Sonntag, 21. Oktober 2012

Nichts mehr im Griff

Selbst die kleinste Kleinigkeit, früher mit Leichtigkeit erledigt, ist heute für mich eine echte Herausforderung. Ich frage mich wirklich sehr oft, wo denn nur meine Kraft hin ist? Warum ich sie verloren habe und warum mir alles mögliche so unglaublich schwer fällt. Meine Gedanken sind ungeordnete Akten, die losen Zettel fliegen in meinem Kopf nur so herum, kein Anflug von Ordnung oder einem System.
Ja, das ist mein derzeitiges Leben: Ein heilloses Chaos ohne System oder Ordnung. Ich bin leer, überfordert und absolut unzufrieden mit mir und meinen Leistungen.
Es ist schon schlimm genug, das alles selbst einzusehen, sich einzugestehen, dass ich nichts mehr im Griff habe. Doch ist es noch einen kleinen Deut schlimmer, wenn das von anderen gesagt wird. Wenn die Eltern dir sagen: "ja, du schaffst doch eh nichts und wirst auch nie etwas erreichen", "du bist nicht lebensfähig".
Mein Leben ist sehr kompliziert und ich drohe unterzugehen. Keine Hoffnung, kein Ziel, keine Motivation und absolut keine Freude.
Natürlich kann ich mir kurz einreden, dass alles gar nicht so schlimm ist, dass ich mit der Gesamtsituation gar nicht so unzufrieden sein sollte. Kurze Zeit später platzt die Bombe dann wieder und schleudert mich in Richtung Boden. Ich falle auf die Oberfläche der Realität zurück und muss mir immer wieder neu eingestehen, dass ich krank bin, nichts im Griff habe und eine Heilung noch lange dauern wird, sofern sie überhaupt irgendwann möglich sein wird - ich bezweifle es.

Wolkentänzerin

Kommentare:

  1. Das was du beschreibst kenne ich, hmm habe ich hintermir will ich nicht sagen. Aber letztes Jahr hatte ich einen schlimmen Burn-Out, mein Körper streikte. Die anschliessende Reha hat zwar was gebracht, aber ich könnte schon wieder hin :-( ... es ist schwer das erworbene Wissen um die Dinge die einen belasten, sie vielleicht anzunehmen oder zu verarbeiten in der Realität umzusetzen *seufz*. Gib nicht auf ...

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  2. Mir gehts genauso Wolke. Nicht den mut verlieren!

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  3. Was ist normal, was ist Heilung? Leben ist Chaos, Chaos ist Leben, Ordnung ist eine Illusion.
    Ob Du jemals ein "vollkommen normales Leben" führen wirst - vermutlich nicht, denn so etwas wie "normal" gibt es eigentlich nicht.
    Ob du jemals ein durchschnittliches Leben haben wirst? Ja, mit ziemlicher Sicherheit, aber leicht wird der Weg nicht.
    Du bist nicht allein, das siehst Du hier in den Kommentaren und an anderer Stelle.

    Du hast ein Ziel, ein sehr konkretes: Die Schule beenden. Das mag momentan in weiter Zukunft liegen und sich einfacher sagen als es jeden Tag ist, aber eines ist sicher: Danach hast Du die Chance, Dein Leben komplett neu aufzubauen. Das hilft nicht gegen die Vergangenheit, aber für die Zukunft.

    Bis Du stirbst - in 60, 70 oder 100 Jahren - kannst Du eine ganze Menge bewegen, erreichen und vielleicht auch anderen helfen. In 10 Jahren blickst Du vermutlich zurück und kannst für Dich und andere betroffene sagen: Schaut her, ich war dort unten, jemand hatte mein Leben zerstört, aber ich habe es geschafft!

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  4. ....im Tal der Tränen liegt auch Gold, komm lass es zu das du es holst ...

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  5. Da ich festgestellt habe, dass ich das Chaos und meine Schwäche nicht ändern kann, bin ich dazu übergegangen, das Chaos als "höhere Ordnung zu sehen, die ich (noch) nicht verstehe, und um meine Schwäche zu relativieren, damit sie mich weniger bedrückt, fange ich an, meine Anforderungen an mich selbst zu überprüfen und sie herab zu schrauben. Und wie Björn sagt, mit Blick auf den Talboden kann man eben auch Nuggets finden. Du findest sie schon ständig - in Deinen Texten sind viele Goldstücke!

    Mach weiter - auch wenn Du kein Fünkchen Mut und Kraft mehr hast. Dann erst recht!

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