Mittwoch, 21. November 2012

Gedankenmatsch

Am 6.12. ist es also soweit, ich gehe für 8 Wochen ( oder sogar noch länger ) in einer psychotherapeutische Klinik.

Wie ich das finde? Naja, ich würde sagen, da bin ich wirklich sehr zwiegespalten. Auf der einen Seite bin ich mir absolut und hunderprozentig bewusst, dass dies die einzige Alternative zum Suizid für mich ist, meine letzte Überlebenschance. Denn ich persönlich weiß, wie es die letzten Tage und Wochen um mich gestanden hat und leider immernoch steht. Hoffnungslosigkeit hat sich in jeder Zelle meines Lebens breit gemacht, hat mich nicht mal mehr einen einzigen freien Atemzug nehmen lassen und die Last der Vergangenheit hat sich auf meine Brust wie ein schwerer Hinkelstein gelegt.
Man könnte sagen, dass ich zur Zeit in einer Art Luftblase lebe. Ich habe mich entfernt vom Treiben dieser Welt und fühle mich alles andere als dazugehörig. Vielmehr wie ein nüchternen Betrachter, der weiß, dass die Stunden für ihn gezählt sind und er nur einen kurzen Blick auf das Wuseln der Menschheit werfen durfte.

Auf der anderen Seite jedoch, habe ich einfach unendlich große Angst vor diesem Datum und möchte einfach nur weglaufen, mich in Lust auflösen und mich befreien.
Nur ist mir auch klar, dass ich damit Leben zerstören würde und Menschen das antun würde, womit ich selbst nicht mehr zurecht komme.

Neben der Schwere auf meinem Brustkorb fühle ich innerlich absolut gar nichts mehr, als wäre ich losgelöst und innerlich total betäubt.
Hin und wieder keimt mal ein kleines Gefühl in mir auf, wie Hilflosigkeit, Wut oder Angst. Ja, vorallem die Angst dominiert derzeit ab und an mal mein Leben. Doch so im Großen und Ganzen fühle ich nichts.
Selbst meine wohlbekannte Prozedur, um wieder zu fühlen, um zu wissen, ja, ich lebe noch, hat ihren "Zauber", ihren Sinn, verloren. Egal wie tief ich schneide oder mich anderweitig verletze, kann diese Taubheit von mir nehmen.

Ich möchte weglaufen, mir die Haut über den Kopf ziehen, ausbrechen aus meinem Sein. Zur Zeit hüpfe ich auf meinen Wolken wieder so hoch, dass ich meinen Kontakt zu ihnen fast gänzlich verloren habe.


Wolkentänzerin

Kommentare:

  1. Oh je :(

    Es stimmt mich traurig diesen Text zu lesen. Aber ich drücke dir ganz fest die Daumen, du wirst die Kraft finden dort hin zu gehen und dann wirst du, zusammen mit anderen lieben Menschen, wieder lernen das schöne im Leben, in deinem Leben zu sehen :)

    Auch wenn du es vielleicht jetzt noch nicht glaubst, ich glaube fest an dich und deine verborgene Kraft, dieses Leuchten was jeder Mensch in sich trägt, ganz besonders solche Wölkchen wie du :)

    Als es mir total beschissen ging sagte ich mir immer, komm wir lachen ganz einfach auch wenn uns zum heulen ist, wenn auch der Himmel dieser Welt uns auf die Köpfe fällt, komm wir lachen ganz einfach :)

    Halt die Ohren steif und ich hoffe irgendwann in diesem blog von dir nur noch fröhliche und tief empfundene Freude am Leben zu spüren und zu lesen.

    Liebe Grüße
    Björn :-)

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. 1. es tut mir leid, dass dich dieser Text traurig stimmt, das war nicht meine Absicht :)
      2. vielen lieben Dank für diese so lieben Zeilen von dir. Das bedeutet mir viel und zeigt mir, dass eben doch nicht alles schlecht ist auf dieser großen Erde. Danke dafür!
      3. Ab einem bestimmten Punkt konnte ich werder lachen, noch weinen. Aber wer weiß, vielleicht kann ich das da ja wieder erlernen :)

      Liebste Grüße zurück
      Wolkentänzerin

      Löschen
  2. Ich finde es sehr bemerkenswert, dass Du selbst zu diesem Entschluss gefunden hast. Ich kenne andere, die das nicht so schaffen. Und es führt nur ein eine weitere Ausweglosigkeit und zu immer weiter verzweigten Ausflüchten und Sackgassen. Und sie leiden weiter.
    Du wirst dort die Hilfe bekommen, die Du brauchst...

    Liebe Grüße, Tamaro

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ich danke dir, Tamaro, für deine Zeilen. Es hat auch bei mir viel gutes Zureden und aktives Unterstützen benötigt, damit ich am Ende wirklich diesen Schritt gewagt habe und deshalb kann ich mich wahrscheinlich wirklick glücklich schätzen, dass ich so liebe Menschen an meiner Seite habe.

      Liebste Grüße und einen großen Sonnenstrahl zurück
      Wolkentänzerin

      Löschen
  3. Eine gute Entscheidung, Wolkentänzerin! Du wirst sehen, die acht Wochen vergehen wie im Fluge und du wirst es bedauern, wieder zurück zu müssen. Ich war 12 Wochen auf Station und das ging gefühlt viel zu schnell. Wenn dies deine erste stationäre Therapie ist, dann wirst du sehr viel davon profitieren. Ich habe vier Selbstmordversuche überlebt - heute ist Suizid kein Thema mehr für mich. Ohne Therapie hätte ich das nie geschafft. Du wirst neue Menschen kennen lerne und dich vielleicht anfreunden. Alle werden dir vielleicht gefallen, aber das ist ja auch gut so. An denen kannst du üben, dich abzugrenzen. Du wirst Techniken erlernen, die dir helfen, mit der Depression besser klar zu kommen. Erwarte nicht, geheilt zu werden. Das kann von außen nicht geschehen. Das kannst du nur selbst, aber eben mit Hilfe und dazu hast du dich nun ja entschlossen. Ich wünsche dir alles Gute für deine Therapie!

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ich danke Dir für diese lieben Zeilen! Das hat mir gerade viel Mut gespendet. Danke! Es ist gut zu wissen, dass es auch andere gab, die da durch "mussten" und es ihnen etwas positives gebracht hat.

      Ich wünsche Dir weiterhin sehr viel Kraft und Wärme
      Wolkentänzerin

      Löschen
  4. Ich wünsche dir alles Gute und viel Kraft für deinen Aufenthalt dort.Ich wünsche dir,das du ganz viel von der Therapie dort für dich mitnehmen kannst.
    Liebe Grüße,
    Atrea

    AntwortenLöschen