Dienstag, 24. September 2013

Bild

Du hast dich neben mich gesetzt, hast mein Bein gestreichelt. Ich war aufgeregt. Wollte ich das? Jetzt? Nach so kurzer Zeit? Wollte ich einen Schritt weiter gehen?
Ausweichend tat ich so, als sähe ich auf den Bildschirm, der eine Romantikkomödie zeigte. Beim besten Willen kann ich nicht mehr sagen, was für eine es war. Welche Ironie des Schicksals.

Du gingst aus dem Raum, wolltest dir etwas zu trinken holen. Kurz darauf kamst du wieder herein. Irgendetwas in deinem Gesicht war anders, das weiß ich noch. Ich kann diese Fratze so verdammt genau vor mir sehen. Du legtest ein Kondom ab und hast dich ohne ein Wort zu sagen über mich gebeugt.

Ich habe dich weggestoßen, das ging mir zu weit. Du küsstest mich, ich versuchte mich zu befreien, doch du wurdest böse. Du hast meine Handgelenke umfasst und gesagt: "Los, du willst es doch auch." Du fingst an, mich auszuziehen. Es gelang mir aufzustehen, ich fing an loszulaufen, doch du warst schon da. Du warfst mich zurück auf das Bett und schlugst mir in mein Gesicht. Ich weiß, dass das der Moment war, an dem ich anfing zu weinen, zu wimmern, mich meinem Schicksal zu ergeben.

Du standst da und hast mich einige Minuten, für mich waren es Jahre, einfach nur angesehen, mit diesem ekelhaften höhnischen Grinsen auf deinem Mund, deine Augen glitzerten vor Freude. Du kamst mir immer näher, wolltest mich küssen, aber ich wollte nicht, ich drehte mich weg. Du fingst an mich zu würgen, ich dachte, ich müsste sterben. Warum hast du mich nicht getötet? Warum hast du es nicht geschafft? Warum denke ich sowas?

Du sagtest, dass ich dir das zu geben habe, was du verdienst und ich glaubte dir. Ich dachte, was wäre, wenn es so sein müsste. Was, wenn man mich nicht anders behandeln kann. Meine Eltern gaben mir keine Liebe, überall war ich mit Ablehnung konfrontiert. Ich hatte nichts anderes als diesen Kerl. Sollte ich nicht froh sein, dass ich ihn überhaupt habe? Auch wenn das bedeuten sollte, diese Minuten zu überstehen.

Du hast mich angefasst, doch nicht zärtlich, so wie ich mir mein erstes Mal immer vorgestellt hatte, nein du warst brutal. Es tat weh. Du nahmst meine linke Hand, du wusstest, dass ich Linkshänderin bin, und führtest sie hinab zu deinem Schritt.

So lange habe ich versucht diese Dinge zu verdrängen, so sehr habe ich es versucht. Und dann waren sie auf einmal wieder da, all die grausamen Details, die Gefühle, die Emotionen, so real, als wäre es vor nicht mal einer Minute geschehen.

Ich sollte ihn umfassen, dich erregen. Mir war schlecht, ich hatte nur einen Wunsch, dass es so schnell wie möglich vorbei gehe. Jede Sekunde verging für mich wie eine Ewigkeit.

Deine Hand griff in meinen Nacken und riss meinen Kopf hinunter zu meiner linken Hand. Ich weigerte mich und du schlugst zu. Ich tat es.

Irgendwann hast du mich an den Haaren hochgezogen und auf das Bett geworfen. Du saßst auf mir und hast mich gefragt, ob es mir gefalle. Ich antwortete nicht und du schlugst zu.

Deine Finger gleiteten über meinen Körper, sie drangen in mich ein. Du warst gewalttätig und gefühllos. Mit jedem Augenblick wurde es schlimmer. Es brannte und ließ mich verkrampfen.
Du fingst an deine Hose auszuziehen, ich wollte mich bewegen, aber mir tat alles so weh, ich konnte mich nicht mehr spüren, trotz des Schmerzen, den ich bis heute fühlen kann.

Du drangst in mich ein und warst gnadenlos. Mit deinen Händen hast du meinen Körper gedrückt, so sehr, dass ich starke Blutergüsse davon bekam. Dann legtest du sie um meinen Hals, um jede Sekunde zudrücken zu können.

Warum hast du es verdammt nochmal nicht getan? Warum? 

Du gerietst in Rage und verletztest mich immer heftiger, ich fing an zu schreien.

Dein Mitbewohner platzte herein und zog dich weg von mir.

Ich weiß nicht, wie lange ich noch da lag. Als ich es schaffte aus diesem Haus zu kommen, lief ich los. Ich rannte, der Regen brannte auf meiner Haut.

Spät kam ich Zuhause an, ging ins Wohnzimmer und guckte meine Eltern an, ich wollte Geborgenheit. Doch sie sagten nur: "Hallo und gute Nacht." Meine Stimme hingegen versagte.

Du riefst in den darauffolgenden Tagen oft an und drohtest mir, du würdest mich finden, wenn ich etwas sagen würde. Ich glaubte dir. Du hattest es geschafft, Macht über mich zu erlangen. Bis heute.

Jede Nacht, jedesmal, wenn ich die Augen schließe, ich sehe dich. Ich sehe, fühle, erlebe, das, was du getan hast. Und ich habe Angst vor noch weiteren Details, an die ich mich bisher nicht erinnere, die aber mit Gewissheit zurückkehren werden.

Und das Schlimmste, es lässt mich meinen Tod jede Sekunde etwas mehr herbeisehnen. Deinetwegen verletze ich mich in einer jeden Nacht, mit der Hoffnung, dass es meine letzte würde.

Wolkentänzerin

Mittwoch, 18. September 2013

Wege

Ich sehe auf meine Füße und bemerke, dass sie ihre Schritte fortgesetzt hatten, ohne dass ich davon Notiz genommen hatte. Nun befinde ich mich vor einer Weggabelung und meine Füße, die bisher auch ohne meine Anteilnahme, gewusst hatten, was zu tun war, sehen mich an, als würden sie fragen: "Und jetzt? Wohin?" Weshalb wurde mir genau diese Frage gestellt? Hätten meine Füße nicht einfach automatisch handeln können? Und wo war ich überhaupt die ganze Zeit mit meinen Gedanken gewesen? Es war, als wäre ich plötzlich aus einem viel zu langem Traum aufgeschreckt, in die Realtität eingetaucht und versuche gerade verzweifelt den Weg zurück zu finden.

Aber ich stehe nun vor dieser Zweiteilung des Weges und bin hoffnungslos verloren. Bleibe ich hier, setze mich auf den Boden und warte, bis mich jemand holen kommt. Oder gehe ich den Weg, der mit Dornen verhangen ist und den Anschein macht, bei jedem Meter dunkler zu werden. Und dann wäre da noch die andere Strecke, die verwunderlicher Weise eine Tür am Ende bereit hält. Trotz der Entfernung kann ich den darauf befindlichen Schriftzug entziffern: Ausgang.
Wäre das nicht perfekt? Ein Ausgang - nächste Station Ungewissheit.

Mein Blick schweift auf den dunklen dornigen Weg ab und mir wird klar, dass auch dieser Gang die Ungewissheit im Gepäck hat. Mir wird eben so deutlich, dass es genau diese Geheimnis ist, das das Leben für viele so schön und wundervoll macht. Die Spannung ebbt nie ab, denn jeder Tag hat die Macht alles zu verändern.

Doch vielleicht ist es eben das, was es für mich so schwer macht. Hätte ich die gesamte Offenheit über mein Leben, wüsste exakt was noch passieren wird und wie schlimm es noch werden wird, dann könnte ich sagen, ja, ich will leben. Ja, ich denke, dafür lohnt sich der Kampf. Ja, dafür ist es wert zur Therapie zu gehen.
Genauso könnte es jedoch auch sein, dass ich trotzdem sage, nein, ich werde es beenden. Ich werde mir die Luft zum Atmen nehmen. Ich gehe. Dafür lohnt es sich nicht. Das stehe ich nicht noch einmal durch.

Ich sehe hinauf in den Himmel, betrachtete die Wolkenformationen und frage mich, was mein Schöpfer zu all dem sagen würde. Ob er wohl gerade den Kopf über mich schüttelt und weint oder über meine Naivität lacht. Keine Ahung welche Reaktion ich mir erhoffen würde.

Tränen laufen mir über das Gesicht, mir ist innerlich so eisig und ich bin erschöpft. Für einen kurzen Moment schließe ich meine Lider und träume von der Freiheit, von dem Frieden und der Ruhe. In meinen Ohren ertönt die Melodie der Schwerelosigkeit, des Glücks. Ein Luftzug säuselt durch mein langes Haar und gibt mir das Gefühl fliegen zu können. Doch eben das ist es, was mich erschrecken, die Augen aufreißen und mir die Tränen in die Augen schießen lässt.

Ich stehe in der Ausgangstür, mein Fuß ist bereits über die Schwelle getreten und kurz davor den letzten Halt zu verlieren. So sehr es mich auch erschreckt, aber ich habe das getan. Ich war es, die zu der Tür ging und die Klinke hinunter drückte. Und doch verkrampft sich mein Herz bei diesem Gedanken. Ich will nicht glauben, dass das mein Wunsch ist, dass das der Weg ist, den ich wirklich gehen will.

Ich gerate in Panik und fange an zu schreien, weil ich möchte, dass mich jemand aufhält, dass man mich zurückzieht, mich beruhigt. Dass mich jemand an die Hand nimmt und mit mir den anderen Weg geht.

Damit dieser Wunsch nicht mehr meiner ist...



Wolkentänzerin

Montag, 16. September 2013

Masterplan

Ich habe einen Masterplan. Einen Masterplan fürs Sterben. Alles ist bereit, jedes einzelne Detail ist perfekt durchdacht, eine jede Sekunde kann meine letzte sein.

Und ich habe immer häufiger das Gefühl, dass das auch stimmt.

Wolkentänzerin