Donnerstag, 11. April 2013

Sicherheit?!?

Er saß vor mir und fragte mich: "Sind Sie mit dem Schema zufrieden? Hilft es Ihnen, zu mir zu kommen?". Welche gescheite Antwort hätte ich darauf erwidern sollen? Die Wahrheit - natürlich, nur so konnte ich herausfinden, wohin mich dieser Weg noch führen könnte. Ich sah meinen Therapeuten kurz an (es gelingt mir noch immer nicht, Menschen längere Zeit in die Augen zu blicken; zu groß ist die Angst davor, sie könnten sehen, was sich dahinter wirklich verbirgt) und sagte ihm, ich sei mir nicht sicher, ob es hilft, ich das Gefühl habe, nicht voranzukommen.
Daraufhin fragte er mich, was mir helfen könne, welche Vorstellungen ich hätte. Da fiel mir auf, dass es bei Weitem einfach war, etwas zu bemängeln, das schon existierte, als etwas Besseres er noch entdecken zu müssen.

Ich war mir jedoch absolut sicher, dass ich nicht anfangen wollte zu verdrängen. Das hatte ich schon viel zu lange getan und kannte die letzten Resultate aus dieser Verhaltensweise. Mir war mehr danach, die Akten abzuschließen, einen Deckel darauf machen zu können. Bei diesem Gedanken kam mir eine Fernsehsendung in den Sinn: sie hieß "Cold Case". In dieser Serie wurden die einzelnen Fälle in Form eines Kartons dargestellt, die in einem Lagerhaus verstaubten. Dann und wann wurde eine verstaubte Box herausgeholt, um den darin gelagerten Fall neu aufzurollen und den Täter zu überführen.
Nicht anders als in meinem Leben. Ich selbst suche noch immer nach dem Täter, den Ursachen und weiteren Faktoren, die zur "Straftat" führten.
Sollte ich sie irgendwann mal ausfindig hab machen können, so möchte ich diese Akte gerne schließen, der Box einen Namen geben und wissen, es ist geklärt. Dann kann der Kasten meinetweg auf ewig in einem Kellerraum verstauben, doch ich habe dann endlich Gewissheit.

Der Haken an der ganzen Sache ist das, was ich aufbringen muss, um mich an diese Fälle überhaupt ranzutrauen. Ich brauche Mut und Hoffnung, dass dieses Unterfangen auch Erfolg mit sich tragen kann. Mein Therapeut sagte an dieser Stelle, auch das Gefühl von Sicherheit sei von Nöten. Ich ließ mir das durch den Kopf gehen und kam zu dem Ergebnis, dass mir niemand diese Sicherheit geben könne. So etwas wie Sicherheit existiert nun mal nicht.

Wir laufen auf einer Eisdecke, hoffend nicht einzubrechen. Wir schlittern umher, machen hier und dort eine schöne Pirouette, tun so, als seien wir elfenhafte Eisprinzessinen oder hartgesottene Eishockeystars.
 Die Wahrheit ist aber eine andere. Denn bei jeder noch so kleinen Bewegung können wir einbrechen, versinken, unsere Welt kann sich von jetzt auf gleich für immer ändern. Davor ist niemand gefeit.

So etwas, wie Sicherheit gibt es auf dieser Welt nicht.


Wolkentänzerin


Kommentare:

  1. Wenigstens hilft er Dir dabei...

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  2. Und doch,- es gibt eine Spur von Sicherheit...
    Das bist Du selbst... Ich kann es nicht anders ausdrücken,- aber in aller Gebrochenheit Deiner Situation kommt eines zum Ausdruck: Deine Persönlichkeit. Und darin erlebe ich Dich als verletzt, zerstört, gedemütigt und stark zugleich. Schon bei Blog-Zug ging es mir so.
    Mir kommen so Worte in den Sinn: "Sei Dir stark..."
    Das gebe ich Dir für heute auf den Weg.

    Ganz liebe Grüße, Tamaro

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  3. Du hast recht, Wölkchen, 'absolute Sicherheit' ist eine totale Illusion. Wir werden in unserem Leben bestenfalls eine 'relative Sicherheit' haben. Solange eben das Eis trägt. Aber auch das Wissen, dass wir versinken können, was aber niemals ein Ende, sondern höchstens ein neuer Anfang ist, kann uns eine weitere 'relative Sicherheit' vermitteln. Was wir brauchen, ist Vertrauen. Und das ist immer ein Schritt ins Ungewisse, ins Nebelhafte. Deshalb erfordert es soviel Mut. Manchmal mehr, als wir haben. Aber auch da ist nichts Endgültiges; wir können jeden Tag aufs Neue beginnen - vielleicht wieder erfolglos, vielleicht aber auch erfolgreich - zu versuchen, das Vertrauen aufzubringen. Eine harte Arbeit. Aber ich erkenne in Dir den Willen, diese Anstrengung auf Dich zu nehmen. Und das ist das Potential, um es zu schaffen. Du bist stark, auch wenn Du Dich schwach fühlst. Du bist immer stärker als alles, was kommen mag. Und wenn Du mal "eine Schlacht" verlierst, kannst Du trotzdem immer noch "den Krieg" gewinnen. Lass Deine Schwäche Deine Stärke sein. Sei der kleine Pilz, der die Asphaltdecke durchbricht. Ich wünsche Dir viel Erfolg in allem.

    Sei lieb gegrüßt
    Drago

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  4. Ich wünsche dir ganz stark, dass du dich mit guter Balance halten kannst, was immer noch passiert!
    Herzliche Grüsse
    Ursula

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