Dienstag, 19. November 2013

Verloren gegangen

Guten morgen liebe Sorgen, seid ihr auch schon alle wach? Habt ihr auch so gut geschlafen? Na, dann ist ja alles klar.

Mein Blick wandert, wie jeden Morgen, hinaus aus meinem Küchenfenster in die triste Welt, die sich mir darbietet. Es ist wie der morgendliche Blick in den Spiegel. Ich entdecke hier eine Strähne, die nicht richtig sitzen möchte und dort einen kleinen Mitesser. Genauso ist es da draußen vor meiner Tür auch. Nichts bleibt gleich, alles verändert sich. Jeden Tag gibt es etwas Neues zu entdecken.

Großartig, nicht? Naja, nicht wirklich, denn seien wir mal ehrlich - oder eher bin ich mal ehrlich zu mir - es interessiert mich nicht mehr. Ob da und dort ein Ast abknickt, dieser oder jener Baum mittlerweile all seine Blätter verloren hat, was macht das schon aus? Vielleicht eine sehr abgeklärte Haltung meinem Umfeld gegenüber, aber vielleicht gibt es eine klitzekleine Chance, dass sich diese Ignoranz oder sagen wir, Gleichgültigkeit sich auf mich und meine Gedanken auswirkt. Es wäre doch ganz wunderbar, wäre ich im Stande, meine Gedanken einfach abzuhaken, sie als nichtig abzutun.

Ein Lächeln huscht mir über mein Gesicht, denn ich erkenne die Ironie in der Situation. Es wäre naiv von mir zu denken, es gäbe eine echte Alternative zu meiner jetzigen Lage. Ach, wie sehr wünsche ich mir, es gäbe endlich einen kleinen Hauch Glück für mich. Ein Geschehen, dass mich endlich wach zu rütteln vermag. Etwas, was die Fähigkeit besitzt, mich aus meiner Trance zu befreien. Ich tanze auf meinen Wolken - zwischen den Welten. Das ist doch kein Zustand. Ich sollte mich entscheiden - entweder oder! Dieses Rumgeeiere ist doch ätzend.

Warum fällt es mir nur so schwer mich endlich zu entscheiden? Ich möchte nicht länger zwischen den Welten verkehren. Ich möchte richtig leben oder es eben simpel sein lassen. Aber was würde mir das bringen? Freiheit? Wäre das nicht vermessen zu sagen? Wie kann ich mir sicher sein, dass es da oben oder eben da unten oder wo auch immer ich hinkomme besser sein wird? Wer gibt mir dafür eine Garantie? Vielleicht habe ich die wahre Hölle noch gar nicht kennengelernt und es wäre besser für mich, die irdische zu ertragen. Außerdem kann ich hier Hilfe erlangen, ich kann eine Hilfe sein. Sollte ich nicht die Möglichkeit ergreifen, anderen eine Hilfe sein zu können? Ihnen beim Finden ihres persönlichen Glücks behilflich sein?

Ja, das klingt alles so unfassbar einfach. Aber die Realität sieht nun mal anders aus - leider. Meine Kraft zunehmend nach und ich muss mich häufig einfach mal hinsetzen, weil ich nicht mal mehr stehen kann. Dann starre ich ins Nichts, mein Kopf schaltet sich einfach aus und vegetiere bloß vor mich hin. Ich verabscheue diesen Zustand, denn ich bin dann erneut zwischen den Welten angekommen.

Ich fühle mich gefangen und habe Angst, dass ich da nicht mehr raus komme, dass es für mich keine Hilfe mehr gibt. Es tut weh und lässt mich verkrampfen. Es ist ein schreckliches Gefühl, sich verloren zu glauben. Und ja, es gibt einen kleinen Funken Hoffnung in mir, den muss ich haben, denn was wäre die Alternative dazu? Glaubt ein Mensch, verloren zu sein, was bleibt ihm dann? Eben.

Früher, als ich noch ein Kind war, bin ich ab und an mal verloren gegangen. Ich bin beim Einkaufen einfach in eine andere Richtung gelaufen und habe mich immer weiter von meiner Mutter entfernt, bis ich sie nicht mehr sehen konnte. Ich bekam Angst, weil ich sie nicht mehr finden konnte. Ein schreckliches Gefühl. Und so ungefähr fühlt es sich zur Zeit für mich an, als wäre ich zu weit vom Leben weggegangen und kann es jetzt nicht mehr wiedererlangen.


Mich bedrückt diese Situation wirklich sehr und ich bin sehr unglücklich, denn ich kann mir selbst nicht mehr trauen.

Wolkentänzerin

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