Donnerstag, 4. Juli 2013

Immer wieder

Ich lief die verschlungenen Weg des Waldes entlang. Versuchte zu fliehen. Meine Laufgeschwindigkeit wurde merklich schneller. Ich drang immer weiter in die Tiefen des Waldes ein, in der Hoffnung irgendwo Ruhe zu finden. Mein Herz schlug mit jedem Schritt schneller, es hätte zerspringen müssen, so laut und vehement hat es gepocht.
Es tat weh, dort zu sein, wo du gestorben bist. Und doch war es ein Stück Heimat. Sooft hatte ich mir vorgestellt, wie es wäre, auch dort zu sein. In den Unendlichkeiten der Ewigkeit, die Stille, die Zufriedenheit, das Glück.
Ich ging weiter, rannte los, als würde ich um mein Leben laufen müssen - im Grunde war es auch so. Der Schmerz, die Trauer, die Demütigung, all die Gefühle der letzten Zeit krochen in meine Knochen, gaben mir das Gefühl zu ersticken. Ich sank nieder auf meine Knie und legte meine Hände über meine brennenden Augen. Mein Wunsch war es, all das herauslassen zu können, aber es blieb mir wie ein bitterer Kloß im Halse stecken. Ich verweilte eine gewisse Zeit in dieser Haltung und versuchte vergeblich mich an das Schöne, an das Lebenswerte, zu erinnern. Mein inneres Auge sah nur das Dunkle, den Schatten, den Tod.
Mir war bewusst, dass über den Wolken auch das Licht versteckt sein musste, nur gab mir dieses Wissen keine Zufriedenheit. Es war, als würde mich die Dunkelheit einsaugen. Wie ein schwarzes Loch, das alles mit sich in die Abgründe des Nichts zieht.
Ich wusste, ich musste anfangen zu kämpfen, um lebend aus diesem Tal herauszukommen. Immer wieder stellte ich mir die Frage, ob ich das auch wirklich wollte. Sollte ich nicht einfach an jenem Ort bleiben - für immer?
Sofort schossen mir die Gesichter meiner Familie und Freunde in den Kopf, wenn sie hören würden, ich wäre gestorben - durch meine eigenen Hand. Mein gesamter Körper verkrampfte sich unter dieser Vorstellung. Ich wollte unter keinen Umständen diejenige sein, die ihre Leben zerstören würde.

Auch wenn ich diesen Kampf gewonnen habe, ich bin mir sicher, dass es nicht der letzte war...



Wolkentänzerin

1 Kommentar:

  1. Ein gut ausgewähltes Foto, um das zu unterstreichen, was Du schreibst...
    Denn nicht nur Dunkelheit, sondern auch Licht und nicht nur Grau und Schwarz, sondern auch Farbe, die Farbe des Lebens, ist darauf zu sehen.

    Liebe Grüße, Tamaro

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