Montag, 1. April 2013

Irre

Was genau habe ich mir eigentlich gedacht? Was genau denke ich überhaupt? Gibt es etwas auf der Welt, das ich zu wissen scheine?
Es existieren so unendlich viele Rätsel, die mich unter ihnen vergraben. Ich finde keine Lösung, keinen Ansatzpunkt, ich verschwinde unter den Massen meines Lebens.
Ich vegetiere vor mich hin, finde keine Aufgabe, doch weiß ich nicht, dass ich unbedingt etwas tun muss? Dass mir die Zeit wegläuft und ich endlich auf die Füße kommen muss, weil ich sonst ins Bodenlose falle?
Ja, ich rede mir meine Welt schön. Ich tue so, als ginge es mir gut, als hätte ich keine Angst und als wäre mir alles egal. Nur ist das nicht so. Mir durchfährt Mark und Bein, wenn ich daran denke, dass ich schon bald allein sein werde. Meine Familie fort.
Auch das ist eine Lüge. Denn sie hat mich schon lange verlassen, hat sich in Sicherheit gebracht, weil sie mit mir nicht mehr klar kamen. Ist ihnen das zu verdenken? Ich denke nicht! Es war abzusehen, dass sie sich in Sicherheit bringen würden, dem Abstand förmlich hinterherjagen würden. Die Schuld wird natürlich wieder bei mir abgeladen, ich habe mich schließlich nicht genügend gemeldet, bin nicht oft genug angekrochen gekommen.
Die Fäden meines Lebens laufen erneut zusammen, die Vergangenheit versteht sich darin, mich wieder heimzuholen.
Ich sollte froh sein, sollte mich glücklich schätzen. Diese Gefühle kommen aber nicht bei mir an. Auf meinem Schreibtisch liegt eine kleine Schachtel. Schon vor einiger Zeit hatte ich vor, sie einfach wegzuwerfen. Doch dann ging ich in die Klinik und kam vollends darüber hinweg.
In der "Klinikzeit" habe ich sie nicht benötigt. Je länger ich wieder hier bin, zurück bin, desto stärker kehrt der Druck zurück. Das Bedürfnis, mich fühlen zu wollen, mich bestrafen zu wollen.
Immer häufiger stelle ich mir die Frage, wie lange kann ein Mensch so tun, als wäre er gesund, obwohl er sich innerlich wie gefangen, wie verloren, wie absolut fremd fühlt.
Wie lange kann ein Mensch gut genug schauspielern, ohne sich dabei am Ende komplett zu verlieren.
Ich habe die Orientierung verloren, mir ist schleierhaft wohin ich mich bewege und aus welcher Motivation heraus ich Dinge tue.

Wer oder was bin ich?

Wolkentänzerin

Kommentare:

  1. Gefühle sind nichts, was man auf Wunsch herbeirufen kann. Es ist sinnlos, zu sagen, man müsste eigentlich so oder so fühlen. Nimm die Gefühle, die Du hast, und arbeite an ihnen. Alles andere ist vergebliche Mühe! Ich arbeite mit Wut, mit Trauer, mit Angst und Verlorenheit

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    1. Ich glaube keinesfalls daran, dass es _sinnlos_ sei, zu sagen, man müsste sich so oder so fühlen. Viel eher denke ich, können genau diese Gedankengänge helfen. Denn wo liegt die Ursache, dass man sich nicht 'so oder so' fühlt und wie kann ich daran arbeiten, dass ich zu einem Gefühl komme, dass [der/meiner Situation] angemessen ist? Es stimmt schon, dass Gefühle nicht auf Wunsch abrufbar sind und dennoch mache ich die Erfahrung, dass man auch sehr viel über innere und äußere Beeinflussung zu einem Gefühl kommen kann (auch wenn man das vielleicht gar nicht will).

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    2. Ich kann sagen, dass ich mich "anders" fühlen möchte, fröhlich, unbeschwert, glücklich, was auch immer. Aber wenn ich behaupte, dass ich mich 'eigentlich' so oder so fühlen 'müsste', dann ist das ein unzulässiger Imperativ an mich selbst. Das Erkennen, dass man ein ganz bestimmtes Gefühl in sich spürt, - Angst, Trauer, Verlorenheit, etc. - ist primär wichtig. Daraus resultiert eventuell der Wunsch, sich anders fühlen zu wollen, sich in einer ganz bestimmten Weise spüren zu wollen. Und das ist der Beginn des Neuen Weges. Wenn ich verkehrt auf die Autobahn auffahre, hat es keinen Zweck zu sagen: "Eigentlich müsste ich da drüben fahren!", sondern man muss versuchen, unfallfrei aus der Gefahrenzone zu kommen, um dann den 'richtigen Weg' zu nehmen.

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  2. Ich finde es gar nicht so wichtig zu wissen wer oder was man selbst ist.
    Die Suche nach diesem verborgenen Sinn kann auch belasten - am besten Du suchst erst gar nicht sondern versucht Dein Leben so zu genießen wie es am besten möglich ist, nicht immer einfach, klar. An so manchem Wegrand blühen Blumen die man viel zu selten beachtet.

    Bestrafen solltest Du dich generell nicht, als Mensch ist man fehlbar - ist halt so, kann man nichts machen, wurde so eingerichtet - Du bist daran nicht Schuld.

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  3. Ich kann dich so gut verstehen. Alles.
    Es tut mir weh, das zu lesen.
    Fühl dich umarmt.

    _Du bist du.
    _Weiblich.
    _Jung.
    _Menschlich. Mit all deinen Facetten.

    Bleib immer bei dir und verliere dich nicht.
    (Vertraust du dir?)

    Liebe Grüße, Lebensheldin

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  4. Wunderschöner Text ... ♥

    Weißt du, ich frage mich solche Dinge auch manchmal... Aber was auch immer man sich fragt, man darf eines nie vergessen. Alleine ist man nie, wenngleich man sich so fühlt...
    ;-* Ich folge dir jetzt.

    Ganz liebe Grüße,
    Vicky von Keks

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