Sonntag, 9. September 2012

Dieses Leben überfordert mich

Es ist nicht so, dass ich dumm sei. Ich würde sagen, eine gewisse Grundintelligenz ist doch schon vorhanden. Ich habe eine schnelle Auffassungsgabe und komme soweit eigentlich ganz gut in der Welt zurecht.

Wäre da nicht mein eigenes Leben, meine Probleme, meine Welt. Die Welt überfordert mich nämlich wirklich extrem. Täglich wird dieser Zustand schlimmer und ich habe absolut keinen blassen Schimmer, was ich auch nur ansatzweise dagegen unternehmen könnte.
Ich verkrieche mich immer häufiger, damit mich dieses Leben nicht finden kann. Meine Realitätsflucht setzt mal wieder ein und ich hatte doch so sehr gehofft, diese Phase meiner (nennen wir sie mal) Krankheit überwunden zu haben.

Es ist ein ätzendes Gefühl wieder zurück zu fallen in diese alten verhassten Verhaltensmuster. Morgens quäle ich mich aus dem Bett, finde meine Tagesplanung so unendlich sinnfrei. Ich gehe zur Schule, verfolge ein Ziel - leider relativiert sich dieses mal wieder zunehmend.

Ich habe vier Wochen Therapiepause und mir graut jetzt schon davor. Zugegeben, ich habe mich daran gewöhnt, habe mich darauf eingerichtet, jede Woche ein kleines Stück meiner Vergangenheit freizulassen, damit es mich anschließend angreifen kann.
Jetzt habe ich eine Pause davon, weiß nicht, wie ich das schaffen soll. Ich habe nun wirklich Angst. Wie soll ich meinen Tagesrhythmus durchhalten ohne Therapie?

Die Alternative wäre ein Klinikaufenthalt. Erstens scheint es mir unmöglich, da ich sonst mein Ziel nicht erreichen kann und zweitens habe ich panische Angst vor einem derartigen Aufenthalt. Vielleicht ist daran mein übergroßer Stolz Schuld, ich möchte nicht, dass jemand erfährt, was wirklich in mir vorgeht.
Es gibt wirklich wenige Menschen, die wissen, was ich fühle, denen ich einen kleinen Einblick gewährt habe.
Nicht mal dem nahsten Menschen habe ich erzählen können, was mich bewegt. Zu sehr die Angst davor, ihn zu verletzen. Zu groß die Angst, er könne denken, ich sei ein Monster. Denn das bin ich. Ein Monster.

Ich habe oft und lange darüber nachgedacht, wo und wann ich "es" tun wollen würde. Habe bereits Abschiedsbriefe verfasst. Bin sooft kurz davor gewesen, habe mir alles bereit gelegt. Und doch habe ich nie den Absprung geschafft, ich lebe weiter.

Trotzdem schnürt mir die Überforderung meine Kehle zu. Ich weiß nicht mehr, wer ich bin und was ich hier tue. Was ich kann und was ich mit meiner Zukunft anstellen möchte.

Ich weiß bloß, was ich für Fehler in meinem Leben getan habe und, dass ich diese nicht rückgängig machen kann.

Es überfordert mich, ich zu sein!


Wolkentänzerin

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