Dienstag, 26. November 2013

So what?

Was tue ich hier eigentlich? Was denke ich mir überhaupt dabei? Wann habe ich angefangen zu denken, ich sei wichtig? Ob ich nun bin oder eben nicht, das ist absolut unerheblich. Dass ist so interessant, wie ein Sack Reis, der umkippt. Ich gebe mich nicht mehr der Illusion hin, ich hätte wahrhaftig irgendeinen Wert für irgendjemanden. Aus und vorbei. Schluss mit diesen Phantasien.

Ich sehe es ein, meine Zeit ist abgelaufen!

Wolkentänzerin

Samstag, 23. November 2013

Zimmer nebenan

Die Blätter wehen im Wind, verbreiten ihr Knistern im ganzen Wald. Die hochgewachsenen Tannen werfen, angestrahlt vom kalten Mondlicht, ihre beängstigenden Schatten auf die verschlugenen Wege. Meine Füße tragen mich weiter, immer tiefer hinein in den Dickicht. Ich bliebe stehen, bin außer Atem. War ich gerannt? Ich weiß es nicht mehr.

Ich sinke erschöpft zu Boden und vergrabe mein Gesicht in meinem Schoß. Eine Träne kullert über meine Wange. Mein Körper verkrampft sich - ich möchte schreien. Möchte meinen Schmerz zum Ausdruck bringen.

Mein Blick richtet sich auf  - hinauf zu den Sternen. Es scheint, als würden sie über mich lachen. Sie hätten schließlich allen Grund dazu.
Wie bin ich auf die Idee gekommen, ich könnte ihm entkommen? Wieso dachte ich, es wäre vorbei? Meine törichte Haltung hatte mich also hierher gebracht.

Weiter bittere traurige Tränen rinnen mein Gesicht herab und hinterließen Spuren. Meine Augen brannten und ich schloss sie für einen Moment.
Sofort schossen all die grausamen Bilder in meinen Kopf, so real, dass ich sie förmlich anfassen konnte.
Ich schrie, doch konnte mich keiner hören.

Mit meinen Händen hob ich einen kleinen Haufen Laub auf und drückte ihn mit all meiner Kraft zusammen. Wütend und verzweifelt warf ich die nutzlosen Blätter weg, exakt so, wie es mit mir gemacht wurde.

Ich kauerte mich zusammen, holte die kleine Dose heraus und entnahm eine neue blitzende Klinge. Ihr Anblick brachte mir Frieden und Genugtuung.
Ein jeder Schnitt, das Blut, der Schmerz - es wurde zur Sucht.
Ich schnitt immer tiefer - immer bedrohlicher. Mein Körper reagierte darauf mit Zittern und Krampfen. So war es richtig - ich sollte leiden. Leiden, um mir den letzten tiefen Schnitt leichter zu machen.

Doch ich schaffte es nicht. Ich rannte los - ich rannte bis ich mit komplett entfremdet hatte und in einem trance-ähnlichem Zustand war. Es war, als könnte ich fliegen, die Wolken berühren und als gäbe es kein Morgen mehr. Die Lasten dieser Welt scheinen weggeblasen zu sein und ich überlege mir jedes Mal, wie es wohl in dem anderen Zimmer sein wird.

Und jedes Mal komme ich der Anwort etwas näher...

Wolkentänzerin
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Freitag, 22. November 2013

Wolke

"Das wird noch eine lange Zeit so bleiben", "Ich sehe, dass Sie am Ende ihrer Kräfte sind" und "Ja, sie haben es wirklich schwer". Das sind Sätze aus meiner gestrigen Therapiesitzung zum Thema suizidale Gedanken. Ich habe ihm vermitteln wollen, dass es mir nicht gut geht, dass ich jeden Tag schauen muss, ob ich ihn überhaupt schaffe. Meine Versagensangst ist wieder da, weil ich merke, dass sich meine Kraftlosigkeit vermehrt auf die Arbeit auswirkt und mein Therapeut sagt, dass das noch länger andauern wird. Das hat mir einen unheimlichen Stich versetzt.
Ich sagte ihm, dass ich nicht wisse, woher ich die Kraft zu Weiterleben nehmen solle und er meinte: "Nana, Frau *******, das ist ein anderes Thema. Darum geht es nicht." Aber worum dann?
In der Therapie kann ich mich nicht mit den traumatischen Dingen auseinander setzen, weil ich befürchte dann zusammenzubrechen.

Heute morgen musste ich mich für eine gewisse Zeit auf den Boden setzen, weil ich solche Schmerzen hatte, dass ich nur zusammengekrümmt hätte stehen können. Ich saß auf dem Boden und mir war so übel. Jede Nacht erlebe ich es - immer und immer wieder. Es saugt mir die Kraft aus meinen Gliedern. Ich bin müde und so weit weg.

Mein Therapeut sagt, ich sei zur Zeit in einer starken dissoziativen Phase, ich wäre nur äußerlich da. Das genau ist es, was mich ängstigt. Denn in dieser Trance fühlt es sich für mich leichter an, hinüber zu treten.

Ich weiß nicht weiter, eine tiefe schwere Trauer breitet sich in mir aus und ich nehme wieder den Platz auf meiner Wolke ein. Ich sitze bloß da, starre vor mich hin und weiß absolut nicht, ob ich noch einmal zurückkommen kann.

Wolkentänzerin

Donnerstag, 21. November 2013

Der Morgen des 7386. Tages

Guten Morgen Leben, 

so wieder einen Tag geschafft. 100 Gummipunkte an mich. Wie fühle ich mich dabei? Hm, ich bin ziemlich enttäuscht, dass ich noch da bin. Es wäre so schön, hätte es einfach "Peng" gemacht und ich wäre an einem anderen totalitär idyllischem Ort. Hach, was für eine Wunschvorstellung. Oder ab, hätte mein nächtliches Vorhaben geklappt.

Auf jeden Fall steckt mir die Nacht noch in den Knochen; die altbekannten Stellen tun mir heute morgen wieder besonders weh. Mein Traum heute Nacht war noch reeller als sonst eh schon. Das passiert immer, wenn ich mich an dem verstrichenen Tag intensiver mit diesem Geschehen auseinander gesetzt habe. Ich kann vor Schmerzen kaum stehen, obwohl ich doch weiß, dass das alles nur in meinem Kopf ist, ich schaffe es nicht, ihn auszuschalten. Mir geht es wirklich nicht gut und ich werde wieder einige Zeit brauchen, um mich zu aklimatisieren, die Schmerzen erfolgreich zu integrieren. 

Was steht heute denn überhaupt an? Ich werde mich gleich auf den Weg zur Therapie machen, fast hätte ich mich im Datum geirrt und wäre erst morgen hingefahren. Das passiert mir zur Zeit häufiger, ich schätze, ich bin ziemlich verwirrt und stehe doch krasser neben mir, als ich dachte.
Ich blicke der heutigen Stunde nicht gerade positiv entgegen, denn mir ging es die letzten Tage echt mies und ich weiß nicht so Recht, ob mich die Sitzung heute auf - oder eben abbauen wird.

Ich musste einen Vertrag gegen mein SVV schreiben - es soll, so mein Therapeut, eine Willensbekundung sein. Aber mir kommt es vielmehr so vor, als dass ich durch diese Abkommen etwas verliere. Mir scheint, dass ich dadurch etwas für mich unfassbar Wichtiges verliere, gleichwohl ich doch weiß, dass das vollkommener Käse ist. Also wovor habe ich eigentlich genau Angst? Angst, meine Hintertür könnte sich deshalb für immer verschließen? Meine Sicherheit, in letzter Konseqeunz den Tod zu wählen, könne sich einfach in Luft auflösen und mir den Boden unter den Füßen wegziehen?

Das ist doch dämlich. Meine Sicherheit für das Leben ist der Tod?!? Selbst für meine Verhältnisse ist das verrückt und doch ist es die Wahrheit. Kein Wunder, dass ich eine Wolkentänzerin bin, die simpel zu feige ist, eine klare und vorallem standhafte Entscheidung zu fällen. Somit werde ich wohl noch eine ziemlich lange Zeit zwischen den Welten, auf meinen Wolken verbringen. Ein Trance ähnlicher Zustand, der mich taub macht und mich viel Kraft kostet.

Ich bin angespannt und fange an zu zittern, weil die Therapie immer näher rückt und mir wird flau im Bauch. Am liebsten würde ich mich verkriechen, mich verstecken und erst wieder hervorkommen, wenn alles vorbei ist, wenn ich gesund und stabil bin.

Warum geht das bloß nicht?

Aber ich wünsche Dir, egal, was dir heute bevorsteht, einen wundervollen, kraftgebenden und vorallem richtig freudigen Tag!


Wolkentänzerin

Mittwoch, 20. November 2013

Hallo Welt,

 heute scheint die Sonne und ich hatte eben ein wirklich gutes Gespräch. Ein Gespräch, das mir Kraft gegeben hat und das Wasser für meine kleine angekratzte Hoffnungspflanze ist. Zwar bin ich noch immer tief gefangen in meiner Suizidgedanken und es wäre definitiv vermessen zu sagen, ich komme jetzt zurecht. Aber es tat mir gut. Es zeigt mir, wie subjektiv und auch oftmals irreal meine Gedanken sein können.
Das klingt so positiv und gut, die Sache ist nur, dass ich diese Gedanken deshalb noch lange nicht abgelegt habe. Meine beiden Stimme duellieren sich weiterhin um die Gunst meiner Taten und ich werde mich daovr hüten, eine Wette über den Ausgang dieses Kampfes einzugehen.

Ich traue mir nicht und weiß absolut nicht, wer oder was ich bin, was ich wirklich will. Will ich leben? Mit all den Konsequenzen? Vielleicht. Vielleicht auch nicht.

Heute ist einer solchen Tage, an denen ich auf den Wolken tanze, weil ich den Boden nicht mehr finde. Es geht mir nicht gut und ich fühle mich fremd. Ich fühle mich fremd an und schwach.
Das Feuer der Vergangenheit brennt heute so unfassbar stark in mir und brennt mir unzählige Löcher in mein Herz, die es wieder zu stopfen gelten wird. In mir keimt eine tiefe Traurigkeit auf und ich fühle, wie sich in mir die Tränen sammeln, den Weg zu meinen Augen aber nicht finden.

Obwohl mir gesagt wurde, ich solle mich nicht bestrafen, ich bräuchte kein schlechtes Gewissen haben und ich solle mich lieb haben, hasse ich mich. Mein Selbsthass ist gerade so verdammt riesig und ich kann den Grund dafür einfach nicht finden. Ich bestrafe mich dafür, dass mir etwas gut getan hat und ich kann das nicht ändern. Das ärgert mich und die Ironie daran ist, dass es meinen Hass auf mich noch zu steigern vermag. Warum?

Ich lache gerade über mich und meine Naivität. Es ist lächerlich, wie ich mich aufführe. Es ist zu witzig, wie ich versuche, mich den Schlingen des Todes zu entziehen und kläglich scheitere. Wie sollte es auch anders sein? Ich verabscheue mich gerade und bin so wütend auf mich und meine Ansichten. Wie komme ich darauf, dass ich wichtig sein könnte?

Es ist ein schreckliches Gefühl. Es soll aufhören...

Wolkentänzerin






Dienstag, 19. November 2013

Verloren gegangen

Guten morgen liebe Sorgen, seid ihr auch schon alle wach? Habt ihr auch so gut geschlafen? Na, dann ist ja alles klar.

Mein Blick wandert, wie jeden Morgen, hinaus aus meinem Küchenfenster in die triste Welt, die sich mir darbietet. Es ist wie der morgendliche Blick in den Spiegel. Ich entdecke hier eine Strähne, die nicht richtig sitzen möchte und dort einen kleinen Mitesser. Genauso ist es da draußen vor meiner Tür auch. Nichts bleibt gleich, alles verändert sich. Jeden Tag gibt es etwas Neues zu entdecken.

Großartig, nicht? Naja, nicht wirklich, denn seien wir mal ehrlich - oder eher bin ich mal ehrlich zu mir - es interessiert mich nicht mehr. Ob da und dort ein Ast abknickt, dieser oder jener Baum mittlerweile all seine Blätter verloren hat, was macht das schon aus? Vielleicht eine sehr abgeklärte Haltung meinem Umfeld gegenüber, aber vielleicht gibt es eine klitzekleine Chance, dass sich diese Ignoranz oder sagen wir, Gleichgültigkeit sich auf mich und meine Gedanken auswirkt. Es wäre doch ganz wunderbar, wäre ich im Stande, meine Gedanken einfach abzuhaken, sie als nichtig abzutun.

Ein Lächeln huscht mir über mein Gesicht, denn ich erkenne die Ironie in der Situation. Es wäre naiv von mir zu denken, es gäbe eine echte Alternative zu meiner jetzigen Lage. Ach, wie sehr wünsche ich mir, es gäbe endlich einen kleinen Hauch Glück für mich. Ein Geschehen, dass mich endlich wach zu rütteln vermag. Etwas, was die Fähigkeit besitzt, mich aus meiner Trance zu befreien. Ich tanze auf meinen Wolken - zwischen den Welten. Das ist doch kein Zustand. Ich sollte mich entscheiden - entweder oder! Dieses Rumgeeiere ist doch ätzend.

Warum fällt es mir nur so schwer mich endlich zu entscheiden? Ich möchte nicht länger zwischen den Welten verkehren. Ich möchte richtig leben oder es eben simpel sein lassen. Aber was würde mir das bringen? Freiheit? Wäre das nicht vermessen zu sagen? Wie kann ich mir sicher sein, dass es da oben oder eben da unten oder wo auch immer ich hinkomme besser sein wird? Wer gibt mir dafür eine Garantie? Vielleicht habe ich die wahre Hölle noch gar nicht kennengelernt und es wäre besser für mich, die irdische zu ertragen. Außerdem kann ich hier Hilfe erlangen, ich kann eine Hilfe sein. Sollte ich nicht die Möglichkeit ergreifen, anderen eine Hilfe sein zu können? Ihnen beim Finden ihres persönlichen Glücks behilflich sein?

Ja, das klingt alles so unfassbar einfach. Aber die Realität sieht nun mal anders aus - leider. Meine Kraft zunehmend nach und ich muss mich häufig einfach mal hinsetzen, weil ich nicht mal mehr stehen kann. Dann starre ich ins Nichts, mein Kopf schaltet sich einfach aus und vegetiere bloß vor mich hin. Ich verabscheue diesen Zustand, denn ich bin dann erneut zwischen den Welten angekommen.

Ich fühle mich gefangen und habe Angst, dass ich da nicht mehr raus komme, dass es für mich keine Hilfe mehr gibt. Es tut weh und lässt mich verkrampfen. Es ist ein schreckliches Gefühl, sich verloren zu glauben. Und ja, es gibt einen kleinen Funken Hoffnung in mir, den muss ich haben, denn was wäre die Alternative dazu? Glaubt ein Mensch, verloren zu sein, was bleibt ihm dann? Eben.

Früher, als ich noch ein Kind war, bin ich ab und an mal verloren gegangen. Ich bin beim Einkaufen einfach in eine andere Richtung gelaufen und habe mich immer weiter von meiner Mutter entfernt, bis ich sie nicht mehr sehen konnte. Ich bekam Angst, weil ich sie nicht mehr finden konnte. Ein schreckliches Gefühl. Und so ungefähr fühlt es sich zur Zeit für mich an, als wäre ich zu weit vom Leben weggegangen und kann es jetzt nicht mehr wiedererlangen.


Mich bedrückt diese Situation wirklich sehr und ich bin sehr unglücklich, denn ich kann mir selbst nicht mehr trauen.

Wolkentänzerin

Montag, 18. November 2013

Selbsthass

Es schmerzt, es tut weh. Es sind wahre Höllenqualen und ich kann es nicht aufhalten. Ich sitze nur da und starre vor mich her. Ich möchte schreien, möchte weinen, möchte all die Emotionen frei lassen, die so tief in mir stecken. Doch eine Macht in mir verhindert das. Ich kann nicht klar definieren, woher sie kommt und was genau sie damit erreichen will, aber ich ahne, dass es nicht gut ausgehen wird.

Einen jeden verdammten Tag kämpfe ich - ich kämpfe mit mir selbst. Denn ich hasse mich und was ist schlimmer als Selbstzweifel, -hass und -zerstörung? Wer könnte mich verdammen, wenn nicht ich? Bevor mich jemand anderes tötet, tue ich es. Warum? Weil ich mich hasse. Ich erlaube mir kein Glück der Welt und ich gönne mir den Tod - mehr nicht.

Ich stelle mir Aufgaben, welche ich unmöglich erfüllen kann, nur um mir hinterher sagen zu können: "Ich habe es doch gewusst! Was kannst du schon? Nichts!"Und ich glaube mir. Warum auch nicht? Ich meine, ich muss es doch wissen.

Ich kann mir nicht vorstellen, dass es ein Leben für mich gibt. Also so ein richtiges glückliches Leben eben. Das wird nie passieren.

Deshalb habe ich einen Entschluss gefasst - ich werde gehen - für immer.

Wolkentänzerin

Flieh!

Es geht mir schlecht - sehr schlecht sogar und ich weiß einfach nicht mehr weiter. Ich bin dem Suizid so nah, wie noch nie zuvor in meinem Leben. Das macht mir Angst und lässt mich erstarren.
Ich möchte fliehen - fliehen vor mir selbst!

Wolkentänzerin

Samstag, 16. November 2013

Donnerstag, 14. November 2013

Trance

Ich bin müde, erschöpft, ausgelaugt. Mein Körper merkt, dass meine Psyche sich in ihm verkrochen hat und schaltet sich immer weiter aus. Mir fehlt die Kraft aufzustehen, mein Leben zu leben. Es ist ein Gefühl, als würde mir mein Lebensatem entzogen werden.

Meine Füße tragen mich durch die tristen Straßen der Stadt, die tiefste Dunkelheit verschlingt mich. In diesen Tagen fühlt es sich so an, als wäre mein Innerstes nach Außen gekehrt und auf das Klima reflektiert worden. Im Grunde fühle ich mich zur Zeit draußen besser aufgehoben, die Temperaturen, das fehlende Licht, all das passt einfach besser zu mir.

Trete ich vor die Tür, überkommt mich eine süße Versuchung: Auf meinem Weg die Bahn zu verlassen und solange zu laufen bis meine Füße mich nicht mehr tragen können, dort auf die Knie zu sinken und Stille zu finden.

Ich fühle mich so furchtbar einsam, obwohl ich das physisch gesehen nicht mal bin. Es ist die Distanz in mir, die mich abschneidet von dem realen Leben. Ein schwebender, dumpfer und emotionsloser Zustand breitet sich in mir aus und kappt mich von der Realität. All meine Versuche dem entgegen zu wirken, scheitern kläglich.

Wer bin ich schon? Ich bin niemand. Niemand, um den es sich zu kämpfen lohnt.


Wolkentänzerin

Sonntag, 10. November 2013

Entscheidung

"Er liebt mich" - "Er liebt mich nicht"...wer kennt dieses Spiel nicht? Als Kind habe ich oft die einzelnen Blüten eines Gänseblümchen herausgezupft, in der Hoffnung, eine Antwort auf diese Frage zu erhalten. Genauso naiv, wie simpel. Die Frage war geklärt - zugegeben, häufig habe ich die besagte Prozedur so lange durchgeführt, bis am Ende "Er liebt mich" herauskam. Wenn ich an diese Zeit zurückdenke, so schmerzt es tief in mir drin, denn wie gerne hätte ich wieder die Unbeschwertheit dieser Tage zurück.

Doch das soll jetzt gar nicht Thema sein. Vielmehr fasziniert mich die Idee des Gänseblümchens als allwissendes Orakel - als Entscheidungstreffer.
Würde bloß eine anderer Satz auf den Blüten stehen: "Ich werde morgen noch leben" - "Ich werde heute sterben".
Wären alle floralen Lose gezogen, hätte ich die Entscheidung. Klar, die Frage, die sich direkt daran anschließt, würde ich es nicht genauso machen, wie mit 8 Jahren? Würde ich das Spielchen nicht so lange wiederholen, bis ich das gewünschte Ergebnis erzielt hätte? Und wie sieht das im Einzelnen überhaupt aus?

Wäre es nicht eine astreine Ausrede, könnte ich in meinen Abschiedsbrief schreiben: "Es tut mir leid, aber das hat eben das Gänseblümchen so entschieden." Eine absurde Vorstellung und trotzdem reizvoll. Ich hätte die Verantwortung abgegeben und könnte beruhigt fliehen.
Fliehen vor mir, vor meinen Gedanken, vor meiner Umwelt, vor dem Leben. Ich wäre frei. Ist das so? Wer weiß...

Ich hadere mit mir - diese Entscheidung mache ich mir nicht leicht, gleichwohl ich den ausdrücklichen Wunsch in mir habe, zu sterben und ein jeder Morgen ist ein einziges Wunder. "Das Leben ist ein Wunder", wie mir heute ein sehr guter Freund sagte. Ja, es ist ein Wunder - ein Wunder, dass mich zur Verzweiflung bringt. Denn wer behauptet, ein Wunder könnte ausschließlich positiv sein?

 An einem jedem Morgen bin ich wütend auf mich selbst, noch nicht gestorben zu sein und bestrafe mich dafür - in unterschiedlichster Weise.

Ich provoziere mich solange, bis ich endlich den Schritt tue und mir das Leben nehme. Eine Frage der Zeit, denn ich habe mich aufgegeben und bin nicht der Meinung, dass es noch einen Weg zurück gibt...

Wolkentänzerin