Dienstag, 14. August 2012

Nächte,...


 ...,die dir deine letzte Kraft rauben


Es gibt viele Menschen, die auf die Frage, ob und was sie nachts träumen, schlicht und ergreiffend antworten, sie würden nie träumen oder sich einfach nicht daran erinnern können.

Solche Personen finde ich wirklich beneidenswert. Sobald sich die Nacht nähert und es allmählich draußen dunkel wird, beginnt für mich persönlich eine der schlimmsten Phasen des Tages. Ich komme zur Ruhe und habe kaum Möglichkeit meinen Kopf abzulenken. Häufig gehe ich dann noch draußen in der Dunkelheit spazieren, doch fürchte ich mich dort vor nächtlichen Rumtreibern, die nicht ausschließlich positive Dinge in ihren Gedanken mit sich rumtragen. Somit endet mein nächtlicher Spaziergang oft frühzeitig und ich finde mich in meinem Zimmer wieder, eingehüllt in eine Decke.
Ich spüre meinen Atem und wünschte, ich könnte schlafen, sodass die Nacht so schnell, wie möglich, vorbei ist.
Mein Kopf lässt sich nun mal nicht ausschalten und so drehen sich meine Gedanken um die vielen Baustellen meines Lebens. Der Schmerz ist in der Nacht so präsent, dass ich ihn förmlich berühren kann, ihn im Raum schweben sehe, wie ein dunkler Nebel, der mich zu verschlucken droht.
Ich setze mir meinen Kopfhörer auf und schalte eine, für mich, wohlklingende Musik ein. Mit aller Kraft versuche ich dem Text zu folgen, bloß keinen eigenen Gedankengängen nachzugehen, was in der Regel nur sehr kläglich klappt.
Mein Kopf macht, was er will und so werde ich in Situationen zurückgeschickt, die mich erzittern lassen, die mir die Tränen in die Augen treiben. Ich finde mich wieder in Räumen, deren Geruch allein Übelkeit in mir auslöst. Ich reise in vergangene Jahre zurück und sehe Erlebtes so real vor mir. Es ist anstrengend und schmerzvoll.

Manchmal kann ich meinen Kopf in eine andere Richtung leiten, ich kann ihn für einen kurzen Moment steuern. Ich befinde mich dann an einem Strand, fühle den Sand unter meinen Sohlen, spüre den Wind, wie er meine Haut streift. Ich sehe das Wasser, das hohe Wellen schlägt. Meine Füße gehen in seine Richtung und ich merke, wie sich das kalte Wasser an meinem Bein bricht. Mein Weg führt mich immer weiter in die Wassermassen und diese gewinnen allmählich die Macht über mich, ich lasse mich treiben und gleite in sie hinein. Mein Atem setzt aus und ich sinke tiefer, in Richtung Meeresboden.
Ich liege einfach nur da und reise in die Tiefen des Meeres. Oft sehe ich mich dann, als würde ich bloß ein Taucher sein, der das Geschehene beobachtet. Ich sehe, wie ich tiefer sinke und ertrinke. Ganz unbeteiligt und anteilsnahmlos betrachte ich, wie mein Körper langsam verschwindet und ich verblasse. In diesem Moment fühle ich mich verblasst und vollkommen leer. 

Einen kurzen Augenblick später wird die Leere durch Gedankenströme ersetzt und ich erlebe die vielen grausigen Situationen meines Lebens erneut. Sehe Personen, denen ich nie wieder begegnen wollte. Sehe Personen, die ich auf meinem Lebensweg verloren habe.

Irgendwann ist mein Körper dann so müde, dass ich schlafe und auch dann lassen mich die vielen abgespeicherten Bilder nicht in Ruhe. Ich erlebe die bedeutenden Lebensstationen so oft wieder. Sie sind im Schlaf so unendlich real, so unerträglich.

Am Morgen, wenn ich aufwache, fühle ich mich wie gerädert und ich kann jede verhasste Berührung, jede geweinte Träne auf meinem Körper spüren. Fühle mich dreckig, als sei alles grade erst passiert. Ich wünsche mir so oft, ich könnte meinen Kopf einfach ausschalten, für immer. Gedankenlos, auf den Meeresboden zu treibend, sein.



Traumtänzerin

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