Samstag, 23. November 2013

Zimmer nebenan

Die Blätter wehen im Wind, verbreiten ihr Knistern im ganzen Wald. Die hochgewachsenen Tannen werfen, angestrahlt vom kalten Mondlicht, ihre beängstigenden Schatten auf die verschlugenen Wege. Meine Füße tragen mich weiter, immer tiefer hinein in den Dickicht. Ich bliebe stehen, bin außer Atem. War ich gerannt? Ich weiß es nicht mehr.

Ich sinke erschöpft zu Boden und vergrabe mein Gesicht in meinem Schoß. Eine Träne kullert über meine Wange. Mein Körper verkrampft sich - ich möchte schreien. Möchte meinen Schmerz zum Ausdruck bringen.

Mein Blick richtet sich auf  - hinauf zu den Sternen. Es scheint, als würden sie über mich lachen. Sie hätten schließlich allen Grund dazu.
Wie bin ich auf die Idee gekommen, ich könnte ihm entkommen? Wieso dachte ich, es wäre vorbei? Meine törichte Haltung hatte mich also hierher gebracht.

Weiter bittere traurige Tränen rinnen mein Gesicht herab und hinterließen Spuren. Meine Augen brannten und ich schloss sie für einen Moment.
Sofort schossen all die grausamen Bilder in meinen Kopf, so real, dass ich sie förmlich anfassen konnte.
Ich schrie, doch konnte mich keiner hören.

Mit meinen Händen hob ich einen kleinen Haufen Laub auf und drückte ihn mit all meiner Kraft zusammen. Wütend und verzweifelt warf ich die nutzlosen Blätter weg, exakt so, wie es mit mir gemacht wurde.

Ich kauerte mich zusammen, holte die kleine Dose heraus und entnahm eine neue blitzende Klinge. Ihr Anblick brachte mir Frieden und Genugtuung.
Ein jeder Schnitt, das Blut, der Schmerz - es wurde zur Sucht.
Ich schnitt immer tiefer - immer bedrohlicher. Mein Körper reagierte darauf mit Zittern und Krampfen. So war es richtig - ich sollte leiden. Leiden, um mir den letzten tiefen Schnitt leichter zu machen.

Doch ich schaffte es nicht. Ich rannte los - ich rannte bis ich mit komplett entfremdet hatte und in einem trance-ähnlichem Zustand war. Es war, als könnte ich fliegen, die Wolken berühren und als gäbe es kein Morgen mehr. Die Lasten dieser Welt scheinen weggeblasen zu sein und ich überlege mir jedes Mal, wie es wohl in dem anderen Zimmer sein wird.

Und jedes Mal komme ich der Anwort etwas näher...

Wolkentänzerin
,

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen