Freitag, 28. September 2012

Freier Wille?

Nimmt sich ein Mensch das Leben, heißt es oft: "Am Ende war es seine Entscheidung, sein freier Wille".  Doch kann man das wirklich einfach so sagen? Stimmt es, dass ein Suizidant das aus freien Stücken getan hat?


Ich persönlich würde das strikt verneinen. Ein Suizidant handelt nicht, in dem Sinn, frei. Ihn dominiert die Depression, das Gefühl der Auswegslosigkeit. Doch ist es, so gesehen, kein freier Wille. Hätte er nicht, sagen wir mal, diese Krankheit, hätte er nicht solche Suizidgedanken entwickelt.

Diese Gedanken können durch allerlei Faktoren ausgelöst werden, unbeinflussbare Schicksalschläge, Gewalt, Arbeitsplatzverlust, ect.
Doch haben sie dann einmal Besitz ergriffen, ist es verdammt schwer, sie wieder loszuwerden. Sie lassen einen Menschen zum Äußersten führen, ihn Dinge tun, die er selbst sofort so sehr bereut und doch kann er nicht anders handeln, weil seine Krankheit es nicht zulässt.

Also, wie kann man sagen, es wäre der freie Wille gewesen? Es ist nie der freie Wille, es ist die Krankheit, die dominiert, die einen Menschen an die Grenzen führt, ihm seine letzte Hoffnung raubt, ihn am Ende vielleicht sogar in den Tod führt.

Ich finde es verwerflich zu sagen, dieser Mensch habe aus eigenen Stücken gehandelt. Denn das hat er nicht. Die Krankheit ist Schuld, die Schicksalschläge, die sie auslösten. Ich bin der felsenfesten Überzeugung, dass wären diese Gedanken etwas leiser gewesen, er hätte das Leben gewählt. Hätte dieser Mensch einen letzten Halt gehabt, er wäre am Leben geblieben.

Es ist also kein freier Wille, es ist diese verdammte beschissene Krankheit, nichts anderes. Es ist auch keine Einstellungssache, nein, es ist eine Krankheit!

Wolkentänzerin

Kommentare:

  1. Ja du hast Recht, ich seh' das genauso.

    Mein bester Freund hat sich das Leben genommen, als ich 13 war. Ich weiß, dass ich mit Schuld war, weil ich ihn alleine gelassen habe, als er mich gebraucht hat. Jeder will mir einreden, ich hätte keine Schuld, es wäre seine Entscheidung gewesen, aber das können nur die Menschen sagen, die nie verstehen werden, was eine psychische Krankheit ist.
    Ich meine, ja ich wäre auch gerne einer von ihnen. Ich wäre auch gerne gesund und würde zu anderen sagen können:"Hör doch einfach auf damit und leb dein Leben." Es geht nicht. Man kann nicht ohne Hilfe aufhören depressiv zu sein oder, wie in meinem Fall, essgestört zu sein.

    Guter Blog, auf jeden Fall. Ich werde dich verfolgen :)

    Liebe Grüße

    http://emilies-fairytale.blogspot.de/

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  2. Prompter Post ;-)

    Generell sehe ich es auch so, aber ich denke dennoch es gibt auch hierbei, wie so oft, eine Ausnahme.

    Wenn jemand unheilbar krank ist und er anstatt einem langen Leidensweg und lebensverlängernden Maßnahmen dagegen entscheidet. Wobei ihn hier natürlich auch nicht persönlich beeinflusste Zwänge dazu treiben.

    Es ist dann zwar sein Wille, aber nur weil er eigentlich keine andere Wahl hat außer einen langen Lebensweg.

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    1. Ergänzung: Sollte am Ende Leidensweg und nicht Lebensweg lauten ...

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  3. Gibt keinen :) Aber dafür kann man mir folgen :)

    Ich wünsche ein wundervolles Wochenende
    Wolkentänzerin

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  4. Ich stimmt Dir voll und ganz zu, vor allem möchte ich aber daran glauben, dass Freunde einem Betroffenen Halt und eine Alternative geben können, um diese schwere Zeit zu überstehen.

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  5. Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.

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  6. ich denke auch oft über selbstmord nach.. Nein, ich will keinen selbstmord machen, ich denke nur darüber nach, warum Leute selbstmord machen...
    ja, es ist eine krankheit : (

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