Freitag, 22. März 2013

Sprung

Ich stehe auf der Plattform, schaue fünf Meter hinab in den Abgrund. Hinter mir eine Treppe, die mich sicher auf den Grund zurückführen könnte.
Mein Blick verharrt auf der mir dargebotenen Aussicht. Fünf Meter in den Abgrund hinab. Soll und will ich wirklich springen? Es riskieren?
Meine Angst schnürrt mir die Kehle zu, ich bin gehemmt. Habe ich deshalb keine freie Wahl, keine eigene Entscheidung mehr?
Sollte das so funktionieren? Weil ich Angst habe, habe ich nicht mal mehr eine Wahl? Ich erkunde erneut die Tiefe mit meinen Augen und erkenne, ich kann springen - trotz Angst.
Der Trick liegt darin, sie zwar wahrzunehmen, doch sie nicht weiter zu beachten.

Ich nehme meinen gesamten Mut zusammen und springe. Schnell komme ich dem Boden näher, fühle das Bauchkribbeln, das Adrenalin. Da ist sie wieder, die Sorge. Aber was soll ich jetzt noch tun? Ich bin bereits in der Luft.
Und dann ist es vorbei, ich gleite in das Wasser hinein, spüre die Kälte, die Wellen, die Erleichterung.

Mir ist nichts passiert. Ich habe meine Angst besiegt. Sie hat mich in meiner eigenen Wahlentscheidung somit nicht eingeschränkt. Denn ich habe sie in die Schranken verwiesen - ich lebe auf meine Weise und kann mich quasi selbst bekämpfen.

Angst soll uns bewahren, soll uns vor Gefahren, Verletzungen und Tod bewahren. Aber wenn ich meine eigene Kleinmut überdenke, dann sind diese drei Faktoren nicht immer der Auslöser für dieses Gefühl. Vielmehr ist es meine eigene Erinnerung, die diese Emotion in mir aufkeimen lässt. Eine ähnliche Situation, ein Modell, aus dem heraus sie sich entwickelt hat. Ein Muster, nach dem ich gelernt habe zu handeln.

Natürlich könnte ich sagen: "Naja, sie hat schon einen Sinn. Sie ist nicht ohne Grund hier. Ich behalte sie". Aber so ist es eben nicht: ich bin es leid mit Angstzuständen durch mein Leben wandeln zu müssen, in den banalsten Situationen Furcht empfinden zu müssen. Ich bin es leid, mich dadurch einschränken zu lassen.
Ich möchte endlich stärker sein als diese verdammte Angst.
Jedoch bin auch klug genug, um zu wissen, dass das noch viel Zeit in Anspruch nehmen wird, dass ich noch brauchen werde, bis ich das schaffe. Deshalb bin ich um so dankbarer, dass ich Menschen um mich herum habe, die mir helfen - einfach da sind. Danke!


Wolkentänzerin

Kommentare:

  1. Ein gutes Gefühl, sich selbst zu überwinden,- sich seinen Ängsten zu stellen, um schließlich irgendwann nicht mehr darunter leiden zu müssen.
    Und ich bin sehr froh, dass Du dabei Unterstützung hast.
    Liebe Grüße, Tamaro

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  2. Liebes Wölkchen, ich weiß, dass Du stärker bist als die Angst. Du kannst ohne sie leben, aber sie ist nichts ohne Dich. Das verleiht Dir Macht über sie. Aber sie wird immer wieder versuchen, die Macht zurück zu gewinnen. Doch ich wünsche Dir, dass Du das nicht zulässt. Du bist stark! Du beherrscht die Angst, nicht sie Dich!

    Wie Tamaro bin ich froh, dass DU dabei Hilfe hast.

    LG Drago

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  3. P.S.: Ich glaube, ich wäre da oben eingegangen! ;-(

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  4. Ich wollte dort oben nicht stehen und doch kenne ich die Sache mit der Angst nur zu gut! Aber ich glaube sie wird mir immer ein treuer Begleiter bleiben.

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