Donnerstag, 20. September 2012

Todeskuss

Meine Gedanken schwirren, wie unzählige Nachtfalter, unruhig durch meinen Geist. Ein jeder Nachtfalter ist behaftet mit bösen schwarzen Gedanken, ein jeder hat die Macht mich tiefer in die Abgründe meines Seins zu führen, mich in die Tiefen des Todes zu zerren.
Der Schmerz breitet sich merkbar aus, erreicht jede Zelle meines geschundenen Körpers, raubt mir meine letzte verbliebene Kraft. Ich möchte weinen, möchte den Druck entweichen lassen, möchte mich befreien, doch keine einzige weiße bittere Träne findet den Weg zu meinem traurigen Auge. Sollen rote Tränen an ihrer Stelle fließen? Ich will es nicht, will nicht länger meine verwundete Haut verstecken müssen, möchte nicht, dass man mir den Schmerz äußerlich ansehen kann. Wie soll ich mich dann noch verstellen, wenn es doch für alle sichtbar ist?
Meine Klingen sind in einer kleinen Dose, überall trage ich sie mit mir mit, für den Fall der Fälle.
Ich weiß, ich werde es nicht schaffen, dem elendigen Druck Stand zu halten. Ich werde es nicht schaffen. Und schon jetzt wurmt es mich, zieht mich noch weiter runter, bis ins Tal der Finsternis. Sie verschlingt mich förmlich und ich verschwinde in ihr. Ich verblasse, verschwinde, sterbe.

Schließe ich meine Augen, sehe ich dieselben verhassten Bilder, wie jede Nacht. Ich sehe alles so detailliert vor mir, so beänstigend real. Es zermürbt mich, macht mich wahnsinnig. Ich könnte mir Pillen einwerfen, mich mit Alkohol betäuben, mir die Haut vom Leibe ziehen, doch was würde das ändern? Es gibt keinen Fluchtweg aus meinem Ich. Oder doch? Ist der Tod meine letzte Fluchtmöglichkeit? Verfolgen die Gedanken mich bis hinein in die Ewigkeit? Für immer gefesselt an die Erinnerungen?

"Memento mori" - Mach dir deine Sterblichkeit bewusst. Früher, in der Zeit des Barocks, wurde der lateinische Begriff als Mahnzeichen verwendet; er wurde benutzt, um damit die Menschen sich ihrer Sterblichkeit bewusst wurden und den Tag anfingen zu genießen, ihn zu nutzen ("Carpe diem"). Doch bedeutet dieser Spruch für mich etwas grundlegend anderes. Er bedeutet, ich kann gehen und bin sterblich - nichts ist für ewig.

Jede Nacht habe ich den Geschmack des Todes förmlich auf meinen Lippen, kann seine Gestalt berühren. Mache mir jede Nacht ein detailgetreueres Bild von ihm. Und mir wird jede Nacht bewusst, dass ich mich immer weiter mit ihm anfreunde, bis er mich eines Nachtes küssen wird.




Wolkentänzerin

Kommentare:

  1. Es gibt keine Flucht.
    Es gibt nur die Möglichkeit, sich dem irgendwann zu stellen. Doch das tust Du ja auch bereits.
    Und es führen Wege hinaus,- wieder nach oben aus dem Loch.

    Liebe Grüße, Tamaro

    Übrigens,- ein wunderschönes Bild...

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  2. Ich hoffe dass Du diesen Kuss nicht bekommst und wieder zum Spaß am und im Leben findest.

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  3. So if you wanna burn yourself, remember that I love you
    And if you wanna cut yourself, remember that I love you
    And if you wanna kill yourself, remember that I love you
    Call me up before your dead, we can make some plans instead
    Send me an IM, I'll be your friend

    http://www.youtube.com/watch?v=rRhOJe_7kuI

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  4. Ich weiß nicht was Dir geschehen ist, aber ich hoffe dass Du irgendwann wieder lachen und fröhlich sein kannst. Es gibt immer einen Weg aus dem Dunkel ins Licht und ich hoffe, dass er sich Dir auftun wird.

    Ich drücke Dir dafür ganz fest alle meine Daumen.


    Liebe Grüße
    Jay

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