Samstag, 18. August 2012

Die Mauer

Mich umgibt eine hohe dicke Mauer, über die ich nicht hinüber blicken kann. Ich bin eingeschlossen in ihrem dunklen Inneren.
Ich werde wahnsinnig, weil ich hier so einsam bin. Alleine schaffe ich es nicht, über sie hinüber zu springen, sie zu durchbrechen oder niederzureißen.

Einst baute ich diese Mauer, um mich zu schützen. Und ich bin immer noch fest davon überzeugt, dass ich sie brauche. Ich brauche sie, um mich vor Verletzungen, bösen Angriffen und dem Leben zu schützen.

Doch, wie ein, mir sehr wichtiger, Mensch sagte: eine Mauer schließe auch immer Menschen aus. Wie wahr!
Ab und an öffne ich mal ein kleines Türchen in meiner Mauer und lasse einen Menschen in meinen Schutzort hinein, doch so schnell ich das Türchen geöffnet habe, schließt es sich auch wieder und ich bin erneut allein.
Es gibt Tage, da ist meine Mauer höher und Tage, an denen sie etwas niedriger ist.

Es gibt Momente, da komme ich vor das Mauerwerk und fühle mich ein ganz bisschen frei. Dieser Moment wird durch meine Angst jäh zerstört und ich renne zurück, hinein in meine sichere Festung.

Doch hier drin gibt es kaum Möglichkeit, wie ich mich ablenken könnte. Es gibt keine Mauer über mir, keine Decke, die mich vor Regen schützt.
Oft ziehen schwarze Regenwolken auf und fluten meine angeblich sichere Festung. Ich kann dann das Türchen nicht mehr finden und bin kurz davor zu ertrinken. Dann steigt in mir die blanke Panik auf und ich verzweifle. Sehe mich schon tot in diesem Gemäuer liegen. Wer soll mich retten, wenn ich doch niemanden hinein lasse?
Zum Glück schicken mir dann wundervolle Menschen einen warmen Lichtstrahl, der das Wasser so weit verdunsten lässt, dass mein Kopf über ihm ist und ich halbwegs atmen kann.

Ich sitze also hier, in meiner Mauer. Habe mich vor langer Zeit eingeschlossen und komme nicht mehr raus. Sicherlich werde ich in ihr sterben. Denn ein Mensch braucht Nahrung, um zu überleben.

Was würdest du tun, wenn du hinter dieser Mauer gefangen wärst?


Wolkentänzerin

1 Kommentar:

  1. Wahrscheinlich gibt es keine Antwort auf diese Frage, denn hinter dieser Mauer sind alle Maßstäbe verlorengegangen.
    Wenn es etwas wie Hinweise gäbe, was zu tun wäre, dann könnte man es ja tun. Aber hinter der Mauer gelten solche Regeln nicht mehr.
    Vielleicht liegt die Lösung nicht im eigenen Handeln, sondern im eigenen Werden. Und wenn es gelingt, die Zeit zu überdauern, wird diese Ohnmacht dem Wachsen weichen, und man kann über die Mauer steigen.

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