ganzen Schmerz, von der Leere, von der Kraftlosigkeit, von der Therapie.

Ich trage diese Krankheit seit nun 8 Jahren mit mir herum. Sie gehört zu mir. Bin ich wirklich bereit, sie abzulegen? Welche Chance habe ich denn noch?
Sollte ich nicht anfangen mich zu öffnen, damit der Aufenthalt in dieser Spezialklinik überhaupt einen Sinn haben kann, dass sie Früchte tragen kann?

Ist das Unterfangen Hilfe nicht schon zum Scheitern verurteilt, wenn ich sie gar nicht erst in Anspruch nehmen will? Wenn ich mich dagegen wehre, wenn ich verdränge und so tue, als gehe es mir ja eigentlich total super?
Ich möchte so tun, als wäre ich gesund, als hätte ich kein Problem. Als wäre alles nur ein Witz, ein Traum gewesen.

Doch egal wie sehr ich es versuche, es wird nicht wahr...

Wolkentänzerin

Freitag, 4. April 2014

Tag ein Tag aus

Ich kann nicht mehr. Mir ist übel, ich bin schwach, durch meine Augen sehe ich die Dinge nur noch verschwommen. Seit Tagen habeen sich dazu noch starke Magenkrämpfe gesellt, sodass ich mich absolut schrecklich fühle.
Gestern hatte ich Therapie und wir haben bloß über das Wetter, das Wochenende, meine Katze, meinen Bruder und über Handtaschen gesprochen. Warum? Weil ich sagte, dass ich es leid bin über mich zu reden. Ich möchte das nicht mehr.
Das Wissen, bald in die Klinik gehen zu müssen und dieser Aufenthalt immer näher rückt, löst riesige Angst in mir aus. Klar, es soll mir helfen, aber es wird verdammt hart.
Mein Psychologe sagte gestern noch, dass er mich nach der Klinik erstmal krankschreiben würde, da er denkt, dass ich danach nicht fähig sein werde, arbeiten zu können.
Der Klinikbesuch ist eben keine Wunderheilung. Ich bin nicht gesund, wenn ich darauskomme. Wobei...eine Heilung gibt es ja auch gar nicht. Es ist ein Lehrgang, um damit leben zu können.
Diese Erkenntnis, dasss viele Symptome bestehen bleiben werden und ich bloß lernen werde damit zu leben, ist irgendwie eine schmerzhafte. So sehr wünsche ich mir, es würde einfach weggehen. Ich wäre einfach unbeschwert.

Gestern bin ich erneut auf einen aufdringlichen Studenten von der Arbeit gestoßen und er hat mich zugetexte. Von wegen er wäre der beste Partner für mich, ich könne ja noch sooo viiiel von ihm lernen und ob ich nicht mit ihm mit nach Hause kommen möchte. Nein, sicherlich nicht. Doch er will mein Nein nie akzeptieren. Er hört nicht auf, folgt mir bis zum Bahnhof und sagt, ich habe auch Interesse an ihm und würde mich sicher auch gewisse Dinge mit ihm Vorstellen. Ach tue ich das? Ja na klar, vorallem ich.
Solche Menschen schaffen es jedes Mal mich zu verunsichern, mich nervös zu machen und mich für mich zu schämen. Es gelingt ihnen mir Gedankenmuster einzureden und mich schuldig zu fühlen. Dabei bin ich kein Opfer mehr. Oder eben doch?

Wolkentänzerin

Montag, 31. März 2014

Verdammt!

Ich bin so ein Vollidiot! Schlimmer noch! Ich bin ein richtig dämlicher versagender Vollpfosten. Heute habe ich die Chance gehabt zu reden, über die quälenden Dinge zu sprechen und was mache ich? Ich sitze bloß da, starre ins Nichts und rede in Halbsätzen - wenn überhaupt.
Dabei habe ich mir sehr auf das Gespräch gefreut und habe mal wieder vollkommen versagt. Es ist ätzend! In mir brodelt es, ich hasse mich und will mich verletzen.
Mein Arm ist so stark am zittern, dass ich Probleme habe etwas zu packen. Mein ganzer Körper brennt vor Schmerz und meine Glieder tun mir so weh. Mir bleibt mein Atem weg.

Die Klinik rief Freitag an. Sie sind sich nicht sicher, welche Krankheitsbilder ich nun wirklich alle habe. Ich muss zwei Wochen stationäre Diagnostik über mich ergehen lassen. Zwei Wochen voller Fragen über meine Vergangenheit. Aber ich will nicht mehr. Es soll aufhören. Reicht es nicht, dass ich diese Fratze bei jedem Mal sehe, wenn ich meine Augen auch nur kurz schließe? Reicht es nicht, dass ich solche Schmerzen habe, dass ich kaum stehen kann?

Mir ist das Reden vergangen, ich kann nicht mehr. Ich will mich nicht mehr mit meiner Vergangenheit beschäftigen. Bei der ersten Diagnostikstunde, die ich absolvierte, konnte ich ganz automatisch ohne Emotionen die Punkte abrattern, die mich zu dem gemacht haben, was ich heute bin. Ich kann keine Gefühle mehr zeigen, bin total abgestumpft. Ich möchte doch so gerne weinen, schreien, möchte dem Schmerz Raum geben, doch ich kann ihn nicht herauslassen.

Meine Arbeitsstelle hat bereits einen Ersatz für mich gefunden, nahtlos geht es in eins über. Ich gehe, sie füllt die Lücke aus. So, als wäre ich nie da gewesen. Warum kann es nicht überall so sein? Weshalb kann ich nicht einfach verschwinden und jemand anderes nimmt dafür meinen Platz ein? Ich bin am Ende. Ich weiß nicht, wie ich finanziell zurecht kommen soll. Mir wird der Boden unter den Füßen weggezogen und ich kann nichts weiter tun als dabei zuzusehen.

Mein Kopf ist so schwer und dröhnt, ich bin müde, doch kann nicht schlafen. Ich habe das Gefühl, dass es jeden Tag dramatischer wird und ich immer tiefer falle, es jedoch nicht schaffe, mich wieder zu fangen.

Es sind nur noch zwei Wochen bis zur Klinik und ich bekomme täglich größere Angst. Ich will das nicht. Ich wehre mich absolut dagegen, dahin zu wollen. In meinem Hals bildet sich ein riesiger Kloß, ich kann nicht atmen, muss mich übergeben. Die Säure in meinem Mund fühlt sich widerlich an, ganz genau so, wie ich mich fühle. Ich schlucke und hoffe, dass das Gefühl verschwinden möge, doch ich merke, dass dieser Geschmack schon seit so langer Zeit auf meiner Zunge liegt, er gehört quasi schon zu mir.

Ich schließe die Augen und bereue dies sofort. Vor meinem inneren Auge sehe ich ihn, wie er seine Hände um meinen Hals legt. Meine innere Stimme schreit: "Jetzt tu es verdammt nochmal" und er drückt zu. Ich schwebe hoch zu meiner Wolke und alles beruhigt sich, selbst mein Arm hört auf zu zucken. Ein Stück Freiheit eröffnet sich mir. Unbemerkt nehme ich die Klinge in die Hand und füge neue tiefe rote Linien in die Narbenlandschaft meines Armes hinzu. Das Brennen ist mir so bekannt und tut so gut. Der Druck entweicht und ich sinke hinab auf den Badezimmerboden. Um mich herum bildet sich eine Blutlache.

Ich ergebe mich!



Wolkentänzerin

Mittwoch, 26. März 2014

Schweigen

Meine Mutter war immer gut darin, uns Kinder mit eisernem Schweigen zu bestrafen. Hatte ich nach der Schule nicht gänzlich perfektionistisch gesaugt, so kam meine Mutter gestresst von der Arbeit und rastete erst komplett aus, beschimpfte mich als Schlampe und hörte dann einfach auf zu reden. Sie würdigte mich keines Blickes mehr. Jede Entschuldigung, jedes Einschleimen...nichts...rein gar nichts konnte sie dazu bewegen, wieder mit uns zu reden. Das war das Schlimmste für mich. Besser hätte ich es gefunden, sie hätte mich angeschrien, mich beleidigt, aber das Schweigen war nahezu unerträglich.
Oft ging ich zu ihr und fragte sie, ob und wie ich es gut machen könnte, doch sie erwiderte dann bloß, ich solle ihr aus den Augen gehen, sie könne mich nicht ertragen.
In diesen Tagen, manchmal auch bis zu zwei oder drei Wochen, lauschte ich immer an der Tür, ob die Luft rein war und ich kurz in die Küche könnte, um etwas zu trinken oder zu essen, denn in diesen Phasen war ich total unsichtbar für sie, ob es nun um Essen kochen oder Wäsche waschen ging. Lief ich ihr dann unerfreulicher Weise doch über den Weg, kommentierte sie jegliches Handeln mit einem verächtlichen Schnauben und ab und an kam ein böses Wort über ihr Lippen. Sie warf mir unter anderem mal an den Kopf, ich sei nicht mehr ihre Tochter, ich solle zusehen wie ich klar käme und sie würde mich endgültig abgeben, da sie mich nicht länger ertragen könne  Wenn ich dann anfing zu weinen, meinte sie, mit kühlster Stimme, die Masche ziehe bei ihr nicht.

Da sie nicht mit mir sprach, schrieb ich ihr einmal einen Brief, um wieder ihre Liebe zu bekommen, doch sie zerriss ihn vor meinen Augen und schrie, sie sei keines meiner dummen Schulmädchen und ich solle ihr nie wieder einen Brief schreiben. Sie fauchte mich an und fragte, für wen ich sie hielt.

Diese Phasen wechselten sich im Wochenrhythmus mit relativ guten Tagen ab. Es war traurig und grausam.
Von meinen Brüdern konnte ich keine Hilfe erwarten, denn jeder war froh, dass denjenigen nicht das Los des Zornes getroffen hatte, denn zu denen, die"artig" gewesen waren, war meine Mutter übertrieben nett. Das auch nur, um mich, oder wen auch immer sie bestrafen wollte, erneut zu verletzen.

Und auch heute ist es noch immer das Schlimmste für mich, mit Schweigen bestraft zu werden.

Wolkentänzerin

Dienstag, 25. März 2014

Gute Wünsche für dich

Hallo Du,

wie geht es dir heute? Hast du gut geschlafen, vielleicht warst du ja auch in einer fantastischen Traumwelt und hast mit Elfen und Drachen gekämpft? Oder geht es dir schlecht, weil du mal wieder nicht schlafen konntest?
Was erwartest du vom heutigen Tag? Freust du dich auf eine besondere Begegnung, ein schönes Ereignis? Ist heute sogar der Tag aller Tage für dich? Es mag auch sein, dass du furchtbare Angst hast vor dem, was dich erwarten mag.
Ich wünsche dir, egal was dieser Tag für sich bedeuten mag, unendlich viel Kraft und Energie, um ihn zu überstehen. Du bist nicht allein! Ich hoffe, dass du etwas Freude und Mut haben wirst, egal was sein mag. Gib nicht auf! Lass die anderen nicht gewinnen! Sei stark und zeig all deinen Gegner wozu du fähig bist.

Lass dich durch die Arbeit nicht allzu sehr stressen, werde dir lieber deines Lebens bewusst. Ich wünsche dir, dass du mit Spaß an deine Aufgaben gehen kannst und sie dadurch wie von selbst erledigt werden mögen.

Ich wünsche dir einfach einen richtig guten Tag voller guter Impulse! Möge die Sonne heute extra hell für dich scheinen und dir eine riesen Portion innerlicher Wärme bescheren.

Wolkentänzerin


Montag, 24. März 2014

Die Zugfahrt und aktuelle Gefühle

Gestern kam ich wieder "Zuhause" an, die Fahrt war sehr anstrengend für mich. Ich bekomme immer Angstzustände, wenn ich mit unzähligen unbekannten Menschen auf engstem Raum zusammen sein muss. Dazu kam noch, dass sich ein muskulöser, böse dreinguckender Mann neben mich setzte. In der Situation wäre ich am liebsten einfach verblasst.

Heute ist das Wetter sehr grau und kalt, ganz so wie ich mich fühle.

Gestern abend hatte ich eine extreme suizidale Phase. Ich wollte mich töten, mich leiden lassen. Aber wie man sieht, ich lebe noch.
Inständig hoffe ich, die Klinik wird sich diese Woche melden, damit ich endgültige Ergebnisse und Daten erhalte. Diese Warterei ist absolut grausam. Ich fühle mich seit Tagen wie in Trance...das soll aufhören. Wenn ich schon dahin muss, so soll es doch auch schnellst möglich von der Bühne gehen. Meine Angst ist omnipräsent und ich fühle mich so schwach und einsam.

Was soll ich nur tun? Ich mag nicht mehr...

Wolkentänzerin

Freitag, 21. März 2014

Klappe - die Vierte

Tropf tropf tropf tropf......nachdem wir gestern mit einem wunderbaren sonnigen und sogar warmen Tag verwöhnt wurden, ist der Regen heute wieder zurückgekehrt. Draußen ist es grau und ungemütlich, nur sehr unfreiwillig trete ich vor die Tür, doch der Hund meiner Eltern muss ja schließlich ausgeführt werden. Mit Argwohn schlüpfe ich in die Gummistiefel und ziehe mir eine dicke Jacke meines Vaters über und wage mich langsam hinaus. Mein Blick schweift über die trostlosen Felder auf denen gestern noch ordentlich geschuftet wurde, um auf nahenden Frühling vorbereitet zu sein. Heute hingegen ist kein fleißiger Bauer zu sehen. Der Schleier aus Wolken am Himmel scheint zu weinen. Im Grunde ist es genau das Wetter, das mir vor einiger Zeit den Titel meines Blogs verschaffen hat. Manchmal habe ich das Gefühl, dass in mir ein ebenso trauriges trostloses Wetter herrscht, dass sich, zugegeben, ab und an mit einem Hurricane oder gar Tornado abzuwechseln scheint. Wenn ich so darüber nachdenke, muss ich mir eingestehen, dass ich schon lange keinen sonnigen Tag in mir erlebt habe und ganz vergessen habe, wie sich das anfühlt.
Am gestrigen Frühlingsanfang hatte meine Mutter Geburtstag, was ich zum Anlass nahm, um einen Kurzurlaub zu machen. Ich fuhr also 3 Stunden mit dem Zug hierher und verbrachte den Tag im Großen und Ganzen damit, den Haushalt zu machen, zu backen, zu kochen und mich überall, wo es nötig war, einzubringen. Eigentlich war das gar nicht mal so schlecht, denn derzeit kann ich jede Ablenkung gebrauchen, die sich mir in irgendeiner Weise bietet.
Naja und die Wahrheit ist auch: Ich befinde mich aus Selbstschutz bei meinen Eltern. Hier oben, im Norden unseres Landes, ist die Wahrscheinlichkeit eines Suizides meinerseits schwindend gering. Ich schätze, wäre ich jetzt noch Zuhause, naja, dann wäre ich wohl wieder unterwegs und würde munter an mir herumschneiden, mich qäulen und vielleicht sogar dabei hops gehen. Lange Rede, kurzer Sinn, ich bin für vier Tage bei meinen Eltern und lenke mich mit allerlei Haushaltskram ab. Es könnte nun wirklich schlimmer sein.
Meine dunklen Gedanken sind zwar weiterhin am kreisen, haben aber keine bedrohliche Wirkung auf mich.

Das einzige, was mich belastet, ist zu wissen, dass ich Sonntag zurück nach Hause muss und alles wieder so sein wird wie vorgestern....

Wolkentänzerin

Mittwoch, 19. März 2014

An: Mein Leben

Liebes Leben,

in Grunde wussten wir es beide schon länger, trotzdem sage ich es dir nochmal direkt auf diesem Wege. Es ist nämlich so, dass wir einfach nicht zusammen passen. Ich fühle mich dem Tod näher als dir. Also lass es uns an dieser Stelle doch beenden. Ich denke so ist es besser für jeden von uns. Ich kann dich nicht mehr ertragen, meine Kraft ist nun gänzlich ausgeschöpft. Der Schmerz, den du mir bisher gebracht hast, ist für mich nicht auszuhalten. Weißt du, seit Tagen bin ich so sehr am Kämpfen, dass ich mich gar nicht mehr fühlen kann. Du raubst mir meinen Atem und bringst mir Tag täglich eine neue Belastung. Versteh doch, ich bin am Ende. Ich habe perfide an meinem Masterplan fürs Sterben gearbeitet. Habe einen Zeitplan, ich bin bereit zu gehen. Mir fehlt die Kraft, um bis auf die Klinik zu warten. Die derzeitigen Verhältnisse zwingen mich in die Knie. Meine Hoffnung hat bereits "Leb wohl" gesagt und ich schätze, sie hat recht. Ich bin leer und die meiste Zeit des Tages verbringe ich auf meiner Wolke, darauf hoffend, dass es aufhören möge. Ich fühle mich so einsam und traurig. Meine Gliedmaßen sind unheimlich schwer geworden, ich muss meine letzten Ressourcen mobilisieren, um überhaupt stehen zu können. Jeder Lebensbereich ist eine einzige Katastrophe.

Mein liebes Leben, ich gebe uns auf. Ich kann einfach nicht weitergehen.

Wolkentänzerin

Sonntag, 16. März 2014

Lieber Freund,

gerade habe ich dein Lied gehört und sofort durchzog mich ein wohlbekanntes Gefühl. Mein Hals schnürrte sich zu und mir wurde richtig übel. Es ist eben dein Lied. Der Text von "Tennage Dirtbag" beschreibt so verdammt gut wie du dich allzeit fühltest. Dieser Song war einer deiner favorisierten, du konntest dich damit identifizieren. Kein Wunder...

Weißt du, ich denke in letzter Zeit so so so oft an dich. Mich packt eine riesige Traurigkeit, wenn ich an dich und die Umstände deines Todes denke. Ich fühle mich so schuldig und weiß, dass ich hätte etwas tun müssen. Ich hätte dich retten müssen. Ich wusste doch, wie es sich anfühlt...Es tut mir so leid. Gestern hat mir jemand Werther's Originale angeboten und ich musste sie ablehnen. Selbst nach dieser langen Zeit kann ich sie noch immer nicht essen, zu sehr erinnern sie mich an dich. Jedem, der sagt, die Zeit würde Wunden heilen, würde ich am liebsten ins Gesicht schreien, dass das nicht stimmt. Seither sind fast vier Jahre vergangen und dieser grausame, tief sitzende Schmerz ist nicht verflogen. Vielmehr wird er größer, weil ich das Gefühl habe, ich müsste dir endlich folgen.

Ich würde dir so gerne Dinge erzählen, das Leid mit dir Teilen, mich verstatnden fühlen. In ein paar Wochen gehe ich in eine Klinik, die auf meine Problematik spezalisiert ist. Deshalb habe ich bereits zwei Termin hinter mir, die der Diagnostik dienen. Es war so schrecklich. Ich musste über die schlimmsten Erfahrungen meines Lebens reden und es hat mir wirklich alles abverlangt. Seitdem ist dieser Schmerz so unerträglich geworden, dass ich mir einfach nur die Haut abziehen wollen würde. Ich möchte schreien, mich verletzen, einfach wegrennen. Es wäre so schön, wenn jemand da wäre, der mir die Möglichkeit geben würde, sodass ich mich in seinen Armen ausweinen könnte. Du fehlst mir so sehr.

Ich denke häufig über die letzten Tage und Wochen mit dir nach und gehe die Abläufe immer und immer wieder durch. Überdenke jedes einzelne gesagte Wort, überlege, welche Wirkung sie auf dich gehabt haben könnten. Es ist so müßig darüber nachzudenken und trotzdem kann ich es nicht lassen. Vor meinem inneren Auge sehe ich dich, wie du auf dem Boden hockst, gelehnt an einen Baum, Kopfhörer im Ohr, wissend, dass die nächsten Atemzüge deinen letzten sein würden. Du warst allein - verdammt einsam. Wieso hast du das getan? Wieso hast du mich zurückgelassen? Wieso???

Weißt du, was das schlimmste daran ist? Dass ich es auch tun will. Dass ich es schon versucht habe, dass ich es wieder versuchen werde. Ich bin dabei mich komplett selbst zu zerstören, obwohl (oder eben genau weil?) ich weiß, dass ich in die Klinik gehen kann. Ich habe unendlich große Angst davor, stationär in dieser Klink aufgenommen zu werden. Gleichwohl es meine letzte Chance sein könnte. Die Gespräche zur Diagnostik haben mir den Boden unter den Füßen weggezogen. Der best versteckteste innerste Schmerz, die verdrängtesten Erinnerungen, alles, was ich vergessen wollte, wurde hervorgekramt. Die Bilder, Gefühle, ja, selbst körperliche Empfindungen sind so real, wie noch nie zuvor. Ich habe solche Schmerzen, dass sie mir fast den Atem nehmen. Ich verletze mich, um sicher sein zu können, dass ich noch da bin.

Ich flüchte auf meine Wolke, komme dir so gefährlich nahe und drifte dabei ab; ich bin manchmal schon viel zu weit weg, als dass ich den Boden überhaupt noch erahnen könnte. Der omnipräsente Schmerz ist simpel zu groß, ich bin dem nicht gewachsen. Ich habe Angst, dass dieses Leid in der Klinik noch größer werden könnte; niemand gibt mir eine Garantie darauf, dass es wirklich besser werden wird.

Seit einiger Zeit fühle ich mich so allein, ich kann förmlich an der Einsamkeit ertrinken. Ich bin nicht ganz unschuldig an diesem Zustand. Schließlich könnte ich vor die Tür gehen, mich mit Leuten treffen, doch ich ziehe die Abgeschiedenheit und Bedrohung vor. Ich tue Dinge, auf die ich absolut nicht stolz bin und von denen ich weiß, dass sie mich akut gefährden. Es wird immer schlimmer und ich komme nicht mehr daraus. Ich möchte mich verlieren, möchte aufhören zu existieren, möchte für immer verschwinden. Ich denke, so ging es dir wohl auch. Gerade weil ich weiß, wie es dir erging, hasse ich mich dafür, dass ich dir nicht ausreichend half. Konnte oder wollte ich es nicht? Wäre es besser gewesen, du hättest mich nie kennengelernt? Ich schätze....ja....

Hey, weißt du, ich bin bald arbeitslos. Wie sollte es auch anders sein? Oh man, ich habe bisher wirklich nichts erreicht. Das witzige ist, dass andere mich immer für Dinge loben, die nicht mal Aufmerksamkeit verdienen. Es ist nicht erwähnenswert, dass ich es bis hier hin geschafft habe, dass ich durchgehalten habe. Denn schaut man hinter die Fassade und analysiert einmal, wie ich diese Zeit überstanden habe, so sieht man die Trümmer, die Narben, das Scheitern.

Du glaubst gar nicht, wie gerne ich gerade bei dir wäre. Ich möchte aufhören zu atmen. Ich habe unersättlichen Schmerz in mir. Meine Beine halten mich kaum noch und nur mit Not hangel ich mich von Tag zu Tag. Die Nächte bringen mein wahres Ich ans Licht, in der Dunkelheit hat meine Todessehnsucht die Macht über mich und die Wahrheit ist: ich ergebe mich ihr nur allzu gern.

Was ist nur mit mir passiert? Was ist damals mit dir passiert? Gleich werde ich meine Rasierklinge hervorholen und mich verletzen, werde dem Blut zusehen, wie es meinen blassen Arm hinabläuft. Ich werde meine Zähne aufeinanderbeißen, um das Brennen zu ertragen, werde meinen Augen zu sehen, wie sie, unter dem Schneiden, anfangen werden zu tränen. Werde mich zwingen weiter zu machen. Irgendwann werde ich mich dann verbinden und auf dem Verband rumdrücken, um mich erneut zu bestrafen. Es wird nicht das letzte Mal heute sein, dass ich mich quäle.

Ich habe Angst, Angst vor mir selbst. Es fühlt sich an, als würde ich ertrinken und ich habe aufgehört mich gegen die Wassermassen zu wehren. Ich gebe auf!
Vielleicht sehen wir uns schon heute Nacht wieder...

Wolkentänzerin

Samstag, 8. März 2014

Delirium

Ich fühle mich so leer, so weit weg. Mein Geist ist wieder einmal auf Wanderschaft, er macht gerade eine Pause oben auf einer flauschigen weichen Wolke. Mein Körper hingegen sitzt nur hier unten, die Augen ins Nichts gerichtet. Den Schmerz kann ich wie immer fühlen und doch wird er, je länger ich abwesend bin, kleiner. Ich merke, wie ich verblasse, wie meine Gedanken verstummen und ich einfach nur da bin. Mein Zustand wird von Minute zu Minute kritischer, denn ich gewinne Gefallen an diesem Delirium. Im Grunde möchte ich gar nicht mehr zurück.

Mir geht es nicht gut und ich möchte, dass es aufhört. Ich ertrage es nicht mehr. Ich möchte mir die Haut abziehen, mich schneiden, mir so sehr wehtun, dass ich schreien muss. Ich möchte weinen, möchte mich spüren, möchte lachen, möchte glücklich sein. Ich möchte nicht mehr ich, möchte mich nicht mehr erinnern. Möchte frei sein, wie ein Vogel durch die Lüfte fliegen.

Ich möchte sterben...

Wolkentänzerin

Breath me


Help, I have done it again
I have been here many times before
Hurt myself again today
And the worst part is there's no one else to blame

Be my friend, hold me
Wrap me up, unfold me
I am small and needy
Warm me up and breathe me

Ouch, I have lost myself again
Lost myself and I am nowhere to be found
Yeah, I think that I might break
Lost myself again and I feel unsafe

Be my friend, hold me
Wrap me up, unfold me
I am small and needy
Warm me up and breathe me

Be my friend, hold me
Wrap me up, unfold me
I am small and needy
Warm me up and breathe me

Be my friend, hold me
Wrap me up, unfold me
I am small and needy
Warm me up and breathe me
(Sia)

Sonntag, 2. Februar 2014

Sonntagsgedanken

Hallo ihr da draußen,

gerade denke ich über einige Dinge nach, vor allem über die Wertigkeit vieler dieser Gedanken. So könnte ich Euch meinem Namen nennen, doch ist dieser ebenso unwichtig, wie die Frage nach meinem Alter, Gewicht, Geschlecht oder Aussehen. Denn was ist interessant daran zu erfahren, welche Haarfarbe ich habe oder ob ich Lippenstift trage? Wäre ich ein Mann wäre letzteres wohl ungewöhnlich und selbst DAS ist absolut irrelevant. Das einzige, was wichtig zu erwähnen wäre, ist, dass ich ein Mensch bin. Dass ich fühle und denke, dass ich eben einfach ein Lebewesen bin.

Was bleibt mir schon, wenn ich sterbe? Ist es mein makelloser Teint, sind es deine langen Beine, ist es deine Figur oder deine Brille, die im Gedächtnis derer bleiben, die du zurücklassen wirst? Ich denke und vor allem hoffe, dass es nicht so sein wird. Wirklich nachhalten wird das, was du ihnen Gutes oder eben Schlechtes getan hast. Welche wundervollen und traurigen Erlebnisse du mit ihnen geteilt hast, welche liebenswerten Eigenheiten dich ausmachen. Das sind doch die Erinnerungen, die verwurzelt bleiben werden. Irre ich mich?

Ja, auch ich bin nicht frei von Oberflächlichkeit und Vorurteilen. Ich möchte gar nicht im Detail wissen, wie viel nützliche Lebenszeit ich in mein Äußeres bis zu meinem Tod investiert haben werde.  Wie viele Gedanken ich daran verschwendet haben werde, was andere über meine Erscheinung denken könnten. Oh und traurig ist ebenfalls, dass wir häufiger übereinander als miteinander reden. Ich gebe gerne zu, dass ich von Selbstzweifel nur so angefüllt bin. Ich finde mich zu dick, zu hässlich, zu ungenügend. Und selbst, wenn ich weiß, dass das nicht für das Leben ausschlaggebend ist, dass es anderes wichtigeres gibt, an dem gearbeitet werden müsste, ich werde diese Gedankenmuster nicht los. Ich schätze, ich mache mir selbst etwas vor...

Wir richten unsere Aufmerksamkeit auf Konsumgüter; fragen uns, was wir uns als nächstes "gönnen" sollten, ob uns das Outfit stehen würden und ob der Fernseher nicht noch etwas größer ausfallen dürfte. Parallel dazu beschweren wir uns, dass wir nicht genug Geld haben. Dabei sind wir doch schon reicher als 3\4 der Weltbevölkerung, wenn wir ein Dach über dem Kopf haben.

Wieso sind wir so egoistisch, rivalisierend, erfolgsbesessen und unzufrieden? Der innere Vergleich mit anderen verhindert es, dass wir wahrhaft glücklich werden können. Wann hat das angefangen? Und, was vielleicht viel wichtiger ist, kann dieses Denken dauerhaft geändert werden? Höchstwahrscheinlich muss das jeder für sich selbst in die Hand nehmen.

Wie oft ist es so, dass wir theoretische Analysen unzähliger Situationen durchführen können und dann kläglich an der Praxis scheitern. Zumindest ich kann das von mir behaupten. Wohlmöglich liegt es an meiner Bequemlichkeit, immerhin fällt es mir leichter in bereits erprobten Verhaltensweisen zu verharren, als mir mühsam neue aneignen zu müssen. Also sollte ich mich im Grunde gar nicht mehr wundern, dass ich zum hundertsten Mal gegen ein und die selbe Wand laufe. Ich bin gerade überrascht über meine eigene Inkompetenz, die ich ebenso beständig wie auch nutzlos an den Tag zu legen verstehe.

Vielleicht werde ich eines guten Tages eine Stiftung gegen Missbrauch gründen, dann habe ich wenigstens etwas erreicht, das Substanz besitzt.

Ich finde mein Leben ist, in Anbetracht dessen, was ich so treibe, ziemlich nutzlos. Das bedarf einer Veränderung und gerade als ich diese Worte forme, weiß ich schon, dass ich es nicht tun werde...



Wolkentänzerin

Montag, 27. Januar 2014

verblasst

Es scheint als würde mein Geist an jedem neuen Tag ein bisschen mehr sterben. Als würde ich täglich etwas weiter verblassen.
Ich habe kein Gefühl mehr, alles ist taub...ich fühle nichts - bis auf den körperlichen Schmerz.

Wolkentänzerin

Donnerstag, 9. Januar 2014

Here we go...

Heute morgen war ich bei meinem Therapeuten und er war der Meinung, mein Zustand sei sehr akut.
Nun befinde ich mich auf dem Weg in eine Klinik.
Und soll ich Euch was sagen? Ich habe unendlich große Angst...

Mittwoch, 8. Januar 2014

Durch den Kopf

Meine Beine fühlen sich schwer an, mein Kopf will nicht oben bleiben. Die Tasse Kaffee in meiner Hand droht herab zu fallen, selbst dafür bin ich heute morgen zu schwach. Langsam führe ich sie wieder zum Tisch herab, meine Hand fängt dabei gefährlich stark an zu zittern. Doch ich schaffe es, den Becher heil abzustellen. Was ein Start in diesen Tag. Meine Gedanken schweifen ab, hin zu einem Ort, an dem Friede herrscht. Ich sitze auf meiner Wolke und starre bloß ins Nichts. Ein Windhauch streift mein Ohr und es klingt, als würde er mir etwas sagen wollen, doch ich kann ihn nicht verstehen oder vielleicht will ich das bloß nicht? Ich atme tief ein und spüre, wie eine Last von mir fällt - ich bin frei.
Wie lange war ich weg? Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass die Last zurück ist.
Mühsam bewege ich meinen Körper unter die Dusche. Das Wasser brennt auf meiner Haut; Genugtuung breitet sich in mir aus. So ist es gut! Ich zwinge mich den Schmerz länger als nötig zu ertragen. Ich schaue mich im Spiegel an und werde wütend. Dieses Bild was sich mir bietet ist mir nur allzu verhasst. Eine rote Haarsträhne fällt mir ins Gesicht und ich wickel sie um meinen Finger.
Wann habe ich überhaupt angefangen, mich derart zu hassen? Ich weiß noch, dass ich mit 15 Jahren in einen Spiegel geschlagen habe, nachdem mein TaeKwonDo-Trainer mich anfasste.
All meine Kraft, die ich mir in 7jährigem Kampfsporttraining angeeignet hatte, konnte ich nur gegen mich selbst richten. Welche Ironie...
Mein Bild trifft mich im Spiegel und ich muss an meine Schulzeit zurückdenken. Sie nannten mich das "Abturn-Girl". Ich hatte keine Freunde, war immer alleine. Nur mein Hund war da, doch er starb - wurde vergiftet.
Meine Eltern stritten sich im Wochentakt. Ich fing an, mich unsichtbar zu machen. Lief stundenlang durch den Wald, auf der Suche nach Antworten. Was ich fand war Ruhe und Abgeschiedenheit. Ich war weg, ganz weit weg.
Und heute? Meine Augen haben den Glanz verloren. Ich sehe müde aus und habe tiefe Augenringe. Naja, ein bisschen Schminke und alles sieht wieder ganz anders aus. Ich fange an zu grinsen. Es ist doch bescheuert. Jeden Tag trage ich eine Maske und kaum jemand weiß, was sich wirklich darunter verbirgt. Es ist meine eigenen Schuld. Ich kann mich nicht öffnen. Ich werfe Menschen vor, sie würden mich nicht verstehen, dabei gebe ich ihnen gar nicht erst die Chance das zu können.
Ich sacke hinab auf den Boden. Mit dem Rücken lehne ich mich an die Heizung - sie ist heiß, es schmerzt, das ist gut. Ich schließe die Augen und drifte ab in eine Zeit, in der ich glücklich war. Ich sehe mich als Kind, wie ich mit meinen Brüdern am Bach spiele, Baumhäuser baue und zufrieden bin. Wir lachen und freuen uns aneinander. Doch plötzlich erscheint eine Fratze vor mir. Sein Gesicht. Ich schrecke zusammen. Wieso erscheinst du ständig in meinem Kopf? Du hast da doch gar nichts mehr zu suchen. Du gehörst nicht mehr zu meinem Leben. Ach, was rede ich? Du hast nach so langer Zeit noch immer so viel Macht über mich. Du steuerst mich förmlich.
Ich reiße meine Augen auf und schaue herab auf meine Arme. Diese Narben müsstest du tragen, nicht ich.
Vor meinem inneren Auge taucht mein Vater auf. Ich erinnere mich daran, wie wir im Auto saßen und er mich aus dem Nichts heraus anfasste. Ziemlich brutal und an einer Stelle, die absolut tabu für ihn war uns ist. Ich sagte "Nein!" und "Hör damit auf! Hör auf!". Daraufhin antwortete er: "Wieso? Ich darf das. Du bist doch mein Eigentum." Auch wenn das in irgendeiner Weise scherzhaft gemeint war, so ging es trotzdem viel zu weit. Es war nicht das erste Mal und ich überlege, ob das vielleicht mit ein Grund war, weshalb ein Mensch es geschafft hatte, mir das schlimmste antun zu können. Hatte ich nicht gedacht, dass es richtig war? Dass ich nichts anderes verdient habe? Oh, wie lange habe ich das gedacht? Ich müsste dich hassen, weil du mich ver... hast und doch gebe ich mir dafür die Schuld. Ich sehe mich, wie ich in diesem Zimmer bin. Sehe dich. Sehe all das, was du mit mir tust. Spüre den Schmerz und höre die Stimme, die sagt: "Ja, das hast du verdient. Mehr bist du nicht wert!" Deine Hände drücke zu und ich kann nicht mehr atmen.

Ich zucke zusammen, mein linker Arm zittert und ich bin am ganzen Körper verkrampft. Der Minutenzeiger  tickt und ich erkenne, dass die Welt sich weiterdreht, egal was passiert. Ich jedoch bin vor langer Zeit einfach stehengeblieben und warte nun darauf, dass ich endgültig verloren gehe, dass die Welt sich immer weiter von mir entfernt. Dass sie mich gänzlich aus den Augen verliert und ich somit verschwinde.
In meiner Hand liegt eine kleine blitzende Rasierklinge. Das Gefühl ist mir bekannt und doch raubt es mir ein jedes verdammte Mal den Atem. Ein jeder Schnitt, ein jeder Tropfen Blut ist der Versuch mich selbst ertragen zu können. Und, um die Wahrheit zu sagen, sie sind der Versuch zu entkommen - endgültig.




Wolkentänzerin

Dienstag, 7. Januar 2014

Genug gesagt...

Ich habe nichts mehr zu sagen, was rechtfertigen könnte, was ich vorhabe...

Wolkentänzerin

Montag, 6. Januar 2014

Wann?

Ich fühle mich so schwach und ausgebrannt. Wann hört es auf? Wann beende ich dieses Spiel endlich?

Wolkentänzerin