Dienstag, 19. März 2013

Entscheidung - nicht meine

Jetzt habe ich alles getan, was ich hätte tun können - vorerst. Die Entscheidung liegt von nun an bei anderen. Mein Leben wird von anderen entschieden. Ein komisches Gefühl. Mir wird immer mehr klar, dass ich nicht im entferntesten frei bin oder es je sein werde. Denn ich werde mein Leben lang angewiesen sein auf die Entscheidugen meiner Mitmenschen.

Das war in meiner Vergangenheit schließlich genauso. Ich habe nicht entschieden, dass meine Eltern sich ständig gestritten haben, mein Vater und meine Brüder gewaltätig waren. Ich habe auch nicht entschieden, dass ich vergewaltig werde. Ich habe nicht entschieden, dass mein bester Freund Suizid begeht. Ich habe nicht entschieden, dass ich in der Schule Jahre lang gemobbt wurde. 

Aber was genau habe ich denn nun wirklich für mich entschieden? Ich habe ausgewählt, wo meine berufliche Zukunft hingehen soll. In welche Richtung ich mich bewegen möchte. Doch auch das war keine freie Entscheidung, eher eine zwanghafte. All die anderen Wege, bzw. der Pfad, den ich mir zurechtgelegt hatte, war für mich nicht mehr zu gehen. Daher musste ein anderer her.
Noch habe ich mich damit nicht abgefunden, denn ich bin wütend. Wütend darüber, dass andere Menschen schuldig sind, dass mein Leben nicht auf meine Weise verlaufen ist.

Ich bin zu lange schon selbstbestimmt und es nervt mich. Einerseits möchte ich endlich auf eigenen Beinen stehen, möchte mich entfalten, mich entdecken und mein Leben anfangen auf meine Art zu leben. Doch ich habe Angst vor dem, was da auf mich wartet. Habe Angst vor erneuter Ablehnung, Verletzung, Schuld.

Wobei das ziemlich dämlich ist, schließlich weiß ich, dass ich gut alleine klar komme, klar kommen musste und muss. Ich bin von klein auf eine Einzelkämpferin gewesen, habe alles versucht mit mir selbst auszumachen. Habe es geschafft meinen Weg, so gut es geht, zu gehen, obwohl mir so einige Hindernisse in die Quere gekommen sind.

Meine Eltern haben sich ein Haus gekauft, in das sie im Juni ziehen wollen. Nur steht dieses Haus nicht hier, sondern viele Kilometer entfernt von meinem Heimatort.
Da es für mich keine Option ist, mitzugehen, stehe ich vor der Aufgabe mir eine Wohnung zu suchen, einen Job, um die Wohnung finanzieren zu können.

Es hat sich so vieles verändert. Zu viel? Ich weiß es nicht. Vielleicht bin ich eine gute Wellenreiterin. Und wenn nicht? Das werde ich sehen, wenn es so weit ist.

Was bleibt, ist das Wissen, dass ich alles Machbare getan habe und die Entscheidung nun nicht mehr meine ist..........ein wirklich schreckliches Gefühl, das mich an schlimme Zeiten erinnert...

Wolkentänzerin

Kommentare:

  1. Mehr, als das, was man vermag, kann man auch nicht tun.
    Und auf die ein oder andere Art läuft für jeden das Leben auf Bahnen, die er gar nicht vorhersehen konnte, und die er auch nicht beeinflussen konnte.

    Ich wünsche Dir jedenfalls, dass es Dir gelingt, auf eigenen Beinen zu stehen, meine tapfere Wolkentänzerin (und Wellenreiterin?).

    Liebe Grüße, Tamaro

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  2. Tamaro hat recht, jeder von uns läuft wie eine Marionette gelenkt durch sein Leben, wir sehen uns als frei an und können doch nur relativ wenig selbst bestimmen. Viel zu viele Faktoren haben Einflüsse auf unsere Wege, Faktoren die wir selbst nicht wirklich bestimmen können.

    "Man tut was man kann" ist die beste Definition für ein Leben in dem man alles versucht was in den eigenen Möglichkeiten liegt. Mehr ist nicht drin und da nutzt alles Klagen nichts - leider.

    Vielleicht laufen Deine Wege ja künftig in genau die Richtungen, welche Du gerne hättest? Ich kann dies nicht versprechen, aber möglich ist es schon.

    Ich wünsche Dir auf jeden Fall eine Zukunft zu Deiner vollsten Zufriedenheit :)

    Lieben Gruß
    Björn :)

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  3. Das Leben ist ein einziger Weg. Den wir so lange wir da sind laufen dürfen, müssen, möchen.?! Irgendwann kommt man aber an eine Weggabelung und man muss sich entscheiden ob man nach rechts oder links geht, denn stehenbleiben und auf der Stelle treten ist drin. Ob nun der rechte oder der linke Weg der richtige ist, das weiß niemand im voraus. Und manchmal muss man einen Umweg gehen um an sein eigentliches Ziel zu kommen.
    Liebe Grüße
    Sanni

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