Freitag, 30. August 2013

Die Frage

Ich stehe vor der Frage, ob ich das Feuer am Brandherd lösche oder es einfach versuche einzuzäumen, sodass es mich nicht töten kann. Und das solange, bis ich genug Kraft habe es durch viele langwierige Schritte gänzlich zum Ersticken bringen zu können.

Die Entscheidung fällt mir alles andere als einfach und doch weiß ich im Grunde meines Herzens, was ich zu tun habe.

Wieder ein Geburtstag, den ich nicht glücklich und frei genießen kann, weil ich immer noch nicht im Leben angekommen bin. Ich hänge zwischen den Welten mit einer Tendenz zur Ewigkeit.

Es folgt erneut ein Lebensjahr voller Anstrengung, Kampf und Abstrichen.

Dabei bin ich so erschöpft, kraftlos und kurz davor alles abzubrechen.


Wolkentänzerin

Montag, 26. August 2013

Wunsch

Am Samstag habe ich Geburtstag und es ist üblich, sich etwas wünschen zu dürfen. Auch ich wurde gefragt, was ich mir zu diesem Anlass wünschen würde.
Darüber habe ich viel nachgedacht und ich habe nur einen einzigen Wunsch:

Ich möchte glücklich, dem Leben zugewendet sein. Ich wünsche mir von Herzen nicht länger über Suizid nachdenken zu müssen.



Wolkentänzerin

Mittwoch, 7. August 2013

Posttraumatische Belastungsstörung

So nennt sich das, was ich habe. Eine posttraumatische Belastungsstörung ist das Ergebnis eines oder mehrerer traumatischer Erlebnisse. Mein Gehirn hat die Erinnerungen daran falsch abgespeichert, sie führen sozusagen ein Eigenleben.

Es gibt einige Symptome, die dieses Krankheitsbild begleiten:

+ Wiederholte, zwanghafte Erinnerungen an das Ereignis oder an bestimmte Teile
+ häufiges und intensives Wiederdurchleben des Traumas, z.B. in Form von Alpträumen oder Tagträumen
+ Handeln und Fühlen, als ob das Ereignis wiedergekehrt wäre
+ Unvermögen, das Ereignis aus der Erinnerung zu verbannen
+ Vermeidung von Situationen, die eine Erinnerung an das Trauma mit sich bringen könnten.
+ Angst
+ Depression
+ Selbstmordgedanken
+ gefühlsmäßiges Abgestumpftsein
+ Empfinden von Entfremdung von anderen oder der Welt um sich herum
+ Konzentrations- und Gedächtnisschwierigkeiten
+ Unfähigkeit, sich zu entspannen
+ Schlafstörungen
+ Schreckhaftigkeit, Reizbarkeit, Wutausbrüche
+ Verlust von Interessen, die vorher bestanden
+ Schuldgefühle

Die Symptome einfach hier aufzulisten, kann das Ausmaß nicht wirklich zeigen. Für mich und mein Leben heißt das, extrem eingeschränkt zu sein. 

Ich sitze oft einfach da und starre ins Nichts, dann bin ich nicht mehr ansprechbar und nehme mein Umfeld in keinster Weise mehr wahr. Wo genau ich dann bin, kann ich kaum beschreiben, manchmal spielen sich die Erlebnisse meines Leben vor meinem inneren Auge ab, manchmal gehe ich irgendwo spazieren und manchmal bin ich einfach leer.
Als ich in der Klinik war, verstärkte sich dieses Verhalten, auch Dissoziation genannt, wodurch es zu peinlichen Situationen kam: So war ich einmal mit einem Mitpatienten einkaufen und blieb auf einmal mitten in einem Laden stehen, war nicht ansprechbar. Erst als man mich antippte, reagierte ich wieder. Ich schrak zusammen und wusste im ersten Moment nicht, wo ich war. Als ich realisierte, dass ich mal wieder abwesend war, war mir das so unangenehm. Es war Glück für mich, dass jemand da war, der wusste, damit umzugehen. 

Dann gibt es häufig ein Gefühl des Druckes in mir. Mein Herz fängt an zu rasen, ich kann kaum atmen und ich würde mir am liebsten die Haut abziehen. In solchen Phasen bin ich sehr aufgeregt, erinnere mich unfreiwillig an die schlimmsten Dinge in meinem Leben. Das Schlimme daran jedoch ist, dass ich mich nicht selbst beruhigen kann. Ich komme nicht von selbst raus aus diesen Gefühlen. Viele sagen dann zu mir, ich solle einfach ruhig bleiben, mich ablenken und an etwas positives denken. Die Sache ist nur die: Das geht nicht. Ich bin unfähig, meine Gedanken und Gefühle zu steuern, ich bin sprichtwörtlich gefangen in mir selbst. 
In diesen Momenten wachsen meine Suizidgedanken gefährlich stark an und ich habe oft Angst, ich könnte sie in die Tat umsetzen. Einerseits möchte ich Freiheit, Erlösung und Ruhe, andererseits hingegen weiß ich, dass ich das meinen Liebsten nicht antun darf.

Ich bin sehr ängstlich und kann es absolut nicht haben, wenn jemand hinter mir steht. Oder wenn jemand hinter mir herläuft, egal welchen Geschlechts diese Person ist. Bevor ich abends ins Bett gehe, steigt meine Angst ins Unermessliche, denn ich weiß, was mich erwarten wird. Jede Nacht träume ich ein und dasselbe. Dann wache ich nachts auf und habe das Gefühl, gestorben zu sein. Für einen kurzen Moment stellt sich eine friedvolle Erleichterung ein, bis ich merke, dass ich noch lebe. Im nächsten Augenblick kehrt die Schwere wieder und breitet sich wie ein riesiger Stein auf meiner Brust auf und ich japse erfolglos nach Luft. Wenn ich morgens aufstehe, fühle ich mich wie gerädert und bin hundemüde. Alles was ich tue, fällt mir zunehmend schwer und immer häufiger schweife ich in dissoziatives Verhalten ab. 

Im Grunde fühle ich mich die meiste Zeit leer und fremd. Als wäre ich kein Teil dieser Welt, ich kann nichts empfinden, keinen Schmerz, keine Freude, keine Wut. So sehr wünsche ich mir, ich könnte etwas fühlen. Ab und zu habe ich einen guten Tag, an dem ich ein Stück weit unbeschwerter sein kann, doch diese Tage sind rar und doch so wertvoll für mich. 

Dazu kommt noch, dass ich absolut unfähig bin, Nähe zulassen zu können. Eine Umarmung ist schon grenzwertig, mitunter jedoch auch ganz schön, doch alles weitere ist ein einziger Horror für mich. Sofort spielt sich automatisch der Film ab und die Berührungen unterstreichen den Effekt, es wird beängstigend real und ich brauche lange, um mich davon wieder zu erholen.

Außerdem gebe ich mir für all das Geschehene die Schuld, was mich zu Selbsthass und suizidalen Gedanken verleitet. Die Rasierklinge wird in letzter Zeit wieder einer meiner steten Begleiter, der Schmerz stoppt die Taubheit für einen kurzen Moment. 

Ich versuche, mich dagegen zu wehren, doch jede Anstrengung mich normal zu verhalten, scheitern. Zwar weiß ich auch, dass ich die Symptome nicht einfach ausblenden kann, aber ich bin am Ende all meiner Kraft.

Die Therapie wird noch Jahre dauern. Die Erinnerung soll in mein Leben eingebaut werden, wie ein ganz normales Erleben einer banalen Situation. Die damit verbunden körperlichen Reize sollen verblassen und irgendwann verschwinden. Die traumatischen Erlebnisse werden nicht weggehen, aber der Sinn der Therapie ist, dass ich lerne damit leben zu können.

Bis dahin ist es ein steiniger und steiler Weg, der mir meine gesamte Kraft raubt. Jeden einzelnen Tag bin ich so kurz davor aufzugeben. Mich der dunklen Macht hinzugeben und mir den Hauch des Lebens zu entziehen.

Und doch sind da Menschen, die mir sagen, ich solle durchhalten, die eine Schulter haben, an die ich mich mal anlehnen kann.Die Wahrheit jedoch ist, dass ich damit allein bin. Niemand kann diesen Kampf, den andere anfingen, für mich kämpfen.




Wolkentänzerin

Dienstag, 6. August 2013

Warum sollte sich das auf einmal ändern?

Zündet man eine Kerze in einem stockfinsteren Raum an, so erhellt sich schlagartig alles. Egal wie klein dieses Licht auch sein mag, es hat die Fähigkeit alles um sich herum zu erleuchten.

Und doch denke ich, dass es auch eine Dunkelheit gibt, die nicht mit einem kleinen Licht zu bezwingen ist, sondern deren Macht so riesig ist, dass sie die Helligkeit einfach verschluckt  - ein schwarzes Loch eben.

Ich befinde mich in dem Sog dieses schwarzen Loches. Meine Tage werden immer finsterer, auch wenn mein Leben sich prinzipiell zum Besseren gewendet hat. Die Welt meiner Gefühle und Empfindungen sind schwarz, hoffnungslos, todessehnsüchtig.

Schon lange bin ich auf der Suche nach einem Ausweg, nach einem Weg, um mich dieser Dunkelheit zu entziehen. Ich möchte auf die gute Seite des Lebens wechseln; möchte entdecken, was diese Erde noch zu bieten hat.

Jeder Impuls, der in die lebensfrohe Richtung zieht, wird im Keim erstickt und ich falle hinab in die Tiefen der Einsamkeit. Paradox, denn ich bin nicht allein. Es gibt wertvolle Menschen um mich herum, die mir sagen, dass ich ihnen wichtig sei, dass sie mich gern haben.

Doch all das kann ich nicht glauben, kann mir nicht erlauben, dass glauben zu dürfen. Mir wird gesagt, ich sei gut, habe es verdient zu leben und wäre wichtig. Diese Äußerungen sind Lügen für mich, die nur gesagt werden, damit sich der Gesagte unschuldig fühlen kann. Unschuldig daran, was mit mir passiert.

Ich kann nur die schlechten Kommentare zu mir glauben, fühle mich dann bestätigt in meinem Denken. Auch wenn es mich kaputt macht. Denn wer möchte nicht akzeptiert, gemocht oder gar geliebt werden?

Diese Dinge kann ich mir nicht erlauben, kann nicht fassen, dass ich es wert sein könnte. In mir stecken die Erfahrungen der Vergangenheit. Ich möchte ihnen entfliehen - ja, das will ich von ganzem Herzen. Und trotzdem gelingt es mir nicht.

Ich bin erschöpft, denn für mich scheint diese Welt ein Ort zu sein, in dem ich mich nicht geborgen fühlen kann; ich fühle mich so unendlich einsam. Eine Einsamkeit, die ganz tief aus meinem Inneren kommt, die mich frieren lässt und keine äußerliche Wärme kann mich wärmen.

Es gibt nur selten einen Moment, in dem ich mich geborgen fühle, in dem ich atmen kann, in dem ich vorallem ich sein kann. Heute gab es einen solchen Moment. Es gibt einen Menschen, dem ich offen und ehrlich sagen kann, was ich fühle und denke. Auch wenn ich Angst habe, dass auch dieser Mensch gehen könnte.

Ich habe immer das Gefühl, verlassen zu werden. Deshalb warte ich bei jeder Freundschaft, Bekanntschaft oder Beziehung auf den Augenblick an dem sich alles wendet. An dem die Gutmütigkeit in Ablehnung, Wut, Gewalt oder Hass umschlägt.

Im Grunde lebe ich in der ständigen Angst, dass ein jeder Mensch in meinem Leben erkennt, was für ein Monster ich eigentlich wirklich bin und daraus die Konsequenzen zieht, denn das wäre das, was bisher immer passierte.

Und warum sollte sich das auf einmal ändern?