Samstag, 8. September 2012

Mein Einfluss auf Menschen

Ich gehe meinen Weg auf dieser Welt, versuche jedes Lebewesen mit Repekt und Achtung zu behandeln.
Seit fünf Jahren bin ich Vegetarierin, ich ertrage es nicht, dass ein Tier, ein Lebewesen, auf meine Kosten unter schrecklichen Umständen leben muss und am Ende auch noch getötet wird, damit ich es essen kann. Das kann ich nicht mit meinem Gewissen vereinbaren.

Doch muss ich mir eingestehen, dass mein Versuch, ein guter Mensch zu sein, sehr oft gescheitert ist:

Nachdem meine erste Beziehung, die ich als 14jähriges Mädchen hatte, wirklich schlimm geendet war, lernte ich einen Jungen kennen. Er war ein Freund meines Bruders und wir verbrachten viel Zeit miteinander. Er war wirklich ein lieber Junge, hieß C. und hatte bis dato ein sehr bewegtes Leben. Einen Vater, der ihm das Leben zur Hölle machte.
Aufgrund meiner vorherigen "Beziehung" konnte ich jedoch keinerlei Nähe zulassen, viel zu dominat war die Angst vor einer weiteren derartigen Erfahrung.

Eigentlich waren wir also nur richtig gute, wenn nicht sogar beste, Freunde. Doch betitelten wir uns mit "fester Freund" und "feste Freundin". C. erählte mir oft von sich und seiner schlimmen Situation und ich versuchte ihn aufzubauen.
Er hielt es irgendwann dann aber nicht mehr Zuhause aus, sein Vater schikanierte ihn immer weiter und das Jugendamt schaltete sich ein. C. wurde auf ein Internat geschickt, eine Stunde Autofahrt von mir entfernt.
Wir schrieben über das Internet, telefonierten oder trafen uns ab und zu. Eines Tages lernte ich seine neuen Internatfreunde kennen, habe sie jedoch nie leibhaftig gesehen und trotzdem fingen sie an, mir von ihren bewegenden Leben zu erzählen. Sie riefen bis tief in die Nacht an, weinten oder erzählten mir studenlang, was ihnen widerfahren war. Ich selbst hatte noch zu tun, mit dem Erlebnis meiner ersten Beziehung und konnte es kaum ertragen, noch mehr Last auf meinen Schultern zu tragen.

Einen Sonntag kam C. mich besuchen, er fuhr drei Stunden mit dem Fahrrad, um mich zu sehen. Wir schauten eine Dvd und durch Zufall erhaschte ich einen Blick auf seinen Arm. Er hatte sich meinen Namen in den Arm geritzt. Ich weiß heute noch, dass sich in mir etwas veränderte. Mein Name sollte nicht in Verbindung mit Schmerz einhergehen. Was bewegt einen Menschen zu solch einer Tat?
Da ich absolut nicht mit der Situation umgehen konnte, sagte ich, er solle wieder fahren und wir eine Pause machen, uns eine Weile nicht sehen.
Heute denke ich, dass ich viel zu hart gewesen bin. Das Ganze hätte ich auch anders angehen können.

Ein paar Tage später rief einer seiner Freunde an. Er fragte, ob ich mit C. Schluss machen wolle. C. würde es nicht ertragen von mir getrennt zu sein, ihn würde es fertig machen, sich mich mit anderen Männern vorzustellen. Ich hatte mich wieder einmal in etwas verrannt, was ich nicht mehr einschätzen konnte, somit konnte ich ihm keine Antwort auf seine Frage geben.
Dieser Freund meinte dann auf einmal, es wäre ja gar nicht schlimm, würde ich mich von C. trennen, da auch er Gefühle für mich hege, seitdem er das erste Mal ein Foto von mir sah.
Das war der Punkt für mich, an dem ich damit nichts mehr zu tun haben wollte. Es wurde zu viel für mich. Die Situation wuchs mir über den Kopf. Ich stand absolut allein da, niemand, mit dem ich reden konnte.

Ich schrieb C. übers Internet, dass ich Schluss machen möchte und als Antwort bekam ich einen Umschlag mit vielen DinA-4-Blättern nach Hause geschickt. Überall stand mein Name auf ihnen und außerdem befand sich darunter ein langer Liebesbrief, indem er schrieb, er könne und wolle ohne mich nicht leben. Ich wäre die einzige für ihn.
Ich reagierte nicht darauf, weil ich keine Ahnung hatte, was ich tun sollte. Ich fühlte mich schuldig.  

Zwei Tage später rief eine Freundin von ihm an, sie war eine von denen, die sich bis Tief in die Nacht telefonisch bei mir meldeten und sich das Herz ausschütteten. Diese Freundin sagte mir, C. hätte gesagt, dass er sich und mich umbringen wollen würde, weil er mit der Situation nicht mehr klar käme. Zudem habe er schon einen Kontakt, der ihm eine Waffe besorgen würde und sie meinte, dass ich das sehr ernst zu nehmen hätte.

Ich bekam total Panik und wusste wirklich nicht, was ich tun sollte. In der Schule erzählte ich meiner Vertrauenslehrerin davon, weil ich keine Freunde hatte, denen ich es hätte erzählen können und diese Lehrerin gab es an die Polizei weiter.

Das Ende vom Lied, ich lebe noch.

Doch seither frage ich mich, was ich für einen Einfluss auf Menschen ausübe, dass sie zu solchen Taten fähig sind. Mittlerweile ist es für mich kein Zufall mehr, wenn Menschen mich verletzen, weil ich weiß, dass ich es bin, die sie dazu verleitet und dieses Wissen macht es mir unmöglich, weiterleben zu wollen.


Wolkentänzerin

1 Kommentar:

  1. Nein nein nein, Du bist es nicht die die Menschen dazu verleitet. C. hatte sich in etwas hinein gesteigert und sah keinen anderen Ausweg als diesen. Er hätte es aber nicht getan, weil andere davon wussten. Er war bloß verzweifelt.

    Warum ritzen Menschen sich einen Namen in den Arm oder warum tättowieren sie sich einen? Weil sie diese Person sehr schätzen, lieben und so immer bei sich tragen möchten.

    Aber Du bist nicht schuldig, Du warst "nur" überfordert und das kann ich in Deiner Situation sehr gut nachvollziehen.

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