Mittwoch, 30. Oktober 2013

Gedankenfetzen

Wo fange ich an? Ich bin mir nicht sicher. Was gibt es denn überhaupt zu sagen? Etwas wichtiges? Für die Welt da draußen höchst wahrscheinlich nicht, aber darum geht es ja auch nicht. Es gibt Dinge, die ich einfach mal loswerden möchte, sie aus meinem Kopf lassen, in der Hoffnung, dass sich dadurch mein Chaos lichtet.

Die bereits angefangene Woche war bereits sehr ereignesreich. Montag war ich auf der Arbeit und hatte im Grunde einen guten Tag. Ich fühlte mich recht hoffnungsvoll und freudig. Doch dann kam die Wendung - wie sollte es auch anders sein. Mir fiel ein Teller auf den Boden und er zersplitterte in dutzende Scherben. Ich blickte auf sie herab und ein mir wohlbekanntes Kitzeln regte sich in mir. Die Versuchung, eine dieser Scherben aufzuheben und mich damit zu verletzten, war riesig. Mit all meiner mir zur Verfügung stehenden Willenskraft versuchte ich diesen Reiz zu unterbinden. Doch ich verlor die Kontrolle und schnitt mir tief in die Hand. Eine Genugtuung durchzog mich und es war, als konnte ich das erste Mal nach langer Zeit wieder richtig atmen.

Nur ein paar Augenblicke später war ich schockiert über meine eigene Handlungsweise. Ich hatte die Kontrolle über mich verloren und das jagte mir eine unglaubliche Angst ein. Wenn es so einem Fall schon mein Wille aussetzte, was könnte dann noch alles passieren? Ich kann mir nicht mehr trauen, bin eine Gefahr für mich selbst - bin nie sicher vor mir.
Für mich war es ein großer Schritt in die falsche Richtung und warf mich in meinen Gefühlen weit zurück. Das Geschehene erinnerte mich sofort an die vergangene Zeit und ich begab mich in eine Art Trance, war nur noch äußerlich anwesend.

Dazu kommt noch, dass die finstere Jahreszeit beginnt. Mein all abendlicher Heimweg liegt nun im Dunkeln, was mir meinen Hals zuschnürrt, da mich an jedem Abend die Angst packt, wenn ich aus dem Fenster sehe und weiß, da musst du gleich durch. In der Nacht, wenn alles im Schatten liegt, habe ich Panik vor allem. Vor Bäumen, Autos, Tieren, Häusern und ganz besonders vor Menschen. Mein Umfeld wirkt bedrohlich auf mich und ich ringe jeden Abend mit mir; komme ich schließlich zu Hause an, bin ich Schweiß durchnässt, eine einzige Tortur.

Gestern war ich bei der Therapie. Ich werde wohl in eine Spezialklinik für Traumatisierte gehen. Ob es was bringt? Gute Frage.
Mein Therapeut sagte mir, ich habe noch einen Weg mit jahrelanger Krankheit vor mir. Eine Prognose, die mir meine letzte Energie raubt. Ich kämpfe schon so sehr. Jeden Tag kämpfe ich, um die Anforderungen an mich erfüllen zu können - keine leichte Aufgabe. Ich laufe auf dem Zahnfleisch, ich habe kaum noch Kraft und Energie. Man kann sagen, dass es ein Wunder ist, dass an einem jeden Abend noch lebe.

Jedoch: Ich werde kämpfen, so lange, bis ich zusammenbreche!


Wolkentänzerin

Samstag, 19. Oktober 2013

Kampfansage!

Ich werde kämpfen, mit all meiner Kraft, mit allem was ich habe. Denn ich möchte sehen, was dieses Leben noch bringen wird.
Ich werde kämpfen! Aufgeben ist nicht drin!
Ich werde es all denen beweisen, die nie an mich geglaubt habe und es noch immer nicht tun. Und ich werde es mir zeigen. Mein größter Feind, ich selbst, soll sehen, dass ich es schaffen kann. Dass ich in der Lage bin, die grausamen und zerstörerischen Gedanken in mir selbst zu besiegen.

Bisher habe ich es auch geschafft und es ist an der Zeit, dass ich wieder anfange aufzustehen und mich dem Leben zu stellen. Mein größter Wunsch ist, dass diese Hoffnung und Kampfbereitschaft bliebt und nicht nur eine Laune ist.

Danke an alle, die mir dabei helfen!

Selbst hinter den dicksten Wolken wacht die Sonne über uns.

Wolkentänzerin

Mittwoch, 9. Oktober 2013

Zettelchen

Lieber ******,

ich habe heute sehr viel an dich gedacht und irgendwie warst du mir heute sehr nah, wobei du das im Grunde immer bist. Besonders, wenn ich diese schwarzen dunklen Gedanken habe.
Ich frage mich, wie es dir wohl gehen möge, bist du die Krankheit wohl losgeworden? War es die richtige Entscheidung? Oder hast du dich im letzten Moment umentschieden, hast aber zu spät erkannt, dass es kein Zurück mehr gab?

Was würdest du zu mir sagen, wenn du einen Einblick in das bekommen könntest, in das sonst niemand sehen darf. Wenn du sehen würdest, wie nah ich dir in einer jeden Nacht komme, wie oft ich schon die Treppe zu dir hinaufgeklettert bin und bei der letzten Stufe am Ende doch kehrt machte. Was würdest du also sagen? Wäre es eine Empfehlung es zu tun? Weil es das Beste war, was du je hättest tun können? Bist du befreit?
Oder bist du noch immer gefesselt, bedrängt von all den grausamen Gedanken, vom dem nicht aufhörendem Schmerz?

Mich durchzieht ein Gänsehaut provozierendes Gefühl, wenn ich den Entschluss fasse, dich auf dem Friedhof zu besuchen. Zugegeben, ich war schon etwas länger nicht dort. Aber ehrlich gesagt, dass rührt daher, dass ich glaube, mir damit den letzten Impuls geben zu können und dann gibt es für mich wirklich kein Zurück mehr. Und offen gestanden, mir juckt es in meinen Fingern, dich zu besuchen, mir den Ruck zu geben und zu erfahren, welche Antworten du mir auf meine Fragen geben würdest, welche ich mir geben würde.

Aber es gibt auch die Seite, bei der ich denke, wie wäre es, wärest du noch hier. Wir könnten über solche Emotionen und Hirnströme sprechen und ich könnte mir so sicher sein, dass du mich verstehst. Du würdest nicht sagen, ich sei bescheuert und krank. Nein, du könntest es nachvollziehen.

Ich konnte dich doch auch verstehen. Warum hast du das nicht verstanden? Ich wollte dir doch helfen, so wie ich jetzt deine Hilfe gebrauchen könnte. Könntest du mir überhaupt helfen? Wird aus zwei Minus ein Plus? Ich war auch vor ein paar Jahren ein Minus - viel mehr, als ich mir das je eingestanden hätte.

Vielleicht waren wir nicht gut für einander. Ich kann mich an unsere Gespräche erinnern, in denen es hauptsächlich um Suizid und Hoffnungslosigkeit ging. ******, ich habe dich genau verstanden, konnte ein jedes Wort nachvollziehen. Aber mir fehlte die Fähigkeit, dir das klarmachen zu können. Wir waren beide so verdammt verzweifelt, nur bin ich es jetzt immer noch. Und du? Tja, diese Frage werde ich mir wohl nur selbst beantworten können.

******, seit deinem Tod habe ich das Gefühl, nicht leben zu dürfen. Sobald Hoffnung und Freude in mir aufkeimt, töte ich es sofort ab, weil ich denke, dass ich das nicht empfinden darf. Ich habe dich sterben lassen, du hast dich mir anvertraut und ich hasse mich dafür, dass ich Hilfe bekomme. Du müsstest an meiner Stelle sein.

Sei dir sicher, ich würde alles tun, um den Platz mit dir zu tauschen. Aber das wäre auch unfair, weil du dann wieder in der Hölle wärst oder konntest du ihr nie entkommen?

Ach, ******, ich vermisse dich sehr. Erst vor ein paar Tagen habe ich Werther's Originale geschenkt bekommen und ich kann sie einfach nicht essen. In meinem Kopf erscheint das Bild von dir in der Schule, wie du diese Bonbons in dich hineingeschlungen hast, wie ein Kettenraucher seine Zigaretten konsumiert.

Verdammt, eine jeder Gedanke an dich, bringt mich dem Suizid so gefährlich näher. Du hast es getan, es ist machbar, ich kann das auch.

Wolkentänzerin


Dienstag, 8. Oktober 2013

Drahtseilakt

Vergeblich versuche ich meine Blick ausschließlich auf die vor mir liegenden Meter zu richten. Leise flüstere ich mir zu, dass ich das schaffen kann. Dass die Distanz viel geringer ist, als sie vermeintlich erscheint.
Der Wind säuselt mir an mein Ohr und ich erschrecke innerlich. Damit habe ich nicht gerechnet. Diese äußerlichen Einwirkungen habe ich nicht eingeplant. Voller Konzentration habe ich auf das Drahtseil unter meinen Füßen geachtet, ohne einzuplanen, dass ich mich viele Meter über dem Boden befinde. Ich merke wie ich das Gleichgewicht verliere und drohe abzustürzen. Die Panik kriecht in mir hoch und entwickelt ein Eigenleben.
Meine Gedanken werden immer dunkler und der Pessimismus hat seinen Weg zu mir zurückgefunden. Mein Blick haftet noch immer an dem Abgrund, der mir mit jeder Sekunde bekannter vorkommt.
Im Grunde habe ich immer gewusst, dass er da ist, dass ich ihn erreichen kann, ob ich will oder nicht. Weg war er nie.
Doch jetzt bekomme ich Angst, denn ich muss einsehen, dass er ein echter Ausgang dieses Szenarios sein kann. Das Drahtseil unter meinen Füßen schaukelt gefährlich heftig und ich muss einsehen, dass ich immer mehr die Kontrolle über meinen Weg verliere.
Meine Augen sehen das, was hinter mir liegt. Es erstaunt mich, aber ich bin erst ein paar Meter von der Seite entfernt, von der ich loslief. Wie konnte das sein? Es fühlte sich an, als wäre ich schon urlange unterwegs gewesen, kann mich nicht mehr daran erinnern, wie sich fester Boden unter den Füßen anfühlt.
Habe ich geschlafen? Es ist, als wäre es an mir vorbeigezogen. Wie die Landschaft während einer Zugfahrt. Habe ich mich entspannt zurückgelehnt und habe geschlummert, um an Kräfte zu gelangen?
Das kann nicht sein, denn ich bin erschöpft. Jegliche Energie ging in die Instandhaltung meiner Balance. Meine Gedanken rebellieren dagegen und sagen, ich solle doch einfach springen. Weg wäre die Schwere und die Belastung dieses Kunststückes.
Viele sagen, ich werde es schon schaffen, ich könne dieses Seil bezwingen, schließlich trainiere ich schon so lange auf ihm.
Aber jetzt ist es Ernst: Unter mir ist der harte Boden, der mich nicht abbremsen wird, sondern der meinen Kopf beim Aufschlagen zerschmettern wird und mich im Null-Komma-Nix ins Jenseits befördern kann.
Jeder weitere Schritt kann tödlich enden und doch ist es die einzige Möglichkeit, um auf die andere Seite zu kommen.
Aber ich bin erschöpft, meine Konzentration fällt weg und umso gefährlicher wird mein Unternehmen.
Es ist sehr wirr und ich selbst blicke auch nicht mehr dadurch. Ich weiß nur, dass ich dutzende Meter über der Erde auf einem viel zu dünnen Drahtseil laufe und jeder Schritt ein Risiko ist.

Wolkentänzerin

Sonntag, 6. Oktober 2013

Erschöpft

Ich bin erschöpft und müde. Vollkommen kraftlos laufe ich durch die Zeit. Ich lebe nicht mehr, ich vegetiere nur noch, aber immerhin - ich atme. Ist das nicht schon etwas? Naja, im Grunde nicht, denn dafür bin ich wohl nicht geboren worde. Aber wofür dann? Für den Sinn des Lebens? Ich habe gedacht, ich hätte ihn schon vor langer Zeit gefunden und ich glaube noch immer daran, doch ist es nicht mehr so, dass dieser Sinn mich halten kann. Ich habe das Gefühl zu verschwinden, mich zu verlieren. Seit einiger Zeit kann ich mich nicht mehr fühlen, bin innerlich taub. Ich kann nicht mehr weinen, wütend sein oder mich freuen. Rede ich über mich und das, was mich beschäftigt, so grinse ich die ganze Zeit, ob gleich ich viel lieber weinen würde.
Ich habe das bedrückende Gefühl, dass meine Krankheit, dass meine Gedanken mir jeglichen Lebenswillen entziehen und ich mich immer weiter aufgebe. Obwohl ich doch kämpfen möchte, nur scheint meine Kraft zu schwinden, wie in ein schwarzes Loch gesogen zu werden und ich kann beim besten Willen dieses Loch nicht ausfindig machen.
Meine Gedanken kreisen darum, in eine Klinik zu gehen. Wieder. Bald ist es schon ein Jahr her, dass ich in einer war. Es hat mir letztes Jahr geholfen, hat mir mein Leben gerettet. Doch ehrlich: ich habe verdammt große Angst und meine Hoffnung ist minimal. Ich habe nicht mehr den Glauben daran, dass es eine Langzeitwirkung haben wird, sondern, dass es eine Akutmilderung ist. Besser als nichts, ja, aber ich bin es leid. Ich bin diese Krankheit leid und ich kann nicht mehr.

Ich kann einfach nicht mehr - ich möchte mich einfach nur ausruhen. Mein Leben wächst mir über den Kopf und ich bin überfordert. Selbst die alltäglichsten Dinge ragen über mich hinweg und ich möchte fliehen. Ich brauche Hilfe - denn ich gebe mich auf...



Wolkentänzerin

Dienstag, 1. Oktober 2013

Aufhören!

Ich fühle mich gerade sehr schlecht, mein innerlicher Druck ist so hoch und ich bin extrem aufgewühlt. Nichts was ich tue, kann dieses Gefühl von mir nehmen und ich weiß absolut nicht weiter. Mein Körper tut mir weh und ich bin so erschöpft, doch schlafen kann ich auch nicht, weil ich Angst habe, meine Augen zu schließen.
Gerade hasse ich mich selbst, mehr als alles andere auf dieser Welt. Am liebsten würde ich mir das Unaussprechlichste antun, um mich zu bestrafen.
Ich bin der Meinung, nicht leben zu dürfen und jeden Tag, den ich das aber weiterhin tue, ist eine Straftat, für die ich Sanktionen erhalten sollte. Meistens endet das in Selbstverletzung oder Suizidversuchen.
Trotz der Tatsache, dass ich zur Zeit sehr viel Arbeit, schaffe ich es nicht mich abzulenken. Selbst auf der Arbeit und unter größtem Stress kann ich nur an die dunkelsten Gedanken in meinem Kopf denken und jede Bewegung fällt mir zunehmend schwerer. Oft habe ich das Gefühl, jeden Moment zuzammen zu brechen.
Meine Belastungsgrenze ist mehr als überschritten und ich kämpfe, um nicht umzufallen. Ich halse mir immer mehr Arbeit auf, in der Hoffnung, dass es irgendwann zu viel wird und es sich von allein beendet.
So oder so, ich bin erschöpft, kraftlos und will nicht mehr. Ich möchte, dass all das aufhört. Dass der nächtliche Horror aufhört, dass die Bilder aufhören und dass diese Gedanken aufhören.

Ich schaffe das keinen Tag länger...

Wolkentänzerin